KUKACKA: SKEPSIS GEGEN EINFÜHRUNG VON "FAHREN MIT LICHT AM TAG"

Kein nationaler Alleingang, sondern EU-weit als "automatisches Tagfahrlicht" realisieren

Wien, 2.August 2002 (ÖVP-PK) Sehr skeptisch äußerte sich heute, Freitag, ÖVP-Verkehrssprecher Abg. Mag. Helmut Kukacka zum vorliegenden Entwurf der 22. KFG-Novelle, mit der neuerlich "Fahren mit Licht am Tag" gesetzlich vorgeschrieben werden soll. Bereits vor einigen Jahren wurde das Fahren mit Licht diskutiert, dann aber auf Grund einer Reihe von schwerwiegenden Einwänden nicht umgesetzt. ****

Der nunmehrige Gesetzesvorschlag sieht im Gegensatz zum vorhergegangenen Vorschlag vor, dass Autofahrer nur außerhalb der Sommerzeit und außerhalb des Ortsgebietes tagsüber das Abblendlicht oder ein spezielles Tagfahrlicht einschalten sollen, auch wenn keine Sichtbehinderung durch Regen, Schneefall oder Nebel vorliegt.

Auch die Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ sowie die Wirtschaftskammer Österreich und einige Bundesländer haben sich in ihren Stellungnahmen im Rahmen des Begutachtungsverfahrens ablehnend zu "Fahren mit Licht am Tag" ausgesprochen.

Am 17. Juni ist die Begutachtungsfrist zu Ende gegangen, wobei sich für die ÖVP eine Reihe von Einwänden ergeben, die die Sinnhaftigkeit dieser Regelung stark in Frage stellen:

o Der Lenker eines Kraftwagen, der beim Verlassen des Ortsgebietes vergisst, sein Licht einzuschalten, würde sofort strafbar.
o Durch Fahren mit Licht am Tag wären vor allem Fußgänger -insbesondere Kinder - und Radfahrer - für den Kraftfahrer schlechter sichtbar.
o Es wird der Sicherheitsvorteil für Lenker von einspurigen Fahrzeugen, die seit vielen Jahren mit Licht am Tage fahren müssen, bei einer allgemeinen Verpflichtung für sämtliche Kraftfahrzeuge zunichte gemacht.
o Es kommt erfahrungsgemäß immer wieder zu unnötigen Blendwirkungen durch entgegenkommende Fahrzeuge, die im Einzelfall sogar zu einer Ablenkung führen können, wobei die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass Kraftfahrer irrtümlich das Fernlicht verwenden und somit für andere Verkehrsteilnehmer eine Blendgefahr bewirkt wird, um so mehr als die Fernlicht-Kontrolle auf dem Armaturenbrett bei Tageslicht leicht zu übersehen ist.
o Die Meinung der Fachleute über Fahren mit Licht am Tag sind nach wie vor sehr unterschiedlich. Es existieren keine exakten Untersuchungen über eine positive Auswirkung auf die Verkehrssicherheit. Unfallreduktionen in den skandinavischen Ländern sind auf die Maßnahme "Fahren mit Licht am Tag" nicht nachweisbar. Vielmehr hat eine 1994 vorgenommene Überprüfung einer schwedischen Untersuchung zu "Fahren mit Licht am Tag" sogar ergeben, dass gemessen an der Zahl der Gesamtunfälle die Zahl der Unfälle mit mehreren Beteiligten bei Tageslicht sogar leicht zugenommen hat.
o Es wurde bislang noch kein europäischer Großversuch gestartet.
o Durch den höheren Benzinverbrauch, verursacht durch das ständige Leuchten des Abblendlichtes, und den damit stärkeren Schadstoffausstoß ist "Fahren mit Licht am Tag" umweltpolitisch bedenklicher.
o In Deutschland wurde bereits ein "Running light" (Tagfahrlicht) vorgestellt, das serienmäßig eingebaut werden kann bzw. zur Nachrüstung dient. Es leuchtet nur nach vorne und vermeidet daher höheren Treibstoffverbrauch. Derzeit werden in der EU werkseitig keine Autos mit automatischem Tagesfahrlicht ausgerüstet. Der EU-Ministerrat akzeptiert nur eine freiwillige Selbstverpflichtung der Autohersteller.

"Unter Berücksichtigung all dieser Einwände und unter dem Aspekt einer europäischen Harmonisierung der Ausrüstungsvorschriften ist es daher wenig sinnvoll, einen österreichischen Alleingang in dieser Frage zu starten, sondern es sollte eine EU-weite Lösung gesucht werden", stellte Kukacka klar.

Wenn aber durch entsprechende wissenschaftliche Begleituntersuchungen nachgewiesen wird, dass "Licht am Tag" tatsächlich einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf Österreichs Straßen bringt, sollte anstelle eines nationalen Alleinganges Österreich auf EU-Ebene alle Anstrengungen unternehmen, um dem "automatischen Tagfahrlicht" zum Durchbruch zu verhelfen.

Österreich sollte eine EU-weite Ausstattungspflicht für alle neu zugelassenen Kfz mit Tagfahrleuchten durchsetzen, die mit der Einschaltung der Zündung automatisch eingeschaltet werden. Mit dieser Lösung könnten die unzweifelhaft bestehenden Vorteile der besseren (früheren) Erkennbarkeit von beleuchteten Kfz genutzt, die vielfach befürchteten und emotional stark von vielen Lenkern vorgebrachten Nachteile vom Abblendlicht bei Tag aber weitgehend vermieden werden.

Er sehe deshalb keine Notwendigkeit, dass "Licht am Tag" noch in dieser Legislaturperiode als nationaler Alleingang und ohne EU-Gleichklang realisiert werde, schloss Kukacka.
(Schluss)

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