• 02.08.2002, 12:27:29
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KUKACKA: SKEPSIS GEGEN EINFÜHRUNG VON "FAHREN MIT LICHT AM TAG"

Kein nationaler Alleingang, sondern EU-weit als "automatisches
Tagfahrlicht" realisieren

Wien, 2.August 2002 (ÖVP-PK) Sehr skeptisch äußerte sich heute,
Freitag, ÖVP-Verkehrssprecher Abg. Mag. Helmut Kukacka zum
vorliegenden Entwurf der 22. KFG-Novelle, mit der neuerlich "Fahren
mit Licht am Tag" gesetzlich vorgeschrieben werden soll. Bereits vor
einigen Jahren wurde das Fahren mit Licht diskutiert, dann aber auf
Grund einer Reihe von schwerwiegenden Einwänden nicht umgesetzt. ****

Der nunmehrige Gesetzesvorschlag sieht im Gegensatz zum
vorhergegangenen Vorschlag vor, dass Autofahrer nur außerhalb der
Sommerzeit und außerhalb des Ortsgebietes tagsüber das Abblendlicht
oder ein spezielles Tagfahrlicht einschalten sollen, auch wenn keine
Sichtbehinderung durch Regen, Schneefall oder Nebel vorliegt.

Auch die Autofahrerclubs ÖAMTC und ARBÖ sowie die
Wirtschaftskammer Österreich und einige Bundesländer haben sich in
ihren Stellungnahmen im Rahmen des Begutachtungsverfahrens ablehnend
zu "Fahren mit Licht am Tag" ausgesprochen.

Am 17. Juni ist die Begutachtungsfrist zu Ende gegangen, wobei
sich für die ÖVP eine Reihe von Einwänden ergeben, die die
Sinnhaftigkeit dieser Regelung stark in Frage stellen:

o Der Lenker eines Kraftwagen, der beim Verlassen des Ortsgebietes
vergisst, sein Licht einzuschalten, würde sofort strafbar.
o Durch Fahren mit Licht am Tag wären vor allem Fußgänger -
insbesondere Kinder - und Radfahrer - für den Kraftfahrer schlechter
sichtbar.
o Es wird der Sicherheitsvorteil für Lenker von einspurigen
Fahrzeugen, die seit vielen Jahren mit Licht am Tage fahren müssen,
bei einer allgemeinen Verpflichtung für sämtliche Kraftfahrzeuge
zunichte gemacht.
o Es kommt erfahrungsgemäß immer wieder zu unnötigen Blendwirkungen
durch entgegenkommende Fahrzeuge, die im Einzelfall sogar zu einer
Ablenkung führen können, wobei die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass
Kraftfahrer irrtümlich das Fernlicht verwenden und somit für andere
Verkehrsteilnehmer eine Blendgefahr bewirkt wird, um so mehr als die
Fernlicht-Kontrolle auf dem Armaturenbrett bei Tageslicht leicht zu
übersehen ist.
o Die Meinung der Fachleute über Fahren mit Licht am Tag sind nach
wie vor sehr unterschiedlich. Es existieren keine exakten
Untersuchungen über eine positive Auswirkung auf die
Verkehrssicherheit. Unfallreduktionen in den skandinavischen Ländern
sind auf die Maßnahme "Fahren mit Licht am Tag" nicht nachweisbar.
Vielmehr hat eine 1994 vorgenommene Überprüfung einer schwedischen
Untersuchung zu "Fahren mit Licht am Tag" sogar ergeben, dass
gemessen an der Zahl der Gesamtunfälle die Zahl der Unfälle mit
mehreren Beteiligten bei Tageslicht sogar leicht zugenommen hat.
o Es wurde bislang noch kein europäischer Großversuch gestartet.
o Durch den höheren Benzinverbrauch, verursacht durch das ständige
Leuchten des Abblendlichtes, und den damit stärkeren
Schadstoffausstoß ist "Fahren mit Licht am Tag" umweltpolitisch
bedenklicher.
o In Deutschland wurde bereits ein "Running light" (Tagfahrlicht)
vorgestellt, das serienmäßig eingebaut werden kann bzw. zur
Nachrüstung dient. Es leuchtet nur nach vorne und vermeidet daher
höheren Treibstoffverbrauch. Derzeit werden in der EU werkseitig
keine Autos mit automatischem Tagesfahrlicht ausgerüstet. Der
EU-Ministerrat akzeptiert nur eine freiwillige Selbstverpflichtung
der Autohersteller.

"Unter Berücksichtigung all dieser Einwände und unter dem Aspekt
einer europäischen Harmonisierung der Ausrüstungsvorschriften ist es
daher wenig sinnvoll, einen österreichischen Alleingang in dieser
Frage zu starten, sondern es sollte eine EU-weite Lösung gesucht
werden", stellte Kukacka klar.

Wenn aber durch entsprechende wissenschaftliche
Begleituntersuchungen nachgewiesen wird, dass "Licht am Tag"
tatsächlich einen Beitrag zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf
Österreichs Straßen bringt, sollte anstelle eines nationalen
Alleinganges Österreich auf EU-Ebene alle Anstrengungen unternehmen,
um dem "automatischen Tagfahrlicht" zum Durchbruch zu verhelfen.

Österreich sollte eine EU-weite Ausstattungspflicht für alle neu
zugelassenen Kfz mit Tagfahrleuchten durchsetzen, die mit der
Einschaltung der Zündung automatisch eingeschaltet werden. Mit dieser
Lösung könnten die unzweifelhaft bestehenden Vorteile der besseren
(früheren) Erkennbarkeit von beleuchteten Kfz genutzt, die vielfach
befürchteten und emotional stark von vielen Lenkern vorgebrachten
Nachteile vom Abblendlicht bei Tag aber weitgehend vermieden werden.

Er sehe deshalb keine Notwendigkeit, dass "Licht am Tag" noch in
dieser Legislaturperiode als nationaler Alleingang und ohne
EU-Gleichklang realisiert werde, schloss Kukacka.
(Schluss)

Rückfragehinweis: Pressestelle des ÖVP-Parlamentsklubs
Tel. 01/40110/4432
http://www.parlament.gv.at/v-klub/default.htm

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | VPK/ÖVP-PK

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