DER STANDARD-Kommentar: "Keine billige Rutsche" (von Luise Ungerboeck) - Erscheinungstag 30. 7. 2002

(ots) - Es ist eine Ironie des Schicksals. Ausgerechnet das Prestigeprojekt des Kärntner Landeshauptmanns und der aus dem Süden Österreichs stammenden FPÖ-Politiker, allen voran Infrastrukturminister Mathias Reichhold, wurde von den Höchstrichtern überraschend gestoppt. Weil im Verfahren vermutlich nur die "Kleinigkeit" einer Umweltverträglichkeitsprüfung als nicht notwendig erachtet, übersprungen, vergessen, jedenfalls nicht bedacht wurde.

Für Reichhold ist dieses Attest des Verwaltungsgerichtshofs doppelt peinlich, denn erstens ist der Fehler der in seinem Ministerium angesiedelten Obersten Eisenbahnbehörde unterlaufen. Und zweitens hat sich der Kärntner Reichhold gerade anhand dieses Projekts gerühmt, dass in seinem Monster- und Chaos-Ministerium etwas weiter geht, seit er an den Schalthebeln sitzt. Kein Wunder also, dass er prompt auf die Höchstrichter losgeht, sie hätten gegen Kärnten entschieden, als auf der Sachebene zu bleiben.

Tatsächlich aber wirft die Causa, die das Loch in der Koralm schlimmstenfalls um mindestens zwei Jahre verzögert, nicht nur grelles Licht auf die Arbeit der Behörden, die Anrainerrechte allzu gern übergehen, sondern auch auf die politischen Entscheidungsträger. Denn das Projekt Koralmtunnel ist eine Revanche der Kärntner (und Steirer) gegen die Dauerverhinderer des Semmeringbasistunnels in Niederösterreich.

Die ausgebaute Koralm ohne einen Semmeringtunnel bringt für die Leistungsfähigkeit der Südbahnstrecke ungefähr so viel, wie ein Auto ohne Sprit. Macht nix, gebaut wird sie dennoch, denn sie lässt sich so gut verkaufen daheim. Eine billige Rutsche für einen künftigen Kärntner Landeshauptmann Reichhold ist sie aber keinesfalls.

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