- 29.07.2002, 17:22:58
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DER STANDARD-Kommentar: "Keine billige Rutsche" (von Luise Ungerboeck) - Erscheinungstag 30. 7. 2002
(ots) - Es ist eine Ironie des Schicksals. Ausgerechnet das
Prestigeprojekt des Kärntner Landeshauptmanns und der aus dem Süden
Österreichs stammenden FPÖ-Politiker, allen voran
Infrastrukturminister Mathias Reichhold, wurde von den Höchstrichtern
überraschend gestoppt. Weil im Verfahren vermutlich nur die
"Kleinigkeit" einer Umweltverträglichkeitsprüfung als nicht notwendig
erachtet, übersprungen, vergessen, jedenfalls nicht bedacht wurde.
Für Reichhold ist dieses Attest des Verwaltungsgerichtshofs doppelt
peinlich, denn erstens ist der Fehler der in seinem Ministerium
angesiedelten Obersten Eisenbahnbehörde unterlaufen. Und zweitens hat
sich der Kärntner Reichhold gerade anhand dieses Projekts gerühmt,
dass in seinem Monster- und Chaos-Ministerium etwas weiter geht, seit
er an den Schalthebeln sitzt. Kein Wunder also, dass er prompt auf
die Höchstrichter losgeht, sie hätten gegen Kärnten entschieden, als
auf der Sachebene zu bleiben.
Tatsächlich aber wirft die Causa, die das Loch in der Koralm
schlimmstenfalls um mindestens zwei Jahre verzögert, nicht nur
grelles Licht auf die Arbeit der Behörden, die Anrainerrechte allzu
gern übergehen, sondern auch auf die politischen Entscheidungsträger.
Denn das Projekt Koralmtunnel ist eine Revanche der Kärntner (und
Steirer) gegen die Dauerverhinderer des Semmeringbasistunnels in
Niederösterreich.
Die ausgebaute Koralm ohne einen Semmeringtunnel bringt für die
Leistungsfähigkeit der Südbahnstrecke ungefähr so viel, wie ein Auto
ohne Sprit. Macht nix, gebaut wird sie dennoch, denn sie lässt sich
so gut verkaufen daheim. Eine billige Rutsche für einen künftigen
Kärntner Landeshauptmann Reichhold ist sie aber keinesfalls.
Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428
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