DER STANDARD-Bericht: "Das Geld kommt mit der Glaubwürdigkeit: Neuer Chef der Drogenkontrollbehörde, Antonio Maria Costa, auf Lokalaugenschein in Afghanistan" - Erscheinungstag 27.7.2002

Wien (ots) - Antonio Maria Costa, seit Mai Chef des UNO-Büros für Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (ODCCP), ist soeben aus Kabul zurückgekehrt, wo er eine Koordinationskonferenz zur Drogenpolitik in Afghanistan besucht und sich mit Präsident Hamid Karsai und anderen Offiziellen beraten hat. Sensationelle Ankündigungen sind seine Sache nicht, die Grundstimmung des höchsten UNO-Drogenbekämpfers ist aber optimistisch - trotz der Erwartung, dass die Opiumernte in Afghanistan heuer bis zu 50 Prozent höher ausfallen wird als im Vorjahr, als die Taliban in den von ihnen kontrollierten Gebieten ein fast totales Anbauverbot durchgesetzt hatten.

Costa zeigt sich im Gespräch mit dem Standard überzeugt, dass die Regierung Karsai es mit ihren Maßnahmen gegen den Drogenanbau völlig ernst meine - da die "alte" Nordallianz, die den Grundstock der jetzt Herrschenden stellt, ihre Finanzen hauptsächlich auf den Drogenanbau und -handel gestützt hatte, war das ja von Experten bezweifelt worden. Tatsächlich hat Karsai nicht nur schon im Jänner den Anbaustopp verkündet, inzwischen sind auch konkrete Schritte zu Vernichtung der Ernte gesetzt werden, teils noch auf den Feldern, teils durch Zerstörung des fertigen Opiums - Costa selbst war bei der Verbrennung von vier Tonnen dabei.

Hilfe zur Selbsthilfe

Aber beim Training zum korrekten "law enforcement" (Polizeiarbeit), aber auch bei der Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, der Nachfragereduktion und Behandlung von Drogensüchtigen sowie der regionalen Kooperation braucht Afghanistan natürlich die Anleitung und Hilfe der UNO, die in Kabul mit zwanzig Agenturen vertreten ist.

Nicht zum ersten Mal weist Costa auf die enge Verbindung zwischen Drogen und schmutzigem Geld und Verbrechen - und Terrorismus - hin. Die afghanische Regierung habe aber nicht nur aus Sorge um die eigene Stabilität, sondern auch wegen des in dem vom Krieg verwüsteten Land grassierenden Drogenproblems ein starkes Eigeninteresse daran, die Drogen zu bannen: Wie alle physisch und psychisch erschöpften Menschen mit leichtem Zugang zu Drogen sind die Afghanen suchtanfällig.

Die Klagen, dass die internationale Gemeinschaft zu wenig für Afghanistan tue, will Costa nicht bestätigen. Eine erkleckliche Summe Geldes gehe nach Afghanistan, das Problem seien die Verteilungsmechanismen, die Strukturen dafür müssten erst mühsam aufgebaut werden - wobei immer daran zu denken sei, dass die afghanische Regierung in die Lage versetzt werden müsse, diese Arbeit einmal selbst zu übernehmen.

Ein Problem in allen Drogenanbaugebieten der Welt sind die Alternativen für die die Rohstoffe anbauenden Bauern, und da hat Costa kreative Ideen in petto - die Vergabe von günstigen Kleinkrediten an Bauern, die sich verpflichten, andere landwirtschaftliche Produkte anzubauen. Das klingt einfach, es gibt aber vieles zu bedenken: dass nicht der Aufbau eines afghanischen Bankensystems dadurch unterlaufen werde, auch bestehe die Gefahr, dass in einem ersten Moment der Drogenanbau - den man sich später "abkaufen" lässt - angeheizt wird. Und natürlich kann das nur funktionieren, wo die Gebiete unter voller Kontrolle der Zentralregierung stehen - was etwa im afghanischen-pakistanischen Grenzgebiet nicht der Fall ist.

Das UNO-Drogenkontrollprogramm ist soeben dabei, sein Büro in Kabul neu aufzubauen, der Chef wird in den nächsten Tagen bestimmt werden. Zwischen zehn und zwölf Leute werden dort arbeiten, weiters zwanzig in der Projektarbeit und siebzig, zumeist Einheimische, für Erhebung und Kontrolle.

Woher das Geld für das alles kommt in einer ODCCP, die beim Abgang von Costas Vorgänger in finanziellen Schwierigkeiten und speziell für Afghanistan fast bei null angelangt war? "Das hängt immer von der Glaubwürdigkeit und Transparenz der Projekte ab. Gibt es die, gibt es auch Geld", sagt Costa. Und überreicht ein säuberlich gebundenes Dossier, in dem bei zu den einzelnen Projekten auch der jeweilige Finanzierungsstand mitgeteilt wird.

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