- 26.07.2002, 17:38:42
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DER STANDARD-Bericht: "Das Geld kommt mit der Glaubwürdigkeit: Neuer Chef der Drogenkontrollbehörde, Antonio Maria Costa, auf Lokalaugenschein in Afghanistan" - Erscheinungstag 27.7.2002
Wien (ots) - Antonio Maria Costa, seit Mai Chef des UNO-Büros für
Drogenkontrolle und Verbrechensbekämpfung (ODCCP), ist soeben aus
Kabul zurückgekehrt, wo er eine Koordinationskonferenz zur
Drogenpolitik in Afghanistan besucht und sich mit Präsident Hamid
Karsai und anderen Offiziellen beraten hat. Sensationelle
Ankündigungen sind seine Sache nicht, die Grundstimmung des höchsten
UNO-Drogenbekämpfers ist aber optimistisch - trotz der Erwartung,
dass die Opiumernte in Afghanistan heuer bis zu 50 Prozent höher
ausfallen wird als im Vorjahr, als die Taliban in den von ihnen
kontrollierten Gebieten ein fast totales Anbauverbot durchgesetzt
hatten.
Costa zeigt sich im Gespräch mit dem Standard überzeugt, dass die
Regierung Karsai es mit ihren Maßnahmen gegen den Drogenanbau völlig
ernst meine - da die "alte" Nordallianz, die den Grundstock der jetzt
Herrschenden stellt, ihre Finanzen hauptsächlich auf den Drogenanbau
und -handel gestützt hatte, war das ja von Experten bezweifelt
worden. Tatsächlich hat Karsai nicht nur schon im Jänner den
Anbaustopp verkündet, inzwischen sind auch konkrete Schritte zu
Vernichtung der Ernte gesetzt werden, teils noch auf den Feldern,
teils durch Zerstörung des fertigen Opiums - Costa selbst war bei der
Verbrennung von vier Tonnen dabei.
Hilfe zur Selbsthilfe
Aber beim Training zum korrekten "law enforcement" (Polizeiarbeit),
aber auch bei der Schaffung der gesetzlichen Rahmenbedingungen, der
Nachfragereduktion und Behandlung von Drogensüchtigen sowie der
regionalen Kooperation braucht Afghanistan natürlich die Anleitung
und Hilfe der UNO, die in Kabul mit zwanzig Agenturen vertreten ist.
Nicht zum ersten Mal weist Costa auf die enge Verbindung zwischen
Drogen und schmutzigem Geld und Verbrechen - und Terrorismus - hin.
Die afghanische Regierung habe aber nicht nur aus Sorge um die eigene
Stabilität, sondern auch wegen des in dem vom Krieg verwüsteten Land
grassierenden Drogenproblems ein starkes Eigeninteresse daran, die
Drogen zu bannen: Wie alle physisch und psychisch erschöpften
Menschen mit leichtem Zugang zu Drogen sind die Afghanen
suchtanfällig.
Die Klagen, dass die internationale Gemeinschaft zu wenig für
Afghanistan tue, will Costa nicht bestätigen. Eine erkleckliche Summe
Geldes gehe nach Afghanistan, das Problem seien die
Verteilungsmechanismen, die Strukturen dafür müssten erst mühsam
aufgebaut werden - wobei immer daran zu denken sei, dass die
afghanische Regierung in die Lage versetzt werden müsse, diese Arbeit
einmal selbst zu übernehmen.
Ein Problem in allen Drogenanbaugebieten der Welt sind die
Alternativen für die die Rohstoffe anbauenden Bauern, und da hat
Costa kreative Ideen in petto - die Vergabe von günstigen
Kleinkrediten an Bauern, die sich verpflichten, andere
landwirtschaftliche Produkte anzubauen. Das klingt einfach, es gibt
aber vieles zu bedenken: dass nicht der Aufbau eines afghanischen
Bankensystems dadurch unterlaufen werde, auch bestehe die Gefahr,
dass in einem ersten Moment der Drogenanbau - den man sich später
"abkaufen" lässt - angeheizt wird. Und natürlich kann das nur
funktionieren, wo die Gebiete unter voller Kontrolle der
Zentralregierung stehen - was etwa im afghanischen-pakistanischen
Grenzgebiet nicht der Fall ist.
Das UNO-Drogenkontrollprogramm ist soeben dabei, sein Büro in Kabul
neu aufzubauen, der Chef wird in den nächsten Tagen bestimmt werden.
Zwischen zehn und zwölf Leute werden dort arbeiten, weiters zwanzig
in der Projektarbeit und siebzig, zumeist Einheimische, für Erhebung
und Kontrolle.
Woher das Geld für das alles kommt in einer ODCCP, die beim Abgang
von Costas Vorgänger in finanziellen Schwierigkeiten und speziell für
Afghanistan fast bei null angelangt war? "Das hängt immer von der
Glaubwürdigkeit und Transparenz der Projekte ab. Gibt es die, gibt es
auch Geld", sagt Costa. Und überreicht ein säuberlich gebundenes
Dossier, in dem bei zu den einzelnen Projekten auch der jeweilige
Finanzierungsstand mitgeteilt wird.
Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428
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