EGB-Präsident Verzetnitsch begrüßt Abkommen zur Telearbeit

Nun geht es um rasche Umsetzung mittels Kollektivverträgen

Wien/Brüssel (EGB/ÖGB). Anlässlich der heutigen Unterzeichnung des Europäischen Rahmenabkommens zur Telearbeit in Brüssel durch EGB, UNICE/UEAPME und CEEP in Anwesenheit von EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou, betonte EGB- und ÖGB-Präsident Fritz Verzetnitsch die Wichtigkeit dieses Übereinkommens, da Telearbeit ein zunehmend bedeutender Faktor in der Arbeitswelt ist. Bereits im Jahre 2010, so Schätzungen, könnten mehr als 17 Millionen TelearbeiterInnen in der Europäischen Union tätig sein. Verzetnitsch begrüßte die Unterzeichnung dieses Abkommens und geht davon aus, dass seine nationale Umsetzung in Staaten in erster Linie über Kollektivverträge zügig und in umfassender Form erfolgt.++++

Bei den Bestimmungen handelt es sich ausdrücklich um Mindeststandards, die nicht zum Anlass genommen werden dürfen, allfällige günstigere Vorschriften für die ArbeitnehmerInnen zu verhindern oder zu verschlechtern. Darüber hinaus wird die Freiwilligkeit von Telearbeit betont und den Beschäftigten grundsätzlich ein Rückkehrrecht auf einen konventionellen Arbeitsplatz zugestanden. Die diesbezüglichen Modalitäten sollen von ArbeitnehmerInnen und Arbeitgebern und/oder durch kollektive Regelungen festgelegt werden. "Die Vereinbarkeit regelt die Arbeitsbedingungen und verwirklicht mit den Prinzipien der 'Freiwilligkeit' und der 'Nichtdiskriminierung' zwei zentrale Gewerkschaftsanliegen. Das Abkommen selbst ist innerhalb von drei Jahren in den einzelnen Mitgliedstaaten umzusetzen", betonte Verzetnitsch. Das Abkommen zielt darauf ab, die Telearbeit so zu entwickeln, dass es zu einer besseren Vereinbarkeit von Berufstätigkeit und Privatleben kommt und soziales Dumping verhindert wird. Im Abkommen selbst wird festgehalten, dass die Arbeitgeber den Datenschutz und den Schutz der Privatsphäre der ArbeitnehmerInnen zu wahren haben und die TelearbeiterInnen den gleichen Zugang zur Aus-und Weiterbildung wie vergleichbare ArbeitnehmerInnen im gleichen Unternehmen haben.

Der heutigen Unterzeichnung des Europäischen Rahmenabkommens zur Telearbeit gingen Verhandlungen der Europäischen Sozialpartner voran, bei denen man sich über die Arbeitsbedingungen für die Tele-ArbeitnehmerInnen einigen und die seit Oktober 2001 laufenden Verhandlungen zwischen dem Europäischen Gewerkschaftsbund (EGB) einerseits und UNICE/UEAPME und CEEP andererseits erfolgreich abschließen konnte.

Europäischer Kollektivvertrag

Von den Verhandlungspartnern wurde die historische Dimension des Abkommens betont, da erstmals eine Sozialpartnervereinbarung nicht durch eine EU-Richtlinie verwirklicht wird, sondern die Mitgliedsverbände sich um eine eigenständige nationale Umsetzung in den Mitgliedstaaten bemühen. Dies soll in erster Linie mittels Kollektivverträgen geschehen, was dem Charakter eines ersten europäischen Kollektivvertrags auf branchen- und länderübergreifender Ebene entsprechen würde. "Um dieses Abkommen zu einem Erfolgsmodell der Europäischen Sozialpartnerschaft zu machen, ist eine sorgfältige Umsetzung in den einzelnen Staaten und eine diesbezügliche Evaluierung notwendig. Der EGB konnte dabei die Einsetzung einer "ad-hoc-Gruppe" durchsetzen, die unter dem Dach des Ausschusses für Sozialen Dialog angesiedelt wird, an die von den nationalen Organisationen über den Stand der Umsetzung zu berichten ist", sagte der EGB-/ÖGB-Präsident.

"Das Abkommen ist als großer Erfolg für die Handlungsfähigkeit der Europäischen Sozialpartner zu werten. Die wichtigsten Forderungen der Gewerkschaften konnten durchgesetzt werden. Nun geht es darum, dass die Umsetzung des Abkommens in erster Linie per Kollektivvertrag rasch erfolgt", stellte EGB-/ÖGB-Präsident Verzetnitsch abschließend fest. (ew)

ÖGB, 16. Juli 2002
Nr. 603

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