• 14.07.2002, 18:52:50
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Eine saubere Partei" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 15. 7. 2002

Innsbruck (OTS) - Die FPÖ kann zufrieden sein. Reinhart Gaugg und
Ewald Stadler, zwei altbekannte Mitstreiter Jörg Haiders, sorgen auf
unterschiedliche Art für die nötige Erregung, welche die FPÖ so
notwendig braucht.
So wird die FPÖ die Diskussion um Gaugg dazu verwenden, ihr
verordnetes Saubermannimage aufzupolieren. Der freiheitliche
Sozialsprecher will Vizegeneraldirektor der PVA werden. Dank der
Regierungsbeteiligung besorgt sich die FPÖ nun immer mehr solche
Jobs, die sie zuvor als Auswüchse des großkoalitionären
Postenschachers bezeichnete. Dafür bekommt Gaugg sogar einen
Sondervertrag. Sobald er diesen in Händen hält, wird Gaugg sein
Nationalratsmandat zurücklegen, weil dies die FPÖ unter Androhung des
Parteiausschlusses so haben will. Gaugg wird dann – trotz
Sondervertrag – als Pate für die Sauberkeit in der FPÖ stehen.
Klubobmann Westenthaler hat die Sommerkampagne über die
„Ämter-Kumulierer“ in den anderen Parteien schon angekündigt.
Anders der Fall Stadler: Hier wird zuerst der rechte Rand in der
Bevölkerung bedient, dann die Opferrolle gesucht. Am Anfang stand die
provokative Attacke. Volksanwalt Stadler hatte mit seiner unsäglichen
Sonnwend-Rede den zeitgeschichtlichen Grundkonsens infrage gestellt.
Nennt er diesen Konsens doch „Staats-ideolgie“. Dann sprach er von
einer „angeblichen“ Befreiung vom Faschismus und stellte zugleich die
Nazidiktatur mit der sowjetischen Besatzungszeit mehr oder weniger
gleichrangig nebeneinander. Als Stadler dann von verschiedener Seite
angegriffen wurde, stellte sich die Parteispitze hinter ihren
„lupenreinen Demokraten“. Schließlich lasse man sich nicht von
Gutmenschen und Tugendterroristen unter Druck setzen.
Die FPÖ plant ihren Wahlkampf. Und für eine Partei, wie es die FPÖ
nun einmal ist, wären Lohnnebenkosten oder Wirtschaftsstandort
ungeeignete Wahlkampfthemen. Da sucht die Partei des kleinen Mannes
doch lieber die Erregung

Rückfragehinweis:
Rückfragehinweis: Tiroler Tageszeitung, Chefredaktion Tel.: 0512/5354 DW 601

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