"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Eine saubere Partei" (Von Michael Sprenger)

Ausgabe vom 15. 7. 2002

Innsbruck (OTS) - Die FPÖ kann zufrieden sein. Reinhart Gaugg und Ewald Stadler, zwei altbekannte Mitstreiter Jörg Haiders, sorgen auf unterschiedliche Art für die nötige Erregung, welche die FPÖ so notwendig braucht.
So wird die FPÖ die Diskussion um Gaugg dazu verwenden, ihr verordnetes Saubermannimage aufzupolieren. Der freiheitliche Sozialsprecher will Vizegeneraldirektor der PVA werden. Dank der Regierungsbeteiligung besorgt sich die FPÖ nun immer mehr solche Jobs, die sie zuvor als Auswüchse des großkoalitionären Postenschachers bezeichnete. Dafür bekommt Gaugg sogar einen Sondervertrag. Sobald er diesen in Händen hält, wird Gaugg sein Nationalratsmandat zurücklegen, weil dies die FPÖ unter Androhung des Parteiausschlusses so haben will. Gaugg wird dann – trotz Sondervertrag – als Pate für die Sauberkeit in der FPÖ stehen. Klubobmann Westenthaler hat die Sommerkampagne über die „Ämter-Kumulierer“ in den anderen Parteien schon angekündigt. Anders der Fall Stadler: Hier wird zuerst der rechte Rand in der Bevölkerung bedient, dann die Opferrolle gesucht. Am Anfang stand die provokative Attacke. Volksanwalt Stadler hatte mit seiner unsäglichen Sonnwend-Rede den zeitgeschichtlichen Grundkonsens infrage gestellt. Nennt er diesen Konsens doch „Staats-ideolgie“. Dann sprach er von einer „angeblichen“ Befreiung vom Faschismus und stellte zugleich die Nazidiktatur mit der sowjetischen Besatzungszeit mehr oder weniger gleichrangig nebeneinander. Als Stadler dann von verschiedener Seite angegriffen wurde, stellte sich die Parteispitze hinter ihren „lupenreinen Demokraten“. Schließlich lasse man sich nicht von Gutmenschen und Tugendterroristen unter Druck setzen.
Die FPÖ plant ihren Wahlkampf. Und für eine Partei, wie es die FPÖ nun einmal ist, wären Lohnnebenkosten oder Wirtschaftsstandort ungeeignete Wahlkampfthemen. Da sucht die Partei des kleinen Mannes doch lieber die Erregung

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