- 10.07.2002, 12:41:21
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Walser: "Ortsveränderung" konkretisiert sich - Kritik am Verlag
Wien (OTS) - Martin Walsers Pläne, nach dem Gezänk um den Roman
"Der Tod eines Kritikers" eine "Ortsveränderung" vorzunehmen,
konkretisieren sich. Das berichtet NEWS in seiner morgen
erscheinenden Ausgabe. Walser hatte, gleichfalls in einem
NEWS-Interview, auf dem Höhepunkt der Affäre erwogen, Deutschland zu
verlassen. Walser nun: "Ich denke an Ortsveränderung. Nicht an
Emigration - mein Wiener Kollege Menasse hat mir ja in der FAZ
polemisch entgegnet, ich hätte kein Recht, dieses Wort zu gebrauchen,
obwohl ich es nie gebraucht habe. Aber es gibt das Bedürfnis, nicht
mehr an Ort und Stelle sein zu müssen. Ich habe das in den siebziger
Jahren mit Erfolg ganz von selbst praktiziert - man verlegt seinen
Arbeitsplatz für eine gewisse Zeit irgendwohin. Vorübergehende
Entfernung von einem peinlichen Platz hilft viel." Walser hatte in
den siebziger Jahren jeweils viele Monate in England und den USA
verbracht und dort wesentliche Werke geschaffen.
Kritik übt Walser in NEWS an der Vorgehensweise des
Suhrkamp-Verlags, der die Auflagen zwei und drei ohne Klappentext auf
den Markt brachte: "Das fand ich mehr als komisch. Dieses
klappentextlose Buch ist die Demonstration einer Krise, die gar nicht
hätte sein müssen, weil das Buch nicht antisemitisch ist. Also hätte
der Verlag nicht als Bedenkenträger auftreten müssen. Der Verlag
hatte ja unter dem Alarmdruck der FAZ Mühe, eine Einstellung zu
meinem Buch zu finden. An einen Wechsel danke ich aber nicht. In
einer solchen Stimmungslage darf man nicht so weit gehen."
Unverändert sei sein Verhältnis zu Suhrkamp-Chef Unseld. "Er ist
krank, und solange er noch gesund war, war er immer auf meiner
Seite."
Bestimmte Änderungen am Text - Kritiker Ehrl-König sagt jetzt
nicht mehr "doitsch" - habe er "mit Bedauern und schlechtem Gewissen
und obwohl es nicht dafür stand" vorgenommen. "Aber ich hatte es
satt. Ein paar Ignoranten hatten ,doitsch’ für jiddisch gehalten. Das
ist zwar Schwachsinn, aber wenn man ignorant und polemisch ist, kann
man sich alles erlauben."
Derzeit, so Walser in NEWS, arbeite er an seinem nächsten Buch mit
dem Titel "Meßmers Reisen", eine Art Fortsetzung des Bändchens
"Meßmers Gedanken". - "Es geht um daseinsintensive Überlegungen und
Erfahrungen, und es enthält viel von dem, was ich jetzt erlebe.
Vieles kommt aus meinen Notizbüchern - nicht Erfundenheiten, sondern
Empfundenheiten."
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