VA Mag. Ewald Stadler: Zitate zur Zeitgeschichte

VA Mag. Ewald Stadler bringt im Rahmen seiner heutigen Pressekonferenz nachstehende Zitate namhafter ÖVP- und SPÖ-Politiker und Geschichtswissenschafter zur Kenntnis

Wien (OTS) - Die Position der ÖVP
"Österreich ist frei"

Außenminister Figl am 15. Mai 1955 auf dem Balkon des Schlosses Belvedere bei der Verkündung der Unterzeichnung des Staatsvertrages

17 Jahre langer Weg der Unfreiheit

"Ein 17 Jahre lang dauernder grauenvoller Weg der Unfreiheit ist beendet! Die Opfer, die Österreichs Volk in dem Glauben an seine Zukunft gebracht hat, haben nun ihre Früchte getragen. Wir haben zehn Jahre auf diesen Tag gewartet, an dem die Außenminister der Vier Mächte nach Wien kommen sollten, um die letzte Hand an den Entwurf des Staatsvertrages zu legen und ihn durch ihre Unterschrift zu bekräftigen. Heute ist der Tag gekommen, an dem wir den Vertrag unterzeichneten, womit Österreich seine Freiheit und Unabhängigkeit bekommt. ... Mit dem Dank an den Allmächtigen haben wir den Vertrag unterzeichnet und mit Freuden künden wir heute: Österreich ist frei!"

(Erklärung Aussenministers Figl im Anschluss an die Unterzeichnung des Staatsvertrages im Schloß Belvedere in Wien am 15. Mai 1955 gegenüber seinen Kollegen, den alliierten Außenministern, wiedergegeben in: Rolf Steininger - Michael Gehler (Hg): "Österreich im 20. Jahrhundert. Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart", Wien 1997, S. 217 Ebenfalls auszugsweise - aber mit der Passage des 17jährigen Weges der Unfreiheit - zitiert in Portisch-Riff: "Der lange Weg zur Freiheit", Band 2 zu "Österreich II", Wien 1986, S. 493)
Figl zählt die Jahre der NS-Herrschaft gleichermaßen mit denen der alliierten Besatzung zusammen: 17 Jahre!

Wie ein Kolonialland behandelt!

"Das österreichische Volk hat bisher, wie wir bereits hörten, an Besatzungskosten wahrlich schon genug geleistet. Bisnun sind es ... 5,5 Milliarden Schilling, die wir bezahlen mussten, für eine Befreiung zahlen mussten, die uns auf weiten Gebieten nur eine neuerliche Unfreiheit gebracht hat. ...

Ist es, Hohes Haus, nicht tragisch ... dass wir noch immer nicht frei sind, keinen Staatsvertrag haben und wie ein Kolonialland besetzt und behandelt werden und dafür sogar noch gigantische Mittel aufwenden müssen!"
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 5. April 1950 im Österreichischen Bundesrat

Grausames Spiel

"Österreich und sein Volk, das darf auch in diesem Hohen Haus ausgesprochen werden, ist darüber schwerstens enttäuscht. Es ruft deshalb den Alliierten zu, mit diesem grausamen Spiel endlich ein Ende zu machen."
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 5. April 1950 im Österreichischen Bundesrat
Herr mach uns frei!

"Hohes Haus, lassen Sie mich abschließen. Ich bin überzeugt, es gibt mit Ausnahme der Kommunisten keinen Österreicher, der nicht jeden Tag in seiner Art ein inbrünstiges Gebet spricht, nämlich das Gebet: Herr mach uns frei!"
"Ihr Großen dieser Erde, macht endlich wahr, was ihr uns 1943 in Moskau versprochen habt, macht uns frei!"
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 29. November 1950 im Österreichischen Bundesrat

Beugung internationalen Rechts - ein besetzter Staat -völkerrechtswidrige Besatzung durch eine Okkupationsarmee - Forderung nach Freiheit

"Es sind heute fast auf den Tag genau 13 Monate, dass ich mich in diesem Hohen Hause zum drittenmal mit dieser Frage befasst habe. Ich habe damals als Sprecher meiner Partei darauf hingewiesen, dass wir die fortdauernde Besetzung als im W i d e r s p r u c h z u r H a a g e r L a n d k r i e g s o r d n u n g stehend erkennen und in ihr überdies das uneingelöste Wort der Alliierten, das sie in der Moskauer Deklaration vom November 1943 klar gegeben haben, sehen. Ich verschwieg weiter nicht, dass die Beugung internationalen Rechtes und das uneingelöste Wort nicht geeignet sind, das Ansehen der Alliierten beim österreichischen Volk und darüber hinaus wohl auch in der gesamten freiheitsliebenden Welt zu vergrößern. Ich musste damals auch meiner Besorgnis darüber Ausdruck geben, dass das Andauern der rechtswidrigen Besetzung zwingend zu einer Ansehensschädigung der Alliierten in Österreich führen muss. Ich habe dann endlich im Vorjahr namens des österreichischen Volkes und für das österreichische Volk die Freiheit und damit das Ende der Besetzung gefordert.
An dieser Rechtsauffassung meiner Partei und der Forderung nach endlicher Freiheit hat sich nichts geändert. Wir betrachten nach wie vor die Besetzung als einen verderblichen Verstoß gegen das internationale Völkerrecht und obendrein als eine Handlungsweise, die in unmittelbarer Nähe gebrochener Zusicherung liegt. Es ist ungemein bedauerlich, dass sich seit dieser Zeit leider auch in der Praxis der Alliierten in bezug auf die Besetzung Österreichs nichts geändert hat. Entgegen allen Versicherungen sind wir weiter ein besetzter Staat und dadurch in der Ausübung unserer vollen Souveränitätsrechte immer wieder gehindert. Wir haben vier Gruppen fremder Soldaten im Lande, deren Auftreten - ich werde dafür den Beweis erbringen - oft mehr an eine Okkupations- denn an eine Befreiungsarmee erinnert. Für diese Okkupationsarmee müssen wir jedes Jahr höhere und mehr Besatzungskosten zahlen ..."
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 21. Dezember 1951 im Österreichischen Bundesrat

Endlich frei!

"Die Krönung aller dieser Erfolge war dann der im Jahre 1955 unterzeichnete Staatsvertrag. Endlich war Österreich frei und souverän."
Bundeskanzler DDDr. Ing. Julius Raab sei "Baumeister und Befreier des neuen Österreich" gewesen.

Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) in seinen "Politische Erinnerungen 1918 - 1958", Österr. Landesverlag Linz, S. 74
"BEFREIT, ABER NICHT FREI"
"VOM ZONENSTAAT ZUM BEFREITEN ÖSTERREICH"

Kapitelüberschriften in den Memoiren von Außenminister Dr. Karl Gruber (ÖVP): "Meine Partei ist Österreich", Wien 1988

Der Tag, an dem Österreich frei wurde

Schüssel: Vereintes Europa vollendet Figls "Österreich ist frei" "Ein langfristiger Bogen spannt sich vom österreichischen Staatsvertrag 1955, dem Tag, an dem Österreich frei wurde, bis 2004 oder 2005, zur wirklichen Vereinigung Europas. In diesem Sinne ist die europäische Einigung in Wahrheit die Vollendung des Satzes 'Österreich ist frei' von Leopold Figl vom 15. Mai 1955"

ÖVP-Bundesparteiobmann Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel zu Beginn seiner "Rede zur Lage der Nation" in der Wiener Hofburg.

Befreit - aber auch von Eigenständigkeit und Selbständigkeit

"Wir sind ein bereites, aber auch ein von unserer Eigenständigkeit und Selbständigkeit befreites Land und wir haben hier ein ebensolches Parlament."

Nationalratspräsident Leopold Kunschak am 18.12.1947 im Nationalrat

Die Position der SPÖ

Bundesregierung spielt Schattenrolle - Anklage Schärfs gegen die allierte Besatzungspolitik am 8. November 1946

"Über eine Radiorede, die nach Österreich gesendet wurde, berichteten die Wiener Zeitungen:
London, 8. November. (Radio.) Vizekanzler Dr. Schärf hielt gestern Abend in der Sendung für Österreich des britischen Rundfunks von London aus eine Rede an das österreichische Volk.
"Ich bin nicht als Beauftragter der Regierung nach England gekommen, sondern um an der Internationalen sozialistischen Konferenz teilzunehmen, die heute Abend in einer Stadt in Südengland eröffnet wird. Jetzt mehr als je setzen alle Völker ihre Hoffnung auf die internationale Zusammenarbeit. Die Sozialistische Partei hat stets zu den Vorkämpfern der internationalen Verständigung gehört. Da ich Österreicher bin, will ich natürlich keine Gelegenheit außer acht lassen, England und der übrigen Welt Aufklärungen über unser Land zu geben. Es ist von den Armeen der vier großen Alliierten besetzt. Die vier großen Alliierten haben sich vorgenommen, Österreich als das erste Opfer der Hitleraggression frei und unabhängig zu machen. Bis dahin üben die militärischen Befehlshaber die oberste Gewalt in Österreich aus.
Wir meinen, dass die aus politischen Gründen etwa notwendig erscheinende militärische Besetzung nicht auch dazu führen müsste, dass die Alliierten Militärbehörden die oberste Staatsgewalt ausüben. Heute ist es in Österreich so, dass die Bundesregierung in ihrem eigenen Land nur eine Schattenrolle spielt, weil sie nicht in der Lage ist, über alle Güter, die das Land hervorbringt, selbst zu verfügen. Auch in der Verwaltung hat sie nicht freie Hand.
Wie wenig Gewalt die österreichische Regierung tatsächlich hat, wissen selbst in Österreich nur wenige Menschen. ...’"

Auszug aus denm Buch von Vizekanzler und Bundespräsident Adolf Schärf "Österreichs Erneuerung 1945 - 1955", Wien 1955. (dieses Buch war kurz vor Abschluss des Staatsvertrages erschienen:)

Furcht vor Verhaftung - Warnung an die Alliierten

"Bei meiner Rückkehr in Wien wurde ich auf dem Westbahnhof von meinem Freunde Übeleis, dem Verkehrsminister, und einer großen Abordnung von Eisenbahnern begrüßt. Ich erfuhr bald, dass manche Leute geglaubt hatten, ich würde mich nach meinen Londoner Erklärungen über das Besatzungsregime nicht mehr nach Österreich zurückwagen.
Tatsächlich habe ich in den nächsten Tagen eine Reihe von Aussprachen mit Vertretern der Besatzungsmächte gehabt, vor allem mit Engländern, Franzosen und Russen. Von französischer Seite wurde von mir eine Zurücknahme meiner Londoner Behauptungen begehrt, das lehnte ich ab. Mein Ruf an die Welt hat nicht nur das Ausland auf unsere Lage aufmerksam gemacht, er war auch eine erfolgreiche Warnung an die militärischen Vertreter der Alliierten, den Bogen nicht zu überspannen. Sie mussten von nun an mit Kritik an ihrem Tun in ihrem Heimatland rechnen. Ich habe die öffentliche Meinung im Westen für uns gewonnen."

Der Vizekanzler und spätere Bundespräsident Adolf Schärf "Österreichs Erneuerung 1945 - 1955", Wien 1955, S. 131 f, erschienen vor Abschluss des Staatsvertrages.

Noch nicht die volle Freiheit

"Wir haben noch nicht die volle Freiheit, noch nicht die Souveränität ..."

Adolf Schärf "Österreichs Erneuerung 1945 - 1955", Wien 1955, S. 397, erschienen vor Abschluss des Staatsvertrages.

Die Befreiung des Landes erzielen

"Am 16. Jänner (1946) schickte Bundespräsident Renner dem Rektor der Wiener Universität und anerkannten Verfassungsrechtler, Professor Ludwig Adamovich, einen streng vertraulichen Brief, der (auszugsweise) folgenden Inhalt hatte: ,,Der staats- und völkerrechtliche Zustand unserer Republik ist ein täglich fühlbares Hindernis jeder gedeihlichen Entwicklung. Da die Übereinstimmung von vier Mächten für jeden Akt erforderlich ist, ein Zeitpunkt aber, in dem Österreich unter diesen Umständen seine Freiheit wiedergegeben werden könnte, noch gar nicht abzusehen ist, erwächst die Pflicht, an alle Möglichkeiten zu denken, wie dieser Zustand überwunden werden könnte." Renner schlug dazu zwei Wege vor: Der Bundespräsident, der Kanzler, der Vizekanzler und der Außenminister ,,unternehmen eine Staatsvisite in Moskau, London, Paris und Washington, um daselbst die Befreiung des Landes oder wenigstens eine klare Begrenzung und Umschreibung der beiderseitigen Rechte der besetzenden und der heimischen Behörden zu erzielen.""

(Manfried Rauchensteiner: "Der Sonderfall. Die Besatzungszeit in Österreich 1945 bis 1955", Linz 1985, S. 195 f)

Endgültige Freiheit

"...wenn die Außenminister der vier Mächte ihre Unterschrift unter den Staatsvertrag gesetzt haben, so hat damit die Geburtsstunde unserer endgültigen Freiheit und Unabhängigkeit geschlagen. Frei und unabhängig! Das war der sehnsüchtige Wunsch unseres Landes durch lange 10 Jahre..."

(Der Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien, Jonas, am 15. Mai 1955 in der Rathauskorrespondenz "rk-spezial" Nr. 29/99, S. 6)

Zehn Jahre später wirklich frei

"Das Jahr 1955 war das Jahr des Staatsvertrages. Zehn Jahre nach Kriegsende war das "befreite" (Anführungszeichen im Originaltext!, Anm.) Österreich auch wirklich frei. Die Sowjets zogen ab und ihre Handlanger, die österreichischen Kommunisten, fielen bald in die Bedeutungslosigkeit zurück."

Der KZ-Häftling, Gewerkschafter und Innenminister Franz Olah (SPÖ) in seinem Buch "Die Erinnerungen", Wien 1995, S. 155)

Welle des Grauens

"Im östlichen Teil Österreichs folgten den deutschen Truppen die Russen auf den Fersen. Sobald sie kamen, gab es Plünderungen und Brandstiftungen, Vergewaltigung und Mord. Wer sich ihnen als Führer zu Lebensmittelhorten oder in einem Weinkeller anbot, wer ihnen Frauen oder Mädchen zuführte, galt als guter Freund. Wer Frauen oder Mädchen oder sein Eigentum schützen wollte, galt leicht als faschistischer Verbrecher.
In fast jedem Ort Niederösterreichs gab es außer den Morden auch Selbstmorde aus Verzweiflung. Nicht alles, was als Selbstmord in den Sterberegistern gebucht ist, war aber wirklich Selbstmord. Ich will nur einige Beispiele geben, die für andere sprechen. In dem kleinen niederösterreichischen Ort Günselsdorf gab es 4 Erschossene, in der Gemeinde Teesdorf 18 Selbstmorde, in Hirtenberg gab es 11 Tote, in der Gemeinde Berndorf 9 Tote, in der Gemeinde Pottendorf 21 Selbstmorde, in Traiskirchen, einem der Weinorte, in denen es besonders heiß zuging 79 Tote, davon 56, die durch Selbstmord umkamen, in Hainburg an der Donau gab es an den Einmarschtagen 81 Tote, in Bruck/Leitha mehr als 50. Es gab viele Arten des Todes:
Erhängen, Erschießen, Erstechen, ja vereinzelt wurden Menschen vor fahrende Panzer geworfen! Durch alle Ortschaften Niederösterreichs, von Osten bis nach Westen, wälzte sich das Grauen, ganz Familien wurde ausgerottet........"

Adolf Schärf, Österreichs Erneuerung 1945 - 1955, 3. Auflage Wien 1955, S. 27 ff

Ein Anblick des Grauens

Mein Bruder und die Frauen wurden von den Besatzungssoldaten in ihre Dienste genommen. Ganz besonders die Frauen mussten Tag und Nacht zur Verfügung stehen. Als es in einer Nacht besonders arg zugegangen war, da gingen meinem Bruder die Nerven durch. Er nahm die Frauen in Schutz. Daraufhin machten die offenbar betrunkenen Soldaten kurzen Prozess. Sie machten von der locker sitzenden Schusswaffe Gebrauch und töteten meinen Bruder. Hernach nahmen die Frauen Gift und starben unter furchtbaren Leiden - das Giftquantum scheint zu wenig gewesen zu sein - eines qualvollen Todes. Nachdem das Furchtbare geschehen war, mussten die Nachbarn vor dem Haus ein Grab für die Toten schaufeln, in das mein Bruder und seine Familie verscharrt wurden. Gerne hätte ich auf die Grabhügel einige Blumen gelegt. Aber der Zutritt zum Haus war nicht möglich, die Russen sperrten das Tor für jeden Besuch ab......"

Oskar Helmer, 50 Jahre erlebte Geschichte, o. Jg., S. 204 ff Zeitzeugen, Journalisten, Historiker

"Der lange Weg zur Freiheit"

Titel des 2. Bandes der Dokumentation von Portisch-Riff:
"Österreich II", Wien 1986

"Doch wenn es auch zehn Jahre gedauert hat, ehe Österreich frei und unabhängig wurde ..." (2. Band der Dokumentation von Portisch-Riff: "Österreich II", Wien 1986
Seite 17)

Das Ziel Freiheit im Herbst 1955 erreicht

"Österreich ist angekommen - auf seinem langen Weg zur Freiheit, hat dieses Ziel im Herbst 1955 erreicht."
(2. Band der Dokumentation von Portisch-Riff: "Österreich II", Wien 1986
Seite 533)

Kein freies Land

"Österreich ist zwar ein befreites Land, doch weit entfernt davon, ein "freies’ zu sein."
(Wilhelm. J. Wagner: "Der große Bildatlas zur Geschichte Österreichs", Wien 1995, Seite 242)

Österreich wird die Freiheit erhalten

"Am 11. 4. 1955 fliegt eine österreichische Delegation unter Führung von Raab und Figl nach Moskau. Die Verhandlungen kommen rasch zum Abschluss, schon vier Tage später kann Kanzler Raab bei seiner Rückkehr auf dem Flughafen Vöslau einer jubelnden Bevölkerung mitteilen, Österreich werde bald die Freiheit erhalten."
(Wilhelm. J. Wagner: "Der große Bildatlas zur Geschichte Österreichs", Wien 1995, Seite 243)

Schwer, von Befreiung zu reden

"Aber nicht nur die persönliche Einstellung zum NS-Regime, auch das (kollektive) Verhalten der einmarschierenden Truppen bestimmte das Verhältnis zwischen Alliierten und Österreichern. Vor allem die Soldaten der Roten Armee machten es vielerorts schwer, von Befreiung zu reden: In einer ersten Phase waren Morde und Vergewaltigungen, Plünderungen und Raubzüge an der Tagesordnung - die sowjetischen Ortskommandanturen schienen dagegen machtlos: Das was man befürchtet hatte, jedoch in seiner Grausamkeit nicht glauben wollte, wurde im Laufe des April und Mai 1945 Realität. Allein in Wien sollen bis Juni nach unterschiedlichen Quellen zwischen 70.000 und 100.000 Frauen aller Altersklassen vergewaltigt worden sein, in den von den Sowjets besetzten Teilen der Steiermark 5000 Frauen und Mädchen; für Niederösterreich wurden allein im Monat Juli 1051 Vergewaltigungen und 112 Morde durch sowjetische Soldaten gezählt - neben etlichen Fällen von Körperverletzungen und Verschleppungen. Diese nüchternen Zahlen können in keiner Weise das existentielle, psychische und physische Leid dieser Frauen wiedergeben - der Opfer der ,,Befreier" ... der Historiker Hugo Hantsch, der wegen antinazistischer Aktivitäten ins KZ Buchenwald verschleppt worden war, teilte 1945 einem amerikanischen OSS-Agenten seine Wahrnehmung der russischen Übergriffe mit, um zu schließen:
,,Diese Menschen werden nie vergessen, was die Rote Armee unseren Frauen angetan hat."
...........die schmerzliche Wahrnehmung der Österreicher, dass die amerikanischen Behörden sie als besiegte und nicht als befreite Nation ansehen, war lange Zeit Grund zur Klage."

(Klaus Eisterer: "Österreich unter alliierter Besatzung 1945 -1955", in: Rolf Steininger - Michael Gehler (Hg): "Österreich im 20. Jahrhundert. Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart", Wien 1997, S. 150 f)

17 Jahre fremder Herrschaft

"Das Land hatte nach 17 Jahren fremder Herrschaft und Bevormundung seine Unabhängigkeit in vollem Umfang wiedererlangt."

(Erich Zöllner, Ordinarius für Geschichte an der Universität Wien, in seinem Buch: "Geschichte Österreichs", Wien 1990, S. 541) Zöllner zählt die Jahre unter NS-Herrschaft zusammen mit jenen der alliierten Besatzung und kommt so zu dem Zeitrahme: 17 Jahre fremder Herrschaft.

Unterzeichnung des Staatsvertrages mehr mit Gefühlen der Befreiung verbunden als das Kriegsende

So hatte Österreich zwischen 1945 und 1955 keinen offiziellen Staatsfeiertag. Es gab jedoch einen allerdings nicht erfolgreichen und daher rasch vergessenen Versuch, die Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus zum Anlass identitätsstiftender Feierlichkeit zu machen. ...Erst die Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai 1955 und die Wiederherstellung der vollen Souveränität Österreichs nach dessen Inkrafttreten am 27. Juli 1955 lösten ein von breiten Bevölkerungsschichten getragenes Bedürfnis nach gemeinschaftlicher Feierlichkeit aus, wurde doch dieses Ereignis wesentlich mehr mit Gefühlen der Befreiung verbunden als das Kriegsende 1945."

(Der Historiker Gustav Spann: "Zur Geschichte des österreichischen Nationalfeiertages" Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde. Nr. 1/96. 26. Jg. S 27-34)

"Befreit" auch gleich vom Leben

"Die Leiden, die Niederösterreichs Bevölkerung von Seiten der siegreichen Truppen und der Fremdarbeiter auszustehen hatte, grenzen an das Ärgste, das unser Land jemals erlebte. Plünderung, Vergewaltigung und Mord waren an der Tagesordnung. Allein in St. Pölten haben sich im Jahr 1945 2.400 vergewaltigte Frauen und Mädchen bei den Gesundheitsbehörden gemeldet. In manchen Orten gab es bald kein Pferd, keine Kuh und kein Huhn mehr. Viele Untaten gehen auf Fremdarbeiter zurück, die sich als Sieger fühlten und sich aller Fässer ledig gebärdeten."

Karl Gutkas, Landeschronik Niederösterreich

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