- 10.07.2002, 10:31:54
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VA Mag. Ewald Stadler: Zitate zur Zeitgeschichte
VA Mag. Ewald Stadler bringt im Rahmen seiner heutigen Pressekonferenz nachstehende Zitate namhafter ÖVP- und SPÖ-Politiker und Geschichtswissenschafter zur Kenntnis
Wien (OTS) - Die Position der ÖVP
"Österreich ist frei"
Außenminister Figl am 15. Mai 1955 auf dem Balkon des Schlosses
Belvedere bei der Verkündung der Unterzeichnung des Staatsvertrages
17 Jahre langer Weg der Unfreiheit
"Ein 17 Jahre lang dauernder grauenvoller Weg der Unfreiheit ist
beendet! Die Opfer, die Österreichs Volk in dem Glauben an seine
Zukunft gebracht hat, haben nun ihre Früchte getragen. Wir haben zehn
Jahre auf diesen Tag gewartet, an dem die Außenminister der Vier
Mächte nach Wien kommen sollten, um die letzte Hand an den Entwurf
des Staatsvertrages zu legen und ihn durch ihre Unterschrift zu
bekräftigen. Heute ist der Tag gekommen, an dem wir den Vertrag
unterzeichneten, womit Österreich seine Freiheit und Unabhängigkeit
bekommt. ... Mit dem Dank an den Allmächtigen haben wir den Vertrag
unterzeichnet und mit Freuden künden wir heute: Österreich ist frei!"
(Erklärung Aussenministers Figl im Anschluss an die Unterzeichnung
des Staatsvertrages im Schloß Belvedere in Wien am 15. Mai 1955
gegenüber seinen Kollegen, den alliierten Außenministern,
wiedergegeben in: Rolf Steininger - Michael Gehler (Hg): "Österreich
im 20. Jahrhundert. Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart", Wien
1997, S. 217 Ebenfalls auszugsweise - aber mit der Passage des
17jährigen Weges der Unfreiheit - zitiert in Portisch-Riff: "Der
lange Weg zur Freiheit", Band 2 zu "Österreich II", Wien 1986, S.
493)
Figl zählt die Jahre der NS-Herrschaft gleichermaßen mit denen der
alliierten Besatzung zusammen: 17 Jahre!
Wie ein Kolonialland behandelt!
"Das österreichische Volk hat bisher, wie wir bereits hörten, an
Besatzungskosten wahrlich schon genug geleistet. Bisnun sind es ...
5,5 Milliarden Schilling, die wir bezahlen mussten, für eine
Befreiung zahlen mussten, die uns auf weiten Gebieten nur eine
neuerliche Unfreiheit gebracht hat. ...
Ist es, Hohes Haus, nicht tragisch ... dass wir noch immer nicht
frei sind, keinen Staatsvertrag haben und wie ein Kolonialland
besetzt und behandelt werden und dafür sogar noch gigantische Mittel
aufwenden müssen!"
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 5. April 1950 im Österreichischen
Bundesrat
Grausames Spiel
"Österreich und sein Volk, das darf auch in diesem Hohen Haus
ausgesprochen werden, ist darüber schwerstens enttäuscht. Es ruft
deshalb den Alliierten zu, mit diesem grausamen Spiel endlich ein
Ende zu machen."
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 5. April 1950 im Österreichischen
Bundesrat
Herr mach uns frei!
"Hohes Haus, lassen Sie mich abschließen. Ich bin überzeugt, es
gibt mit Ausnahme der Kommunisten keinen Österreicher, der nicht
jeden Tag in seiner Art ein inbrünstiges Gebet spricht, nämlich das
Gebet: Herr mach uns frei!"
"Ihr Großen dieser Erde, macht endlich wahr, was ihr uns 1943 in
Moskau versprochen habt, macht uns frei!"
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 29. November 1950 im
Österreichischen Bundesrat
Beugung internationalen Rechts - ein besetzter Staat -
völkerrechtswidrige Besatzung durch eine Okkupationsarmee -
Forderung nach Freiheit
"Es sind heute fast auf den Tag genau 13 Monate, dass ich mich in
diesem Hohen Hause zum drittenmal mit dieser Frage befasst habe. Ich
habe damals als Sprecher meiner Partei darauf hingewiesen, dass wir
die fortdauernde Besetzung als im W i d e r s p r u c h z u r H a a
g e r L a n d k r i e g s o r d n u n g stehend erkennen und in ihr
überdies das uneingelöste Wort der Alliierten, das sie in der
Moskauer Deklaration vom November 1943 klar gegeben haben, sehen. Ich
verschwieg weiter nicht, dass die Beugung internationalen Rechtes und
das uneingelöste Wort nicht geeignet sind, das Ansehen der Alliierten
beim österreichischen Volk und darüber hinaus wohl auch in der
gesamten freiheitsliebenden Welt zu vergrößern. Ich musste damals
auch meiner Besorgnis darüber Ausdruck geben, dass das Andauern der
rechtswidrigen Besetzung zwingend zu einer Ansehensschädigung der
Alliierten in Österreich führen muss. Ich habe dann endlich im
Vorjahr namens des österreichischen Volkes und für das
österreichische Volk die Freiheit und damit das Ende der Besetzung
gefordert.
An dieser Rechtsauffassung meiner Partei und der Forderung nach
endlicher Freiheit hat sich nichts geändert. Wir betrachten nach wie
vor die Besetzung als einen verderblichen Verstoß gegen das
internationale Völkerrecht und obendrein als eine Handlungsweise, die
in unmittelbarer Nähe gebrochener Zusicherung liegt. Es ist ungemein
bedauerlich, dass sich seit dieser Zeit leider auch in der Praxis der
Alliierten in bezug auf die Besetzung Österreichs nichts geändert
hat. Entgegen allen Versicherungen sind wir weiter ein besetzter
Staat und dadurch in der Ausübung unserer vollen Souveränitätsrechte
immer wieder gehindert. Wir haben vier Gruppen fremder Soldaten im
Lande, deren Auftreten - ich werde dafür den Beweis erbringen - oft
mehr an eine Okkupations- denn an eine Befreiungsarmee erinnert. Für
diese Okkupationsarmee müssen wir jedes Jahr höhere und mehr
Besatzungskosten zahlen ..."
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) am 21. Dezember 1951 im
Österreichischen Bundesrat
Endlich frei!
"Die Krönung aller dieser Erfolge war dann der im Jahre 1955
unterzeichnete Staatsvertrag. Endlich war Österreich frei und
souverän."
Bundeskanzler DDDr. Ing. Julius Raab sei "Baumeister und Befreier des
neuen Österreich" gewesen.
Bundesrat Wilhelm Salzer (ÖVP) in seinen "Politische Erinnerungen
1918 - 1958", Österr. Landesverlag Linz, S. 74
"BEFREIT, ABER NICHT FREI"
"VOM ZONENSTAAT ZUM BEFREITEN ÖSTERREICH"
Kapitelüberschriften in den Memoiren von Außenminister Dr. Karl
Gruber (ÖVP): "Meine Partei ist Österreich", Wien 1988
Der Tag, an dem Österreich frei wurde
Schüssel: Vereintes Europa vollendet Figls "Österreich ist frei"
"Ein langfristiger Bogen spannt sich vom österreichischen
Staatsvertrag 1955, dem Tag, an dem Österreich frei wurde, bis 2004
oder 2005, zur wirklichen Vereinigung Europas. In diesem Sinne ist
die europäische Einigung in Wahrheit die Vollendung des Satzes
'Österreich ist frei' von Leopold Figl vom 15. Mai 1955"
ÖVP-Bundesparteiobmann Bundeskanzler Dr. Wolfgang Schüssel zu
Beginn seiner "Rede zur Lage der Nation" in der Wiener Hofburg.
Befreit - aber auch von Eigenständigkeit und
Selbständigkeit
"Wir sind ein bereites, aber auch ein von unserer Eigenständigkeit
und Selbständigkeit befreites Land und wir haben hier ein ebensolches
Parlament."
Nationalratspräsident Leopold Kunschak am 18.12.1947 im
Nationalrat
Die Position der SPÖ
Bundesregierung spielt Schattenrolle - Anklage Schärfs gegen die
allierte Besatzungspolitik am 8. November 1946
"Über eine Radiorede, die nach Österreich gesendet wurde,
berichteten die Wiener Zeitungen:
London, 8. November. (Radio.) Vizekanzler Dr. Schärf hielt gestern
Abend in der Sendung für Österreich des britischen Rundfunks von
London aus eine Rede an das österreichische Volk.
"Ich bin nicht als Beauftragter der Regierung nach England gekommen,
sondern um an der Internationalen sozialistischen Konferenz
teilzunehmen, die heute Abend in einer Stadt in Südengland eröffnet
wird. Jetzt mehr als je setzen alle Völker ihre Hoffnung auf die
internationale Zusammenarbeit. Die Sozialistische Partei hat stets zu
den Vorkämpfern der internationalen Verständigung gehört. Da ich
Österreicher bin, will ich natürlich keine Gelegenheit außer acht
lassen, England und der übrigen Welt Aufklärungen über unser Land zu
geben. Es ist von den Armeen der vier großen Alliierten besetzt. Die
vier großen Alliierten haben sich vorgenommen, Österreich als das
erste Opfer der Hitleraggression frei und unabhängig zu machen. Bis
dahin üben die militärischen Befehlshaber die oberste Gewalt in
Österreich aus.
Wir meinen, dass die aus politischen Gründen etwa notwendig
erscheinende militärische Besetzung nicht auch dazu führen müsste,
dass die Alliierten Militärbehörden die oberste Staatsgewalt ausüben.
Heute ist es in Österreich so, dass die Bundesregierung in ihrem
eigenen Land nur eine Schattenrolle spielt, weil sie nicht in der
Lage ist, über alle Güter, die das Land hervorbringt, selbst zu
verfügen. Auch in der Verwaltung hat sie nicht freie Hand.
Wie wenig Gewalt die österreichische Regierung tatsächlich hat,
wissen selbst in Österreich nur wenige Menschen. ...’"
Auszug aus denm Buch von Vizekanzler und Bundespräsident Adolf
Schärf "Österreichs Erneuerung 1945 - 1955", Wien 1955. (dieses Buch
war kurz vor Abschluss des Staatsvertrages erschienen:)
Furcht vor Verhaftung - Warnung an die Alliierten
"Bei meiner Rückkehr in Wien wurde ich auf dem Westbahnhof von
meinem Freunde Übeleis, dem Verkehrsminister, und einer großen
Abordnung von Eisenbahnern begrüßt. Ich erfuhr bald, dass manche
Leute geglaubt hatten, ich würde mich nach meinen Londoner
Erklärungen über das Besatzungsregime nicht mehr nach Österreich
zurückwagen.
Tatsächlich habe ich in den nächsten Tagen eine Reihe von Aussprachen
mit Vertretern der Besatzungsmächte gehabt, vor allem mit Engländern,
Franzosen und Russen. Von französischer Seite wurde von mir eine
Zurücknahme meiner Londoner Behauptungen begehrt, das lehnte ich ab.
Mein Ruf an die Welt hat nicht nur das Ausland auf unsere Lage
aufmerksam gemacht, er war auch eine erfolgreiche Warnung an die
militärischen Vertreter der Alliierten, den Bogen nicht zu
überspannen. Sie mussten von nun an mit Kritik an ihrem Tun in ihrem
Heimatland rechnen. Ich habe die öffentliche Meinung im Westen für
uns gewonnen."
Der Vizekanzler und spätere Bundespräsident Adolf Schärf
"Österreichs Erneuerung 1945 - 1955", Wien 1955, S. 131 f, erschienen
vor Abschluss des Staatsvertrages.
Noch nicht die volle Freiheit
"Wir haben noch nicht die volle Freiheit, noch nicht die
Souveränität ..."
Adolf Schärf "Österreichs Erneuerung 1945 - 1955", Wien 1955, S.
397, erschienen vor Abschluss des Staatsvertrages.
Die Befreiung des Landes erzielen
"Am 16. Jänner (1946) schickte Bundespräsident Renner dem Rektor
der Wiener Universität und anerkannten Verfassungsrechtler, Professor
Ludwig Adamovich, einen streng vertraulichen Brief, der
(auszugsweise) folgenden Inhalt hatte: ,,Der staats- und
völkerrechtliche Zustand unserer Republik ist ein täglich fühlbares
Hindernis jeder gedeihlichen Entwicklung. Da die Übereinstimmung von
vier Mächten für jeden Akt erforderlich ist, ein Zeitpunkt aber, in
dem Österreich unter diesen Umständen seine Freiheit wiedergegeben
werden könnte, noch gar nicht abzusehen ist, erwächst die Pflicht, an
alle Möglichkeiten zu denken, wie dieser Zustand überwunden werden
könnte." Renner schlug dazu zwei Wege vor: Der Bundespräsident, der
Kanzler, der Vizekanzler und der Außenminister ,,unternehmen eine
Staatsvisite in Moskau, London, Paris und Washington, um daselbst die
Befreiung des Landes oder wenigstens eine klare Begrenzung und
Umschreibung der beiderseitigen Rechte der besetzenden und der
heimischen Behörden zu erzielen.""
(Manfried Rauchensteiner: "Der Sonderfall. Die Besatzungszeit in
Österreich 1945 bis 1955", Linz 1985, S. 195 f)
Endgültige Freiheit
"...wenn die Außenminister der vier Mächte ihre Unterschrift unter
den Staatsvertrag gesetzt haben, so hat damit die Geburtsstunde
unserer endgültigen Freiheit und Unabhängigkeit geschlagen. Frei und
unabhängig! Das war der sehnsüchtige Wunsch unseres Landes durch
lange 10 Jahre..."
(Der Bürgermeister der Bundeshauptstadt Wien, Jonas, am 15. Mai
1955 in der Rathauskorrespondenz "rk-spezial" Nr. 29/99, S. 6)
Zehn Jahre später wirklich frei
"Das Jahr 1955 war das Jahr des Staatsvertrages. Zehn Jahre nach
Kriegsende war das "befreite" (Anführungszeichen im Originaltext!,
Anm.) Österreich auch wirklich frei. Die Sowjets zogen ab und ihre
Handlanger, die österreichischen Kommunisten, fielen bald in die
Bedeutungslosigkeit zurück."
Der KZ-Häftling, Gewerkschafter und Innenminister Franz Olah (SPÖ)
in seinem Buch "Die Erinnerungen", Wien 1995, S. 155)
Welle des Grauens
"Im östlichen Teil Österreichs folgten den deutschen Truppen die
Russen auf den Fersen. Sobald sie kamen, gab es Plünderungen und
Brandstiftungen, Vergewaltigung und Mord. Wer sich ihnen als Führer
zu Lebensmittelhorten oder in einem Weinkeller anbot, wer ihnen
Frauen oder Mädchen zuführte, galt als guter Freund. Wer Frauen oder
Mädchen oder sein Eigentum schützen wollte, galt leicht als
faschistischer Verbrecher.
In fast jedem Ort Niederösterreichs gab es außer den Morden auch
Selbstmorde aus Verzweiflung. Nicht alles, was als Selbstmord in den
Sterberegistern gebucht ist, war aber wirklich Selbstmord. Ich will
nur einige Beispiele geben, die für andere sprechen. In dem kleinen
niederösterreichischen Ort Günselsdorf gab es 4 Erschossene, in der
Gemeinde Teesdorf 18 Selbstmorde, in Hirtenberg gab es 11 Tote, in
der Gemeinde Berndorf 9 Tote, in der Gemeinde Pottendorf 21
Selbstmorde, in Traiskirchen, einem der Weinorte, in denen es
besonders heiß zuging 79 Tote, davon 56, die durch Selbstmord
umkamen, in Hainburg an der Donau gab es an den Einmarschtagen 81
Tote, in Bruck/Leitha mehr als 50. Es gab viele Arten des Todes:
Erhängen, Erschießen, Erstechen, ja vereinzelt wurden Menschen vor
fahrende Panzer geworfen! Durch alle Ortschaften Niederösterreichs,
von Osten bis nach Westen, wälzte sich das Grauen, ganz Familien
wurde ausgerottet........"
Adolf Schärf, Österreichs Erneuerung 1945 - 1955, 3. Auflage Wien
1955, S. 27 ff
Ein Anblick des Grauens
Mein Bruder und die Frauen wurden von den Besatzungssoldaten in
ihre Dienste genommen. Ganz besonders die Frauen mussten Tag und
Nacht zur Verfügung stehen. Als es in einer Nacht besonders arg
zugegangen war, da gingen meinem Bruder die Nerven durch. Er nahm die
Frauen in Schutz. Daraufhin machten die offenbar betrunkenen Soldaten
kurzen Prozess. Sie machten von der locker sitzenden Schusswaffe
Gebrauch und töteten meinen Bruder. Hernach nahmen die Frauen Gift
und starben unter furchtbaren Leiden - das Giftquantum scheint zu
wenig gewesen zu sein - eines qualvollen Todes. Nachdem das
Furchtbare geschehen war, mussten die Nachbarn vor dem Haus ein Grab
für die Toten schaufeln, in das mein Bruder und seine Familie
verscharrt wurden. Gerne hätte ich auf die Grabhügel einige Blumen
gelegt. Aber der Zutritt zum Haus war nicht möglich, die Russen
sperrten das Tor für jeden Besuch ab......"
Oskar Helmer, 50 Jahre erlebte Geschichte, o. Jg., S. 204 ff
Zeitzeugen, Journalisten, Historiker
"Der lange Weg zur Freiheit"
Titel des 2. Bandes der Dokumentation von Portisch-Riff:
"Österreich II", Wien 1986
"Doch wenn es auch zehn Jahre gedauert hat, ehe Österreich frei
und unabhängig wurde ..." (2. Band der Dokumentation von
Portisch-Riff: "Österreich II", Wien 1986
Seite 17)
Das Ziel Freiheit im Herbst 1955 erreicht
"Österreich ist angekommen - auf seinem langen Weg zur Freiheit,
hat dieses Ziel im Herbst 1955 erreicht."
(2. Band der Dokumentation von Portisch-Riff: "Österreich II", Wien
1986
Seite 533)
Kein freies Land
"Österreich ist zwar ein befreites Land, doch weit entfernt davon,
ein "freies’ zu sein."
(Wilhelm. J. Wagner: "Der große Bildatlas zur Geschichte
Österreichs", Wien 1995, Seite 242)
Österreich wird die Freiheit erhalten
"Am 11. 4. 1955 fliegt eine österreichische Delegation unter
Führung von Raab und Figl nach Moskau. Die Verhandlungen kommen rasch
zum Abschluss, schon vier Tage später kann Kanzler Raab bei seiner
Rückkehr auf dem Flughafen Vöslau einer jubelnden Bevölkerung
mitteilen, Österreich werde bald die Freiheit erhalten."
(Wilhelm. J. Wagner: "Der große Bildatlas zur Geschichte
Österreichs", Wien 1995, Seite 243)
Schwer, von Befreiung zu reden
"Aber nicht nur die persönliche Einstellung zum NS-Regime, auch
das (kollektive) Verhalten der einmarschierenden Truppen bestimmte
das Verhältnis zwischen Alliierten und Österreichern. Vor allem die
Soldaten der Roten Armee machten es vielerorts schwer, von Befreiung
zu reden: In einer ersten Phase waren Morde und Vergewaltigungen,
Plünderungen und Raubzüge an der Tagesordnung - die sowjetischen
Ortskommandanturen schienen dagegen machtlos: Das was man befürchtet
hatte, jedoch in seiner Grausamkeit nicht glauben wollte, wurde im
Laufe des April und Mai 1945 Realität. Allein in Wien sollen bis Juni
nach unterschiedlichen Quellen zwischen 70.000 und 100.000 Frauen
aller Altersklassen vergewaltigt worden sein, in den von den Sowjets
besetzten Teilen der Steiermark 5000 Frauen und Mädchen; für
Niederösterreich wurden allein im Monat Juli 1051 Vergewaltigungen
und 112 Morde durch sowjetische Soldaten gezählt - neben etlichen
Fällen von Körperverletzungen und Verschleppungen. Diese nüchternen
Zahlen können in keiner Weise das existentielle, psychische und
physische Leid dieser Frauen wiedergeben - der Opfer der ,,Befreier"
... der Historiker Hugo Hantsch, der wegen antinazistischer
Aktivitäten ins KZ Buchenwald verschleppt worden war, teilte 1945
einem amerikanischen OSS-Agenten seine Wahrnehmung der russischen
Übergriffe mit, um zu schließen:
,,Diese Menschen werden nie vergessen, was die Rote Armee unseren
Frauen angetan hat."
...........die schmerzliche Wahrnehmung der Österreicher, dass die
amerikanischen Behörden sie als besiegte und nicht als befreite
Nation ansehen, war lange Zeit Grund zur Klage."
(Klaus Eisterer: "Österreich unter alliierter Besatzung 1945 -
1955", in: Rolf Steininger - Michael Gehler (Hg): "Österreich im 20.
Jahrhundert. Vom Zweiten Weltkrieg bis zur Gegenwart", Wien 1997, S.
150 f)
17 Jahre fremder Herrschaft
"Das Land hatte nach 17 Jahren fremder Herrschaft und Bevormundung
seine Unabhängigkeit in vollem Umfang wiedererlangt."
(Erich Zöllner, Ordinarius für Geschichte an der Universität Wien,
in seinem Buch: "Geschichte Österreichs", Wien 1990, S. 541)
Zöllner zählt die Jahre unter NS-Herrschaft zusammen mit jenen der
alliierten Besatzung und kommt so zu dem Zeitrahme: 17 Jahre fremder
Herrschaft.
Unterzeichnung des Staatsvertrages mehr mit Gefühlen der
Befreiung verbunden als das Kriegsende
So hatte Österreich zwischen 1945 und 1955 keinen offiziellen
Staatsfeiertag. Es gab jedoch einen allerdings nicht erfolgreichen
und daher rasch vergessenen Versuch, die Befreiung Österreichs vom
Nationalsozialismus zum Anlass identitätsstiftender Feierlichkeit zu
machen. ...Erst die Unterzeichnung des Staatsvertrages am 15. Mai
1955 und die Wiederherstellung der vollen Souveränität Österreichs
nach dessen Inkrafttreten am 27. Juli 1955 lösten ein von breiten
Bevölkerungsschichten getragenes Bedürfnis nach gemeinschaftlicher
Feierlichkeit aus, wurde doch dieses Ereignis wesentlich mehr mit
Gefühlen der Befreiung verbunden als das Kriegsende 1945."
(Der Historiker Gustav Spann: "Zur Geschichte des österreichischen
Nationalfeiertages" Quelle: Beiträge zur historischen Sozialkunde.
Nr. 1/96. 26. Jg. S 27-34)
"Befreit" auch gleich vom Leben
"Die Leiden, die Niederösterreichs Bevölkerung von Seiten der
siegreichen Truppen und der Fremdarbeiter auszustehen hatte, grenzen
an das Ärgste, das unser Land jemals erlebte. Plünderung,
Vergewaltigung und Mord waren an der Tagesordnung. Allein in St.
Pölten haben sich im Jahr 1945 2.400 vergewaltigte Frauen und Mädchen
bei den Gesundheitsbehörden gemeldet. In manchen Orten gab es bald
kein Pferd, keine Kuh und kein Huhn mehr. Viele Untaten gehen auf
Fremdarbeiter zurück, die sich als Sieger fühlten und sich aller
Fässer ledig gebärdeten."
Karl Gutkas, Landeschronik Niederösterreich
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Rudolf Smolej
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