- 02.07.2002, 12:58:53
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Heilmasseurgesetznovelle :Liberalisierung gefährdet Patientensicherheit
Fachärztesprecher Fiedler: Physikalische Therapie ohne ärztliche Kontroll- und Interventionsmöglichkeit geplant - Bei Gesundheit keine faulen Kompromisse
Wien (OTS) - Vor zunehmender Liberalisierung und
Entprofessionalisierung im Gesundheitswesen warnt der Sprecher der
österreichischen Fachärzte und Präsident der Ärztekammer für
Niederösterreich, Dr. Lothar Fiedler. "Dieser Trend in der
Gesundheitspolitik ist gefährlich und widerspricht dem
Patientenbedürfnis nach Sicherheit und Behandlungsqualität",
kritisierte Fiedler Dienstag in einer Aussendung.
Konkreter Anlass für die Sorge der Ärzte ist die geplante Novelle
des Heilmasseurgesetzes. In dieser sei, so Fiedler, die Aufsicht von
Physiotherapeuten über Medizinische Masseure und die Anstellung von
Medizinischen Masseuren und Heilmasseuren durch selbständige
Physiotherapeuten vorgesehen, womit die Patienten, ihre
Heilungsentwicklung oder auch negative Heilungsverläufe der
ärztlichen Sicherheitskontrolle und einer rechtzeitigen medizinischen
Intervention entzogen würden. Denn Physiotherapeuten hätten keine für
diese wichtige Kontrollfunktion notwendige, mit Ärzten vergleichbare,
Ausbildung. Fiedler: "Gerade dies ist aber besonders wichtig, um
abweichende Krankheitsverläufe, die sich während einer oft mehrere
Wochen dauernden Physikalischen Therapie ergeben können, zu erkennen,
zu beurteilen und darauf rechtzeitig im Interesse der Patienten zu
reagieren." Auch hätten Physiotherapeuten bei weitem weniger strenge
Qualitätsrichtlinien zu beachten als Ärzte oder Physikalische
Institute. Mit dem Vorhaben der Bundesregierung würde das
"sorgfältige Gleichgewicht von Ausbildung, Qualität, Kompetenz und
Verantwortung fahrlässig durchbrochen" (Fiedler). Man übersehe, dass
wichtige diagnostische und therapeutische Entscheidungen kraft
Ausbildung, Erfahrung und Gesetzes nur von Ärzten getroffen werden
könnten. Fiedler spricht von einem "kurzsichtigen Akt vorauseilenden
Liberalisierungs-Gehorsams in einer Frage, wo das völlig fehl am
Platz" sei.
Der Fachärzte-Sprecher führte weiter ins Treffen, dass die meisten
involvierten Berufsgruppen und ihre Vertretungen wie die
Wirtschaftskammer, der Gewerkschaftsbund und die Gewerkschaft
Öffentlicher Dienst noch im April skeptisch gegenüber der von der
Bundesregierung geplanten Regelung waren.
"So notwendig eine Deregulierung der Gesundheitsbürokratie, etwa
bei der chefärztlichen Bewillligungspflicht von Behandlungen und
Medikationen ist, so wichtig ist es, die Patientensicherheit durch
höchstmögliche Kompetenz zu gewährleisten", so Fiedler. Die
Bundesregierung sei daher gut beraten, der Doppelstrategie zwischen
Liberalisierung für nicht ärztliche Gesundheitsberufe einerseits und
zunehmenden Regulierungen bei den Ärzten andererseits abzusagen.
Fiedler abschließend: "Im Gesundheitswesen darf nur eines gelten:
Beste Qualität und höchste Sicherheit für Österreichs Patienten. Für
faule Kompromisse gibt es seitens der Ärzte kein Verständnis."
(Schluss)
Rückfragehinweis:
Pressestelle der
Österreichischen Ärztekammer
Tel.: (++43-1) 512 44 86
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