- 29.06.2002, 12:22:36
- /
- OTS0023 OTW0023
8. Europaforum Wachau in Göttweig eröffnet
Pröll: Dialog ist das Non-plus-ultra auf gemeinsamen Weg
Göttweig (OTS) - In Stift Göttweig wurde heute das 8. Europaforum
Wachau eröffnet, das im Zeichen von "regionale Zusammenarbeit -
Baustein eines gemeinsamen Europa" stand. Mag. Johanna Mikl-Leitner,
Präsidentin des Europaforums Wachau, konnte dabei bei der
Plenarveranstaltung "regionale Identität - Verbundenheit auf Grund
gemeinsamer Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" neben
Landeshauptmann Dr. Erwin Pröll auch Bundesministerin Dr. Benita
Ferrero-Waldner, den flämischen Ministerpräsidenten Patrick Dewael,
den ungarischen Außenminister Dr. Laszlo Kovacs und den italienischen
Europaminister Prof. Dr. Rocco Buttiglione begrüßen.
Pröll betonte in seinem Eröffnungsreferat, alle Versuche zu einem
gemeinsamen Europa seien von den Römern bis zum "Dritten Reich" immer
mit Gewalt, Eroberung, Unterdrückung und Größenwahn verbunden
gewesen. Die europäische Geschichte sei in Wahrheit mit Blut
geschrieben, es habe zwar einen hundertjährigen Krieg, noch nie aber
einen hundertjährigen Frieden gegeben. Jetzt habe man 57 Jahre
Frieden geschafft, jetzt sei man auf dem besten Weg, aus einer
Diktatur für viele zu einer Demokratie für alle zu gelangen, jetzt
bestehe die Chance, das geteilte Europa gewaltlos und demokratisch
zusammenzuführen.
Als derzeitige Problemfelder nannte der Landeshauptmann Tendenzen
zu Zentralismus, Bürgerferne und ein schwindendes Vertrauen in
Personen und Institutionen. Es sei ein falsches Signal, wenn Treffen
nur noch hinter Polizeikordonen stattfinden könnten. Für die Regionen
ortete der Landeshauptmann ein mangelndes Mitsprachrecht und die
Gefahr der Bevormundung, verstärkt durch Tendenzen der
Globalisierung. Das führe zu einem Gefühl der Ohnmacht und
Fremdbestimmung.
Europa müsse, so Pröll weiter, eine Europa der Demokraten, nicht
der Technokraten, und ein Europa des Gleichgewichts auf der Basis von
Gleichberechtigung sein, wo die Großen nicht über die Kleinen,
sondern mit den Kleinen entscheiden. Zudem müsse Europa ein Europa
der Vielfalt sein. Je größer Europa werde, desto wichtiger werden
Regionen in ihrer Funktion als Brücke zwischen bürgernaher Politik
und globaler Verantwortung. Ein Europa ohne Identifikation werde
zunehmend unattraktiver, zudem werde auch die wirtschaftliche
Effizienz eines Kontinents zunehmend von der Standortqualität
einzelner Regionen bestimmt.
Wirtschaftlich sei die Erweiterung bereits längst im Laufen, ob
sie aber tatsächlich ein Erfolg werde, hänge von der Politik ab, wo
es nicht um Bilanzen, sondern um Emotionen und Vertrauen gehe. Wer am
Weg zur Erweiterung nicht über Sorgen mit den Nachbarn reden wolle,
sei nicht reif für ein gemeinsames Europa. Wer den Dialog nicht
führen wolle, baue wieder Misstrauen und damit Grenzen auf. Dialog
sei das Non-plus-ultra für den gemeinsamen Weg. Gemeinsam solle man
sich Mut und Zeit nehmen, Stolpersteine wegzuräumen, um nicht in das
größere Europa hineinzustolpern. "Einzeln sind wir Worte, gemeinsam
ein Gedicht", so der Landeshauptmann abschließend.
Rückfragehinweis:
Niederösterreichische Landesregierung
Pressestelle
Tel.: 02742/9005 DW 12175
OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NLK/NLK/OTS






