- 28.06.2002, 09:10:51
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Die Fauna und Flora der Donauinsel=
Schwanenblume und Knoblauchkröte
Wien, (OTS) Sie ist ein künstliches Bauwerk, das in den 70er und
80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts entstand. Sie ist heute das
beliebteste Freizeitgebiet der WienerInnen. Und sie ist, wie sich nun
zeigt, auch ein ideales "Freilandlabor", in dem die
"Wieder"-Besiedlung eines künstlichen Raums mit verschiedenen
Tierarten dokumentiert werden kann: Die Donauinsel, das 21 Kilometer
lange Areal, das mit dem verbesserten Hochwasserschutz für Wien
entstanden war. Biotope und ökologische Management waren - auch als
Reaktion auf die Kritik am Verlust des früheren
Überschwemmungsgebiets, seiner Altarme und Auwaldreste - bereits
frühzeitig eingeplant worden. Und heute konnte sich daher auf der
Insel ein reichhaltiges Tierleben etablieren. Das konstatiert die
Fach-Publikation "Die Donauinsel in Wien -Aspekte zu Fauna und
Flora", im Auftrag der MA 45 - Wasserbau in der Fachbuchreihe Denisia
erstellt. Sie beweist, dass Anlagen wie Donauinsel und Neue Donau
wesentliche Lebensräume für viele Tier- und Pflanzenarten, darunter
auch bedrohte Arten, sein können. Dazu müssen bauliche Maßnahmen und
Pflege und Management der Grüngebiete entsprechend ausgerichtet
werden.
Mehr darüber: Dr. Ulrike Goldschmid, Tel. 4000/96574, Email:
[email protected].
Die Publikation "Die Donauinsel in Wien -Aspekte zu Fauna und
Flora" ist in der Reihe Denisia des Landes Oberösterreich,
Biologiezentrum/Oberösterreichisches Landesmuseum erschienen. Sie
kostet 36 Euro, Bestellungen unter
http://www.biologiezentrum.at/biowww/de/biblio/index.html ****
Auf der durchschnittlich 200 Meter breiten Donauinsel und in der
Neuen Donau treiben sich heute - in friedlicher Koexistenz mit
Erholungssuchenden, Badenden, RadlerInnen usw. - beispielsweise
zahlreiche Amphibien wie die Knoblauchkröte, Reptilien wie
Zauneidechse und Ringelnatter - und einmal sogar ein einsames
Äskulapnatter-Männchen und eine ebenso als Single lebende Europäische
Sumpfschildkröte -, 25 verschiedene Fischarten und sogar Biber (deren
Standort hier aber aus Gründen des Schutzes der Biber-Privatsphäre
nicht verraten wird) herum.
Es gibt eigene Vorschläge für die Wiesenbewirtschaftung, um
möglichst viele Tagfalter-Arten anzulocken.
Ein ganzes Verbundsystem von Biotopen - Kreimellacke,
Endelteich, Hüttenteich, Schwalbenteich, zuletzt Tritonteich, alle
nicht von der Natur, sondern von Menschen angelegt - sorgt für
Feuchtgebiete für Amphibien. Mit Ausnahme zweier Altarmreste der
Donau (Toter Grund, Zinkerbachl), die erhalten blieben, sind alle
Feuchtbiotope auf der Insel von Menschen angelegt worden.
Und dann findet man hier noch die von ihren ehemaligen
BesitzerInnen ausgesetzten heimatlosen Tiere: Von mehreren Rotwangen-
Schmuckschildkröten (sie sind eigentlich in Nordamerika beheimatet)
bis zum Zwergwels, der gar nicht typisch für den Standort Donauinsel
ist. Da dürften mehrmals GartenteichbesitzerInnen ihres - unter den
Amphibien räubernden - Fisches überdrüssig geworden sein und ihren
Zwergwels, so wie auch Hunde in der Ferienzeit ausgesetzt werden, in
den Biotopen der Donauinsel untergebracht haben.
Immerhin 25 Fischarten sind in den Wassern bei der Insel zu
finden. Das sind zwar weniger als in der Donau. Die hat mit ihren
Nebensystemen Platz für Aal und Donaukaulbarsch, für Forellenarten
und Fische mit so hübschen Bezeichnungen wie Zobel, Streber oder
Steinbeißer. Doch die Neue Donau bietet immerhin nicht zu verachtende
Hechte, Brachsen, Barsch und Zander, Karpfen, Wels und Marmorgrundel
- und einen Fisch namens Frauennerfling (Rutilus pigus virgo) ... der
tatsächlich mit f und nicht mit v geschrieben wird ...
Donauinsel: Ursprünglich ein rein technisches Projekt
Die Donauinsel und die Neue Donau, die heute ein so
selbstverständliches Freizeitparadies mitten in der Millionenstadt
Wien sind, war zuerst ein eher technisches Projekt. Zum verbesserten
Hochwasserschutz - vorher standen bei Hochwasser Teile Wiens, z.B.
beim Mexikoplatz, unter Wasser - sollte u.a. ein Entlastungsgerinne
(die Neue Donau) gegraben werden. Ursprünglich nach rein
wasserbaulichen Gesichtspunkten geplant, wurde das Projekt durch den
Gestaltungswettbewerb "Donaubereich Wien" in den 70ern entscheidend
verändert. Hochwasserschutz, Stadtgestaltung, Freizeitmöglichkeiten
und auch das Erhalten oder Einbeziehen von Elementen der
ursprünglichen Stromlandschaft sowie das Anlegen von Biotopen
gehörten nun zum Projekt dazu. Die Donauinsel wurde daher in
verschiedenen Abschnitten unterschiedlich gestaltet - naturnah im
nordwestlichen und südöstlichen Randbereich, städtisch-parkartig im
Mittelteil zwischen Floridsdorfer- und Kaisermühlenbrücke.
Bereits 1978 wurde die Kreimellacke in der Nähe des Toten
Grundes als erstes Biotop gestaltet. Als Letztes wurde 1989/1990 das
Tritonwasser, ein zwei Hektar großer Teich, von der MA 45 nach
ökologischen Gesichtspunkten geplant und realisiert. Um eine
standortgerechte Ufervegetation zu erreichen, wurden als
"Initialzündung" Binsen, Seggen, Wasserpfefferminze, Rohrkolben und
Schwanenblume gesetzt. Alle diese heimischen Pflanzen wurden von
Retentionsbecken anderer Wiener Gewässer übersiedelt, z.B. vom
Mühlwasser oder den Wienfluss-Retentionsbecken.
Und obwohl entlang der Neuen Donau mit insgesamt 42 Kilometern
Badestrand eigentlich genug Platz am Wasser sein sollte, zog das
einsame Biotop Tritonteich auch noch BesucherInnen an. Um die
ungestörte Entwicklung der Fauna und Flora zu ermöglichen, musste die
MA 45 dort immer wieder schmale Trampelpfade zupflanzen. Die dichter
werdende Bepflanzung um das Gewässer half später ebenfalls,
Ungestörtheit zu erhalten.
Die letzte Neugestaltung von Teilen der Insel erfolgte beim Bau
des Kraftwerks Freudenau, das seit 1997/98 in Betrieb ist; damit
wurde auch die Donau im Bereich der Stadt gestaut. Mit den
Baumaßnahmen gab es am rechten Ufer der Donauinsel wesentliche
Änderungen; zwar gingen einerseits die letzten Auwaldreste des
früheren Überschwemmungsgebiets verloren, dafür wurde das vorher mit
Wasserbausteinen befestigte Ufer mit Buchten, Inseln und
Nebengerinnen reich gegliedert.
Das Überschwemmungsgebiet war auch nicht reine Natur...
Apropos Überschwemmungsgebiet: Dieses naturnahe Ökosystem musste
der Donauinsel und der Neuen Donau geopfert werden. Während der
Bauarbeiten zum verbesserten Hochwasserschutz wurden aber stets
Verbindungen zwischen Überschwemmungsgebiet und Inselkörper belassen,
um die Ansiedlung von Tierarten aus dem Inundationsgebiet zu
ermöglichen.
Die Donauinsel, vor allem mit Donauschotter aufgeschüttet, ist
vom Klima her das genaue Gegenteil des feuchten
Überschwemmungsgebietes; und Nordostwinde tragen noch das Ihre dazu
bei, dass die Vegetation eher Trockenrasen entspricht als feuchten
Auwäldern. Auch die Aufforstungen auf der Insel, mit Eichen,
Hainbuchen und Ahorn, entsprechen eher der harten Au. Entlang der
Donau selbst und am Donauufer haben sich aber trotzdem Weiden und
Pappeln als schmaler Auwaldsaum angesiedelt.
Trotz der massiven ökologischen Unterschiede ist jedoch die
Fauna, etwa Zauneidechse oder Ringelnatter, der Insel im Wesentlichen
auf die des Überschwemmungsgebietes zurückzuführen. Das kann man in
der Publikation "Die Donauinsel in Wien - Aspekte zu Flora und Fauna"
nachlesen.
Und was man gerne vergisst: Das Überschwemmungsgebiet war auch
nicht reine ursprüngliche Natur. Es entstand mit der großen
Donauregulierung im 19. Jahrhundert, zwischen 1869 und 1875. Wobei
auch damals Donaudurchstich und Abtrennung der Alten Donau vom
Hauptstrom wesentliche, dem Hochwasserschutz dienende Eingriffe
bedeuteten. Und das waren nicht die Ersten in der langen Geschichte
des Donaustroms - nachweislich gab es erste Regulierungsarbeiten
schon im 15. Jahrhundert.
o Mehr über die Donauinsel im Internet unter
http://www.wien.gv.at/wasserbau/donau.htm
http://www.wien.gv.at/wasserbau/freizeit.htm
o Mehr zum Thema Donauregulierung:
http://www.wien.gv.at/wasserbau/schutz_ges.htm
http://www.wien.gv.at/stadtentwicklung/donauraum/regulierung.htm
(Schluss) hrs
Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Helga Ruzicka-Stanzel
Tel.: 4000/81 856
mailto:[email protected]
Dr. Ulrike Goldschmid
MA 45 - Wasserbau
Tel. 4000/96574
mailto:[email protected]
http://www.wien.at/wasserbau/
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