EIN WIENER BEIM TOKIOTER KRIEGSVERBRECHERPROZESS Buch über das Leben von Kurt Steiner im Parlament vorgestellt

Wien (PK) - Auf Einladung von Nationalratspräsident Heinz Fischer sowie des Sonderkoordinators des Stabilitätspaktes für Südost-Europa, Erhard Busek, wurde heute das Buch "Zwischen den Welten -Kurt Steiner: Ein Wiener beim Tokioter Kriegsverbrecherprozess"
von den Autoren Elisabeth Welzig und Ernst Kilian im Parlament präsentiert. Der Wiener Jude Steiner musste 1938 seine
Heimatstadt verlassen und machte dann in Japan und den USA eine ungewöhnliche Karriere. Nachdem er erst knapp vier Jahre die amerikanische Staatsbürgerschaft hatte, nahm er 1948 als US-Anklagevertreter am Kriegsverbrecherprozess in Tokio - dem
Pendant zum Nürnberger Prozess - teil. Über dieses Thema, nämlich die japanischen Kriegsverbrechen, wisse man noch viel zu wenig, meinte Nationalratspräsident Fischer, und die Teilnahme am
Prozess war für Kurt Steiner ein prägendes Erlebnis. Es sei für ihn eine große Freude, dieses Buch heute im Parlament zu präsentieren, zumal er Professor Steiner seit über 35 Jahren persönlich kenne.

Die Autorin Elisabeth Welzig traf Steiner zum ersten Mal 1987 am Campus der Stanford University, wo er als Professor für Politikwissenschaften tätig war und wo ihn jeder "Mister Austria" nannte. Er könne heute leider nicht persönlich an der Veranstaltung teilnehmen, da er seine Frau, Kitty Steiner, die an Alzheimer leidet, nicht allein lassen wollte, teilte Welzig mit. Steiner, der 1938 emigrieren musste, habe diese existenzielle Verletzung nie ganz überwunden, meinte Co-Autor Ernst Kilian. Er war ein glühender Wiener, habe aber jede Form von Patriotismus abgelehnt. Für ihn habe dieses Thema auch einen sehr aktuellen Bezug, erklärte Kilian, denn es zeige sich, dass die Frage, wo jemand beheimatet ist, ausschließlich von den Betroffenen beantwortet werden könne.

Universitätsprofessor Peter Gerlich kam dann noch auf die wissenschaftlichen Leistungen von Steiner zu sprechen, der
relativ spät eine universitäre Karriere einschlug und 1972 "Politics in Austria" veröffentlichte. Dies sei ein ganz grundlegendes Buch für die österreichische Politikwissenschaft, die sich zu diesem Zeitpunkt gerade in der Gründungsphase befand. Schon damals habe Steiner auf die Gefahren einer entpolitisierten Kultur hingewiesen, da sie populistische Strömungen begünstige.

Erhard Busek, der bei der Veranstaltung nicht anwesend sein
konnte, weist in seinem Vorwort darauf hin, dass Kurt Steiner
einer der letzten Zeugen des "Tokioter Prozesses" ist. Es sei Elisabeth Welzig sehr für dieses Buch zu danken, weil sie uns
damit ein Stück der Geschichte des 20. Jahrhunderts sichert. "Für Österreich ist dies umso mehr von Bedeutung, weil es zeigt, dass jemand, den die schrecklichen Ereignisse des 20. Jahrhunderts gezwungen haben, mit seiner Familie das Land zu verlassen, in
einem anderen Teil der Welt einen Beitrag zu jener Gerechtigkeit geleistet hat, die wir so notwendig global brauchen."

WIEN - JAPAN - USA

Das Buch beschreibt das Leben von Kurt Steiner, eines Menschen,
der seine Identität zwischen den Welten ansiedelt. Geboren als
Sohn eines Fleischhauers in Wien-Fünfhaus musste Steiner seine Heimat kurz nach seiner Promotion verlassen, wo ihn sein Weg zunächst nach Amerika führte, wo er sich als Eisverkäufer, Hausmeister und Fensterputzer durchschlug. Bald darauf wurde er jedoch Sprachlehrer und da er vorgab, Japanisch zu beherrschen, schickte ihn die amerikanische Regierung 1945 als Sprachoffizier nach Japan, wo er dem Oberkommandierenden, General Mac Arthur, zugeordnet war. 1947 wurde Steiner in den Stab der US-Anklagevertreter bei den Tokioter Kriegsverbrecherprozessen delegiert und war ab 1948 mit der Durchführung und Überwachung
der Rechtsreformen in Japan betraut. Schließlich entschied er
sich für eine akademische Karriere in den USA und lehrte von 1955 bis 1977 als Professor für Politische Wissenschaften an der Stanford University. Heute arbeitet er, mittlerweile
neunzigjährig, an einer Dokumentation der Tokioter Kriegsverbrecherprozesse. Steiners lebenslanger
Arbeitsschwerpunkt ist angesichts des geplanten Internationalen Gerichtshofes in Den Haag von besonderer Aktualität.

DIE AUTORIN, DER AUTOR

Elisabeth Welzig, Publizistin und Journalistin, veröffentlichte bereits zahlreiche Porträts von Emigrantinnen und Emigranten in Australien, Neuseeland und den USA. Ernst Kilian ist Germanist
und Anglist und lebt als Autor und Übersetzer in Wien und Graz.
Das Buch wurde vom Mandelbaum Verlag herausgegeben und ist zum
Preis von 18,90 € im Buchhandel erhältlich. (Schluss)

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