Libro: Das wäre Wlaschek nie passiert

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Selbst ein so erfahrener Sanierer wie Werner Steinbauer, der zuletzt geholt wurde, hat es nicht mehr geschafft, den Konkurs der Libro AG abzuwenden. Gründe dafür gibt es einige:
Solange die Libro AG zum Unternehmensreich von Karl Wlaschek gehörte, lief der Laden gut.

Der Vollblutunternehmer Karl Wlaschek, der am Höhepunkt seines Unternehmertums Billa, Mondo, Merkur, Bipa, Libro und einige andere Unternehmen zu den Führenden ihrer Branche gemacht hatte, sorgte stets dafür, dass Management und Mitarbeiter seiner Unternehmen den Boden der Realität nicht verliessen und sich voll auf den Nutzen der Kunden konzentrierten.

Schliesslich testete der Chef immer wieder anonym und höchstpersönlich die Kundenfreundlichkeit seiner Belegschaften. Dieses Engagement des Firmenchefs zeigte Wirkung. Allerdings nur so lange, bis Wlaschek sich von seinen Unternehmungen trennte und sein Geld in Immobilien zu investieren begann.

Das Ende der Eigentümerschaft des Paradeunternehmers Wlaschek bei Libro war der Anfang vom Ende: Ein schwacher Vorstand, der statt bodenständiger Geschäftspolitik euphorische Expansionspläne in Angriff nahm, und überforderte Aufsichtsräte wurden zur Mischung, aus der Pleiten entstehen. Als Draufgabe wurde in diesem Umfeld noch der Börsegang gewagt. Damit alle was von Libro haben.

Mit dem Börsegang wurde auch die Krise der Unternehmensbewertung evident. In einer Zeit, in der Investment-Banker den Wert der mittlerweile Pleite gegangenen Internetfirma YLine höher angesetzt haben als den Wert von Böhler-Uddeholm und Voest zusammen, wie Böhler-Uddeholm-Chef Claus J. Raidl jüngst anmerkte, ist es kein Wunder, dass auch bei Libro die Bewertung des Unternehmens so lange Wechselbädern unterlag, bis kein Weg mehr am Handelsgericht vorbeiführte.

Ein von kaufmännischer Vorsicht getragenes Rechenwerk und seriös informierte Aufsichtsräte sind die Grundlage einer erfolgreichen Unternehmensführung. Wo diese fehlen, ist der erste Schritt in den finanziellen Abgrund getan. Ob die Rechnungslegung von Libro den gesetzlichen Erfordernissen entsprochen hat, wird Juristen in den nächsten Monaten ebenso beschäftigen wie die Rolle von Vorstand und Aufsichtsrat. Dem Unternehmen selbst hilft das nichts mehr: Es wird wahrscheinlich zerstückelt, um wenigstens für die Reste Käufer zu finden.

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