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"Kleine Zeitung" Kommentar: "Ein Bankkartell sieht rot" (von Hubert Patterer)
Ausgabe vom 16.6.2002
Graz (OTS) - Rot ist nicht nur die Farbe des Herzens, sondern
kann auch Sinnbild für Aggressivität und Kampfeslust sein. Wir gehen
von der Annahme aus, dass Jörg Haider eher Letzteres verkörpern
wollte, als er im Wiener Nobelhotel Bristol, am Tatort quasi, zum
Feldzug gegen Österreichs Mauschel-Banker blies: in roten Designer-
Schuhen vor einem roten Poster, das sein Abbild zeigte, mit rotem T-
Shirt und stechendem Aufdecker-Blick.
Was für ein Auftritt! Es war wie ein Stück aus frühen Tagen, als
sich die Welt noch teilen ließ in die da oben und wir da unten,
in Gut und Böse und keine Gauggs die Story decodierten als Lug und
Trug. Da war er wieder, der Rächer der Übervorteilten, furchtlos im
Kampfgegen die Mächte des Kapitals. Endlich durfte der Tribun ins
alte Paradekostüm schlüpfen und dass ihm dieses ausgerechnet die
verschmähte EU mit ihrer Sanktion gegen das Bankkartell schneiderte
und der Eingekleidete sich plötzlich an ihrer Seite gefällt, das ist
schon eine Pointe der bizarren Art.
In der Sache selbst poltert Haider völlig zu Recht und da der
Kanzler lieber mit den uneinsichtigen Bankern bangt als mit den
Kunden, darf Robin Hood allein mit ihrem Zorn spielen. Der ist nur
allzu verständlich, wenn offenbar wird, wie schamlos sich die acht
größten Banken des Landes über Jahrzehnte regelmäßig im Bristol-
Salon trafen und sich illegal die Spar- und Kreditzinsen
ausnuschelten. Auch wenn alles angeblich ganz harmlos und und
ineffektiv war, auch wenn sich die Mauschler wie Hannes Androsch
beteuert verhielten wie Bankräuber, die einen "Schweißsocken als
Pistolenattrappe" verwenden: Bankraub bleibt Bankraub.
Dilettantismus in der Ausführung ist kein Milderungsgrund.
Die mit Ausnahme Klaus Pekareks trotzig-hochnäsigen
Stellungnahmen der Direktoren lassen befürchten, dass ihnen die
Schwere des Fehlverhaltens noch immer nicht bewusst ist. Absprachen
untergraben den freien Wettbewerb. Sie gefährden das wertvollste
Kapital einer Bank: das Vertrauen der Kunden. Ein Konsument, der
sein Erspartes einem Institut an vertraut, schenkt diesem "Kredit"
und wenn die Erinnerung an den Liber Latinus nicht völlig trügt,
steckt darin das Wort glauben. Wer diesen Glauben erschüttert,
ruiniert sein Geschäft.
Natürlich wäre Haider nicht Haider, überzöge er nicht maßlos. Seine
Restitutionsforderungen würden die Banken zu Schicksalsgenossen des
FC Tirol machen. So reich sind Österreichs Banken nicht, ihre
Eigenkapitaldecke ist brüchig wie Blätterteig. Sie sind ein
undankbares Objekt für platte Kapitalismuskritik. Auch die Appelle
des Justizministers an die Kunden, sie mögen klagen, wenn ihre
Kreditrate schändlich hoch, ihr Sparzins schäbig niedrig war, tönen
wohlfeil: Wer klagt, muss einen ursächlichen Zusammenhang zwischen
der seinerzeitigen Kondition und den Kränzchen der Bankmagnaten
nachweisen: juristischer Hasard. Wer zahlt die Kosten, wenn er
fehlschlägt?
Man wäre als Kunde schon zufrieden, wenn das Strafgeld eine
Läuterung bewirkte. Wenn die Kartellbrüder klug sind, setzen sie ein
sichtbares, finanzierbares Zeichen der Bußfertigkeit und heben, ein
Beispiel nur, die Sparzinsen an. Es wäre eine an ständige Absprache
und ein Zuschuss für verlorenen Kredit. ****
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