• 14.06.2002, 14:22:36
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  • OTS0238 OTW0238

EU lässt Milchpreise unter Interventionsniveau fallen

VÖM kritisiert Preissenkungspolitik der EU-Kommission

Brüssel/Wien, 14. Juni 2002 /AIZ). - Enttäuscht über das Verhalten
der Europäischen Kommission in der jüngsten Sitzung des EU-
Verwaltungsausschusses für Milchprodukte zeigt sich die Vereinigung
österreichischer Milchverarbeiter (VÖM). "Die Kommission hat am
Donnerstag in Brüssel das Interventionsverfahren für
Magermilchpulver auf das Ausschreibungsverfahren umgestellt. Es ist
dadurch ein neuerlicher Preisdruck auf dem europäischen Milchmarkt
zu befürchten, weil nicht mehr wie bisher der volle
Interventionspreis, sondern ein darunterliegender Prozentwert
bezahlt wird", so VÖM-Geschäftsführer Johann Költringer gegenüber
dem AIZ. Österreich habe gegen diese Entscheidung Einspruch erhoben,
sei aber im Verwaltungsausschuss überstimmt worden.

Die Intervention (öffentliche Lagerhaltung zum Zwecke der
Marktentlastung) ist nach wie vor das wichtigste Steuerventil auf
dem europäischen Milchmarkt. Gerade im heurigen Jahr, das von
steigenden Milchüberschüssen geprägt ist, können durch die
Intervention bestimmte Mengen an Milchprodukten (Milchpulver,
Butter) vorübergehend vom Markt genommen werden. Bei
Magermilchpulver greift das Interventionssystem bis zu einer
Mengenschwelle von 109.000 t. Wird sie überschritten, kann die
Kommission auf ein Ausschreibungsverfahren überwechseln.

Weiterer Preisdruck zu befürchten

"Mit der jetzigen Entscheidung der EU-Kommission, bei der
Intervention auf ein Ausschreibungsverfahren umzustellen, wird
praktisch der in der Agenda 2000 festgelegte Milchpreis
unterlaufen", erklärt Költringer. Zuletzt wurde dieses Verfahren
1991 verwendet. Damals wurden die Zuschläge um 6% unter der vollen
Höhe des Interventionspreises erteilt.

Wenn durch dieses Ausschreibungsverfahren das Preisniveau weiter
gedrückt wird, bedeutet das laut VÖM für die österreichische
Milchwirtschaft und die rund 60.000 heimischen Milchlieferanten
einen neuerlichen Preisdruck. Die Umstellung des Verfahrens sei auch
aus budgetären Gründen nicht zu rechtfertigen, da das EU-Milchbudget
in den letzten Jahren kontinuierlich reduziert worden sei. In den
achtziger Jahren sei der Anteil des Milchbereichs am Agrarbudget
noch bei über 20% gelegen, im vergangenen Jahr nur mehr bei 4%,
wobei 2001 zusätzlich EUR 420 Mio. eingespart worden seien. Hier sei
anzumerken, dass ja auch Bauerngelder durch die Superabgabe (wegen
Quotenüberschreitung) nach Brüssel überwiesen wurden.

Die aktuellen Beschlüsse der Kommission seien offenbar ein
Vorgeschmack auf die agrarpolitische Linie, wie sie zuletzt von
manchen Ländern im Zuge der Debatte über Direktzahlungen für die
Beitrittsländer und Agrarreformen eingeschlagen wurde, so die VÖM.
Die österreichischen Milchbauern und -verarbeiter hätten sich von
der EU-Kommission in der aktuellen Situation eher Maßnahmen zur
Preisstabilisierung erwartet und nicht das Gegenteil, kritisiert der
VÖM-Geschäftsführer.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis: AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

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