"Tiroler Tageszeitung" Kommentar "Blockabfertigung" (Von Peter Nindler)

Ausgabe vom 14. Juni 2002

Innsbruck (OTS) - Europas Verkehrspolitiker fahren am liebsten rückwärts. Auf der Brenner- und Inntalautobahn werden sie das auch nicht mehr lange können. Auf ihrer Fahrt in die verkehrspolitische Vergangenheit stecken sie dann vermutlich mit jährlich 14 Millionen Fahrzeugen im Stau. Aber Hauptsache mehr als 1,6 Mio. Lkw zwängen sich durchs Nadelöhr Tirol.

Schon jetzt zockelt man mehr schlecht als recht auf der Autobahn dahin: Baustellen, Lkw und Urlauberreiseverkehr trocknen den Verkehrsfluss aus. Vor allem für die Bewohner des Wipp- und Stubaitals, die Vater Staat mit Maut und Vignette doppelt neppt, ist die Situation unerträglich. Die Fahrt nach Innsbruck wird zum Tagesauflug, zu Hause vermischen sich Schadstoff und Lärm zu einem belastenden Gemisch. Und weil sich nach Ende des heimischen Transitregimes die Lkw wohl selbst blockieren werden, dürften die Verkehrsstrategen nach einem Schlupfloch suchen. Schließlich sind dem Ausweichverkehr auf Bundes- und Landesstraßen natürliche Grenzen gesetzt.

Die Lösung liegt wahrscheinlich nicht in der Vernunft, sondern im Beton. Die Alpenstraßen AG bzw. ihr ehemaliger Chef Peter Unterholzner ließ schon vor Jahren mit einer eigenen Lkw-Spur aufhorchen. Wenn nichts mehr geht, wird also ausgebaut.
Der Ausbau der Straße ist die Folge einer Verneinung. Da können noch so viele unterirdische Bahntrassen in Tirol gebaut werden, die Frächter sind trotzdem nicht gewillt ihre Tonnagen auf die Schiene zu verlagern. Für ihr starres und straßenzentriertes Weltbild erhalten sie pausenlos Unterstützung von der Europäischen Union. Deshalb erscheint eine dritte Autobahnspur realistischer als verkehrsregulierende Maßnahmen. Verlagern ja, aber nur auf die Straße.

Denn im eigenen Stau wollen die Spediteure nicht stecken. Eine Lkw-Spur würde den jahrelangen Transitstreit aber endgültig zugunsten der Frächterlobby entscheiden.

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