- 12.06.2002, 16:11:08
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Säuberungswelle im Handel
WirtschaftsBlatt-Kommentar von Erwin Frasl
Wien (OTS) - Jetzt ist wieder Flugsaison. Allerdings nicht im
Tourismus, sondern im Handel. Dort werden demnächst eine Reihe von
Markenartikeln aus den Regalen fliegen. Das haben etwa Billa und
Merkur für die Rewe-Gruppe angekündigt, zu der auch Mondo und Bipa
gehören. Das Stichwort dazu heisst Sortimentsbereinigung.
Was auf den ersten Blick harmlos klingt, hat es für die
Konsumgüterindustrie in sich.
Denn unter der Devise Auslistung nehmen die Handelsketten eine
Reihe von Produkten aus ihrem bisherigen Angebot. Das verschärft den
Konkurrenzkampf in der Industrie dramatisch. Entweder die Industrie
wird gefügig und senkt die Preise, zu denen der Handel bei ihnen
einkauft, oder sie produzieren für die Handelsketten deren
Eigenmarken.
Und auch das bedeutet, dass von den Industrieunternehmen nur noch
geringere Verkaufserlöse erzielt werden können. Oder die Lieferanten
sind schlicht aus dem Geschäft.
Auswege gibt es für die Industrie nur zwei. Ausweg Nummer eins:
Sie schafft es, ihre Waren in den Tageszeitungen oder den
elektronischen Medien so stark zu bewerben, dass die Verbraucher auf
diese Produkte nicht verzichten wollen. Wenn die Konsumenten diese in
einem bestimmten Geschäft nicht mehr finden, sind sie auf Grund des
starken Werbedrucks bereit, ihre Einkäufe bei der Konkurrenz zu
machen.
Ausweg Nummer zwei heisst schlicht Export. Jene
Industrieunternehmen, die einen Grossteil ihrer Produktion an wenige
Handelsunternehmen im Inland liefern, sind zu sehr vom Wohlwollen
dieser Ketten abhängig. So bequem die Lieferung an einige wenige
Abnehmer auch ist, so gefährlich kann sie für Industriebetriebe
werden. Daher lohnt es sich für die Konsumgüterindustrie, sich bei
Lieferungen an einzelne Handelsketten selbst Obergrenzen zu setzen
und sich als Alternative neue Kunden im europäischen Binnenmarkt zu
suchen, der ja seit dem EU-Beitritt zum Inlandsmarkt geworden ist.
Wem es etwa gelingt, Ballungsräume wie Rom, London, Paris oder Berlin
zu beliefern, der hat schon einen wichtigen Schritt aus der
Abhängigkeit des kleinen österreichischen Marktes geschafft.
Allerdings haben viele österreichische Industrieunternehmen noch
immer zu grosse Angst vor Geschäften mit dem Ausland. So bleiben
viele Geschäftsmöglichkeiten in der EU ebenso ungenützt wie in den
Nachbarländern. Ohne Export wird es aber nicht gehen: Denn der Handel
wird den Druck auf die Industrie konsequent verstärken.
Rückfragehinweis:
WirtschaftsBlatt
Redaktionstel.: (01) 919 19/305
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