Säuberungswelle im Handel

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Erwin Frasl

Wien (OTS) - Jetzt ist wieder Flugsaison. Allerdings nicht im Tourismus, sondern im Handel. Dort werden demnächst eine Reihe von Markenartikeln aus den Regalen fliegen. Das haben etwa Billa und Merkur für die Rewe-Gruppe angekündigt, zu der auch Mondo und Bipa gehören. Das Stichwort dazu heisst Sortimentsbereinigung.

Was auf den ersten Blick harmlos klingt, hat es für die Konsumgüterindustrie in sich.

Denn unter der Devise Auslistung nehmen die Handelsketten eine Reihe von Produkten aus ihrem bisherigen Angebot. Das verschärft den Konkurrenzkampf in der Industrie dramatisch. Entweder die Industrie wird gefügig und senkt die Preise, zu denen der Handel bei ihnen einkauft, oder sie produzieren für die Handelsketten deren Eigenmarken.

Und auch das bedeutet, dass von den Industrieunternehmen nur noch geringere Verkaufserlöse erzielt werden können. Oder die Lieferanten sind schlicht aus dem Geschäft.

Auswege gibt es für die Industrie nur zwei. Ausweg Nummer eins:
Sie schafft es, ihre Waren in den Tageszeitungen oder den elektronischen Medien so stark zu bewerben, dass die Verbraucher auf diese Produkte nicht verzichten wollen. Wenn die Konsumenten diese in einem bestimmten Geschäft nicht mehr finden, sind sie auf Grund des starken Werbedrucks bereit, ihre Einkäufe bei der Konkurrenz zu machen.

Ausweg Nummer zwei heisst schlicht Export. Jene Industrieunternehmen, die einen Grossteil ihrer Produktion an wenige Handelsunternehmen im Inland liefern, sind zu sehr vom Wohlwollen dieser Ketten abhängig. So bequem die Lieferung an einige wenige Abnehmer auch ist, so gefährlich kann sie für Industriebetriebe werden. Daher lohnt es sich für die Konsumgüterindustrie, sich bei Lieferungen an einzelne Handelsketten selbst Obergrenzen zu setzen und sich als Alternative neue Kunden im europäischen Binnenmarkt zu suchen, der ja seit dem EU-Beitritt zum Inlandsmarkt geworden ist. Wem es etwa gelingt, Ballungsräume wie Rom, London, Paris oder Berlin zu beliefern, der hat schon einen wichtigen Schritt aus der Abhängigkeit des kleinen österreichischen Marktes geschafft.

Allerdings haben viele österreichische Industrieunternehmen noch immer zu grosse Angst vor Geschäften mit dem Ausland. So bleiben viele Geschäftsmöglichkeiten in der EU ebenso ungenützt wie in den Nachbarländern. Ohne Export wird es aber nicht gehen: Denn der Handel wird den Druck auf die Industrie konsequent verstärken.

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