Greenpeace-Aktion bei slowakischem Donauvergifter

Österreich importiert jährlich Produkte um acht Millionen Euro

Bratislava/Wien (OTS) - 25 Greenpeace-Aktivisten aus Österreich, der Slowakei und anderen europäischen Ländern protestieren seit heute morgen in der Chlor-Fabrik Novacke Chemicke Zavody (NCHZ) gegen die Ableitung hochgiftiger Chemie-Abwässer in einen slowakischen Donauzufluss. Mit Vollschutzanzügen bekleidet haben sie Fässer mit Abwasser gefüllt und vor das Tor der Fabrik gebracht, wo sie chemische Versuche mit den Giftwasserproben durchführen. Greenpeace-Analysen im Vorfeld der Aktion ergaben starke Belastungen mit Quecksilber und anderen hochgiftigen chlororganischen Verbindungen. Eine Spur der Verschmutzung führt auch nach Österreich. "Jährlich werden Produkte im Wert von acht Millionen Euro nach Österreich importiert, darunter das krebserregende Lösungsmittel Trichlorethylen und das Umweltgift PVC", sagt Greenpeace-Chemie- Experte Herwig Schuster. Greenpeace fordert vom Unternehmen die rasche Einhaltung von EU Abwasserstandards sowie die volle Haftung für die entstandenen Schäden.

Die Fabrik gehört zu den größten Wasserverschmutzern der Slowakei. Greenpeace-Analysen im Abwasser ergaben pro Liter u. a. über 110 Mikrogramm Quecksilber sowie 160 Mikrogramm Blei. Darüber hinaus wurden 1900 Mikrogramm Vinylchlorid sowie 28.000 Mikrogramm Trichlorethylen gefunden, beides stark krebserregende Substanzen. "Selbst die Dämpfe des Abwassers sind so gefährlich, dass wir bei der Probenahme von den Einheimischen gewarnt wurden", berichtet Schuster, "außerdem haben wir einen Säurewert von eins gemessen. Das ist reine Säure, die dort in den Fluss Nitra geleitet wird."

Die Quecksilber-Emissionen entstehen bei der veralteten Chlor-Alkali-Elektrolyse, mit der das Werk Chlorgas herstellt. Die Umweltbelastung mit Quecksilber ist dabei laut einer Studie der staatlichen Gesundheitsbehörde so dramatisch, dass bei Kindern in der Region Novaky und Zemianske Kostolany erhöhte Werte in Haaren und Fingernägeln gemessen wurden. In der wissenschaftlichen Welt ist die Fabrik durch zahlreiche arbeitsmedizinische Fallstudien bekannt. So sind sieben tödlich verlaufene Leberkrebsfälle dokumentiert, die auf extreme Belastungen in den 60er-Jahren zurückzuführen sind.

Die Aktion ist die erste, die Greenpeace im Rahmen der gestern gestarteten Osteuropa-Tour mit dem neuen Aktionsmobil durchführt. Gegen Ende der Woche geht es weiter nach Ungarn, danach nach Rumänien. "Im Rahmen dieser "Clean Water Tour 2002" werden wir in den nächsten zwei Monaten an vielen Orten Proben nehmen, Abwässer analysieren und die Menschen in mehr als zwanzig Orten in Rumänien, Ungarn und der Slowakei über ihr Wasser informieren. Wenn nötig, werden wir auch mit Aktionen für mehr Nachdruck sorgen", so Schuster abschließend.

Fotos von der Aktion sowie Hintergrundbilder verfügbar

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Pressesprecher Greenpeace
Tel.: 01-5454580-29 oder 0676-5147246

DI Herwig Schuster
Chemie-Experte Greenpeace
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Mag. Martin Hojsik
Greenpeace in der Slowakei, vor Ort (deutsch),
Tel.: ++421 905 313395

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