- 11.06.2002, 11:01:00
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Greenpeace-Aktion bei slowakischem Donauvergifter
Österreich importiert jährlich Produkte um acht Millionen Euro
Bratislava/Wien (OTS) - 25 Greenpeace-Aktivisten aus Österreich,
der Slowakei und anderen europäischen Ländern protestieren seit heute
morgen in der Chlor-Fabrik Novacke Chemicke Zavody (NCHZ) gegen die
Ableitung hochgiftiger Chemie-Abwässer in einen slowakischen
Donauzufluss. Mit Vollschutzanzügen bekleidet haben sie Fässer mit
Abwasser gefüllt und vor das Tor der Fabrik gebracht, wo sie
chemische Versuche mit den Giftwasserproben durchführen. Greenpeace-
Analysen im Vorfeld der Aktion ergaben starke Belastungen mit
Quecksilber und anderen hochgiftigen chlororganischen Verbindungen.
Eine Spur der Verschmutzung führt auch nach Österreich. "Jährlich
werden Produkte im Wert von acht Millionen Euro nach Österreich
importiert, darunter das krebserregende Lösungsmittel Trichlorethylen
und das Umweltgift PVC", sagt Greenpeace-Chemie- Experte Herwig
Schuster. Greenpeace fordert vom Unternehmen die rasche Einhaltung
von EU Abwasserstandards sowie die volle Haftung für die entstandenen
Schäden.
Die Fabrik gehört zu den größten Wasserverschmutzern der Slowakei.
Greenpeace-Analysen im Abwasser ergaben pro Liter u. a. über 110
Mikrogramm Quecksilber sowie 160 Mikrogramm Blei. Darüber hinaus
wurden 1900 Mikrogramm Vinylchlorid sowie 28.000 Mikrogramm
Trichlorethylen gefunden, beides stark krebserregende Substanzen.
"Selbst die Dämpfe des Abwassers sind so gefährlich, dass wir bei der
Probenahme von den Einheimischen gewarnt wurden", berichtet Schuster,
"außerdem haben wir einen Säurewert von eins gemessen. Das ist reine
Säure, die dort in den Fluss Nitra geleitet wird."
Die Quecksilber-Emissionen entstehen bei der veralteten Chlor-
Alkali-Elektrolyse, mit der das Werk Chlorgas herstellt. Die
Umweltbelastung mit Quecksilber ist dabei laut einer Studie der
staatlichen Gesundheitsbehörde so dramatisch, dass bei Kindern in der
Region Novaky und Zemianske Kostolany erhöhte Werte in Haaren und
Fingernägeln gemessen wurden. In der wissenschaftlichen Welt ist die
Fabrik durch zahlreiche arbeitsmedizinische Fallstudien bekannt. So
sind sieben tödlich verlaufene Leberkrebsfälle dokumentiert, die auf
extreme Belastungen in den 60er-Jahren zurückzuführen sind.
Die Aktion ist die erste, die Greenpeace im Rahmen der gestern
gestarteten Osteuropa-Tour mit dem neuen Aktionsmobil durchführt.
Gegen Ende der Woche geht es weiter nach Ungarn, danach nach
Rumänien. "Im Rahmen dieser "Clean Water Tour 2002" werden wir in den
nächsten zwei Monaten an vielen Orten Proben nehmen, Abwässer
analysieren und die Menschen in mehr als zwanzig Orten in Rumänien,
Ungarn und der Slowakei über ihr Wasser informieren. Wenn nötig,
werden wir auch mit Aktionen für mehr Nachdruck sorgen", so Schuster
abschließend.
Fotos von der Aktion sowie Hintergrundbilder verfügbar
Rückfragehinweis:
MMag. Franko Petri
Pressesprecher Greenpeace
Tel.: 01-5454580-29 oder 0676-5147246
DI Herwig Schuster
Chemie-Experte Greenpeace
Tel.: 01-5454580-41 oder 0664-4319214
Mag. Martin Hojsik
Greenpeace in der Slowakei, vor Ort (deutsch),
Tel.: ++421 905 313395
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