Aus- und Weiterbildungs-Enquete der Sozialpartner im Bereich Eisen Metall

Metall-Sozialpartner: Haslauer, Nürnberger bei Enquete zu Aus- und Weiterbildung

Wien (PWK395) - Im Zuge der Lohn- und Gehaltsverhandlungen in der Metallindustrie im Herbst 2001 vereinbarten die Kollektivvertragspartner Wirtschaftskammer-Sektion Industrie, Gewerkschaft Metall - Textil und Gewerkschaft der Privatangestellten - gemeinsame Anstrengungen in der Frage der Bildung, Aus- und Weiterbildung zu unternehmen, um den neuen Herausforderungen gemeinsam gerecht werden zu können. Daher wurde heute, Montag, im Rahmen der Sozialpartner-Enquete ein gemeinsames Memorandum zum Thema Aus- und Weiterbildung vorgelegt. Schließlich mache die rasche technologische Weiterentwicklung ein permanentes Lernen unumgänglich, so der Tenor der Veranstaltung.

Hermann Haslauer, Chefverhandler der Arbeitgeberseite deponierte in seinem Einstiegsstatement die Wichtigkeit der Weiterbildung , forderte aber auch ein, dass Weiterbildung nicht eine alleinige Bringschuld des Arbeitgebers sein könne. Lebenslanges Lernen wird nicht zum Selbstzweck sondern zur Steigerung des persönlichen Marktwertes eingesetzt werden können. Es muss daher ein verbessertes Umfeld für ein verstärktes Bildungsbewusstsein geschaffen werden, "da sind", so Haslauer, " auch die öffentlich rechtlichen Medien gefordert". Das Beheben von Defiziten in der Schulausbildung sieht er ebenfalls als eine wichtige Forderung an die Politik, um für die Zukunft besser gerüstet zu sein. Die Politik forderte er auf neue kreative Förderungsmaßnahmen zu konzipieren, "denn eine weitere Erhöhung der Arbeitskosten ist für unsere Betriebe nicht verkraftbar", ergänzt Haslauer.

Rudolf Nürnberger, Vorsitzender der Gewerkschaft Metall - Textil, bekräftigte die Wichtigkeit sowohl einer fundierten Erstausbildung als auch des so genannten lebenslangen Lernens: "Wir brauchen eine breite Erstausbildung, gleichzeitig auch Spezialisierung und hohe Durchlässigkeit zwischen den Berufen. Wir müssen die Ausbildung in neuen Technologien forcieren. Und wir brauchen die ständige Weiterentwicklung der Lehrberufe. Seit 1997 haben wir gemeinsam mit Arbeitgebervertretern 40 Berufe neu entwickelt bzw. modernisiert!." Nürnberger forderte auch die gerechte Teilung der Ausbildungskosten unter allen ein, als positives Beispiel dafür nannten er den Berufsausbildungsfonds der Vorarlberger Metallindustrie. In der Erwachsenenbildung ortet Nürnberger noch große Defizite: "Die in Österreich für Erwachsenenbildung aufgewendeten Mittel aus öffentlicher Hand sind um ein vielfaches kleiner sind als in anderen vergleichbaren Industriestaaten wie Dänemark, Schweden oder Norwegen. Wir haben derzeit ein großes Ungleichgewicht: Von leitenden Angestellten nahmen 1999 57% an Weiterbildungsmaßnahmen teil, bei Hilfsarbeitern nur 18% und bei Facharbeitern nur 17%. Das beweist, dass man sich die verschiedenen Finanzierungsformen und Förderungen genauer ansehen und hier und da wahrscheinlich überdenken und anpassen muss. Denn es darf niemand aus finanziellen Gründen von Weiterbildung ausgeschlossen werden." Neben der Finanzierung seien auch ein flächendeckendes Angebot sowie die betrieblichen Voraussetzungen zu schaffen.

WKÖ-Präsident Christoph Leitl verwies in seinen Eröffnungsworten darauf, dass die stärke der Sozialpartner darin liege "Zukunftsfragen" zu lösen: "Wer sonst, wenn nicht wir Sozialpartner können wesentliche Impulse geben?" Neben grundsätzlichen Fragen der Aus- und Weiterbildung müsse für die Sozialpartnerschaft im Vordergrund stehen, die Lehrlingsausbildung so attraktiv zu machen, dass daraus auch der Fachkräftebedarf abgedeckt werden könne. Eine seriöse Berufsinformation, ein abchecken der Möglichkeiten seien eine Bringschuld der Sozialpartner, so Leitl. In diesem Zusammenhang müsse man auch nach den Gründen einer verminderten Weiterbildungsquote in der zweiten Berufshälfte fragen. Während 85 Prozent der sich Weiterbildenden aus der Altersgruppe der 20 bis 40-jährigen bestehe, würde nur 15 Prozent aus der Gruppe der 40 bis 60-jährigen stammen. Auf der Höhe der Zeit zu bleiben, sei aber für alle Mitarbeiter entscheidend, nicht nur um wettbewerbsfähig zu bleiben, sondern auch damit sich die Mitarbeiter weiterhin mit ihrem Unternehmen identifizierten.

DI Dr. Jörg Markowitsch, 3s Unternehmensberatung, stellte in seinem Vortrag die aktuelle Entwicklung und die Bedürfnisse im Sektor Aus-und Weiterbildung für die weitere Zukunft dar. Die Berufsstruktur sieht Markowitsch in den Eisen-Metall Branchen relativ stabil, allerdings mit einer klaren Tendenz zu höherqualifizierten Berufen. Eine Aufwertung der Lehre wie auch der Fachhochschulen sieht er als notwendig. Eine Studie zeigt auf, dass derzeit die Teilnahme an internen Weiterbildungskursen im internationalen Vergleich relativ gering ist und daher geeignete Konzepte erarbeitet werden müssen, um dieses Manko zu beseitigen. Allerdings sollte die Freiwilligkeit gefördert werden, "denn Zwang hat noch nie zu einem effizienten Ergebnis geführt" ergänzt Haslauer.

Im Rahmen der Enquete wurden verschiedene Konzepte von Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen präsentiert und eine Podiumsdiskussion mit Vertretern aus der Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite durchgeführt.

Die Arbeitnehmer- wie auch Arbeitgeberseite waren sich einig, dass allein die demoskopischen Faktoren immer größere Anforderungen an alle stellen werden. Wenn immer weniger Menschen im Arbeitsprozess stehen, müssen diese, um den technologischen Herausforderungen gewachsen zu sein, immer besser ausgebildet sein. (us)

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