- 03.06.2002, 11:04:41
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Schule in Wien: Gestern - Heute - Morgen=
Stadtschulrat für Wien feiert 80. Geburtstag
Wien, (OTS) "80 Jahre Wiener Stadtschulrat heißt mehr, als den
Geburtstag einer Behörde zu feiern. Es ist auch ein guter Anlass,
sich folgendes vor Augen zu führen: Der Stadtschulrat war und ist
seit acht Jahrzehnten einer der Motoren pädagogischen Fortschritts in
Österreich”, stellte die Amtsführende Präsidentin des Stadtschulrates
für Wien Susanne Brandsteidl am Montag im Rahmen der Pressekonferenz
"Schule in Wien: Gestern - Heute - Morgen" fest.
Ein kurzer historischer Rückblick: Als Wien 1922 endgültig von
Niederösterreich getrennt wurde, musste eine neue Schulbehörde
geschaffen werden. Hierfür wurde der bereits bestehende
Gemeindeschulrat mit dem gesetzlich vorgesehenen Landesschulrat
zusammengelegt und so der Wiener Stadtschulrat gegründet. Dessen
erster Leiter war Otto Glöckel, der mit seinem umfassenden
pädagogischen Reformkonzept die Schulpolitik Wiens (und Österreichs)
in der 1. Republik entscheidend prägte.
Wien macht Schule
Brandsteidl: "Damals wie heute lässt sich ohne falschem Stolz
und mit Fug und Recht behaupten: Wien macht Schule! Der Wiener
Stadtschulrat hat in seiner Geschichte niemals nur verwaltet, sondern
seine Tätigkeit immer auch als Auftrag zu sinnvollen Reformen im
Interesse von Schülern und Eltern, sowie im Geiste einer zeitgemäßen
Pädagogik verstanden.”
Als Spezifikum Wiener Schulpolitik bezeichnete Brandsteidl
weiter, dass "Wien nun einmal die einzige Metropole, die einzige
Millionenstadt Österreichs ist. Unter diesen urbanen Bedingungen
haben sich historisch wie heute andere Herausforderungen, Chancen und
auch Probleme als in ländlichen Regionen gestellt. Die Wiener
Schulpolitik war sich dieser Herausforderung stets bewusst und hat
beispielgebend die richtigen Akzente gesetzt.”
Wien ist anders - Stadtschulrat als Vorreiter
Als Beispiele aus Vergangenheit und Gegenwart nannte sie die
Glöckelsche Schulreform, den massiven Schulneubau, die Senkung der
Klassenschülerhöchstzahlen, ein ausgeklügeltes Fördersystem, in den
vergangenen Jahrezehnten immer mehr auch den gewaltigen Beitrag zur
schulischen Integration von Kindern nicht-deutscher Muttersprache und
das flächendeckende Angebot an ganztägigen Schulformen.
Ein Beispiel aus der "allerjüngsten Vergangenheit" führte
Brandsteidl auch an: Die Ausstattung der Wiener Pflichtschulen mit
Computern und Internetanschlüssen. "Hier hat sich erneut gezeigt,
dass Wien ‚anders’ ist. Während in den Bundesschulen, die
technologische Aufrüstung nur schleppend und oft auf Kosten der
Eltern vorankommt, stehen in Wiens Volksschulen jeder Klasse zwei
Computer plus Internet zur Verfügung. Auch das zeigt: Wo Wien
schulpolitisch die Verantwortung trägt, da werden den Schülern
optimale Voraussetzungen geboten."
Vielfalt und "die richtige Schule für jedes Kind"
Brandsteidl: "Die wahre Stärke des Wiener Schulwesens ist aber
seine Vielfalt: In 847 schulischen Einrichtungen und 644 Schulen gibt
es ein derart breit gefächertes Angebot, dass der Satz "Für jedes
Kindes gibt es die richtige Schule” für Wien absolut stimmt.” Ihr
Ziel, so Brandsteidl, sei es, diese Vielfalt zu erweitern: "So wie
nicht alle fast 200.000 Wiener Schüler gleich sind und die selben
Bedürfnisse haben, so ist es umgekehrt Aufgabe des Schulwesens, diese
individuelle Förderung aller Schüler zu ermöglichen.”
Wohl sei dieses Bemühen um Vielfalt und ein optimales
pädagogisches Angebot unter den Bedingungen eines "budgetären
Korsetts” der Bundesregierung klar erschwert, doch gebe es keine
Alternative dazu: "Wenn heute ein freiheitlicher Politiker die
Abschaffung der Matura aus Kostengründen erwägt, dann sage ich dazu
ganz klar: Bei dieser Diskussion machen wir nicht mit - und wir
wissen dabei die Schüler, Eltern und Lehrer, aber auch die Wirtschaft
und große Teile der Gesellschaft hinter uns.”
Neue Schwerpunkte setzen
"Es ist dringend an der Zeit, wieder über Pädagogik zu reden.
Wir dürfen nicht eine gesamte Generation von Schülern im Stich
lassen, nur weil der Finanzminister vom Nulldefizit träumt.” Als ihre
schulpolitischen Schwerpunkte bezeichnete Brandsteidl unter anderem:
o Internationalität und Bilingualität: "Schule muss Grenzen -
auch jene in unseren Köpfen - überwinden. Unser Ziel muss es
sein, dass alle Kinder bereits ab der 1. Klasse Volksschule in
Englisch unterrichtet werden. Konkret werden wir in Wien
deshalb sowohl bilinguale Schulformen als auch Konzepte wie die
‘Global Education Primary School’ weiter forcieren.
Hintergrund: In einer Welt, die sich immer stärker vernetzt und
internationalisiert, ist es unumgänglich, die
Fremdsprachenkompetenz unserer Schüler zu verbessern. Dazu
gehört aber auch, dass wir uns unseres geographischen Standorts
bewusster werden. Daher gilt es, die Möglichkeiten für den
schulischen Erwerb der Sprachen der mittel- und osteuropäischen
Beitrittskandidaten zur Europäischen Union zu verbessern. Auch
ist dies ein wichtiger Beitrag für die wirtschaftliche
Entwicklung Wiens als Metropole Zentraleuropas.”
o Begabungsförderung: "Hier ist Wien bereits jetzt österreichweit
Vorreiter. Mit dem im Herbst startenden
Begabungsförderungszentrum sollen künftig noch besser als
bisher die individuellen Fähigkeit und Begabungen unserer
Schüler gefördert werden. Das Motto dabei: ‘Jedes Kind hat
Begabungen, die es zu fördern gilt’. In diesem Sinne bleibt die
Wiener Schulpolitik auch ihrem Grundsatz treu, unabhängig von
Herkunft, Geschlecht und sozialem Status alle Kinder zu
fördern.”
o Flexibilität und Individualität: "Unsere Gesellschaft ist
geprägt von Individualität und Flexibilität. Die Schule hat
hier für eine sinnvolle Entsprechung zu sorgen. So gilt es, den
Unterrichts- und Fächerkanon kritisch zu hinterfragen und
stärker auf die Neigungen der Schüler Rücksicht zu nehmen. Ein
Schwerpunkt muss daher die Stärkung von Kooperationen zwischen
den Schulformen sowie eine mutige Reform der Oberstufe sein.
Seitens der Bundesregierung mangelt es hierbei bislang an jenem
Mut. Wien wird jedoch - unabhängig davon - alle legistischen
Möglichkeiten nutzen, um zu einer Stärkung individueller
Schwerpunktsetzung und eigenverantwortlichen Lernens in der
Schule beizutragen.”
Ab Herbst Schülerombudsmann
Weitere Schwerpunkte sieht Brandsteidl u.a. in der verstärkten
Ausbildung von Mädchen in technischen Berufen, der Fortsetzung der
Technologieoffensive und der engeren Kooperation von Wiens Schulen
mit der Wirtschaft. Auch kündigte sie an, im Herbst einen
Schülerombudsmann im Stadtschulrat einzurichten, um damit den
Servicecharakter der Wiener Schulbehörde weiter zu verstärken.
Brandsteidl abschließend: "Ich denke, die Wiener dürfen stolz
auf ‘ihren’ Stadtschulrat sein. Wir haben in 80 Jahren viel
weitergebracht und verfügen heute über ein Schulwesen, um das uns
viele beneiden. Da aber besonders in der Schule ‘genug nie genug
ist’, verspreche ich, dass der Stadtschulrat auch künftig seinem
Grundsatz treu bleiben und - auch gegen Widerstände - für eine
positive Entwicklung des Wiener Schulwesens sorgen wird.”
Allgemeine Informationen:
o Stadtschulrat für Wien: http://www.wien.gv.at/ssr/index.htm
(Schluss) ssr
Rückfragehinweis: PID-Rathauskorrespondenz:
http://www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Medien- und Pressereferat des Stadtschulrates
Matias Meißner
Tel.: 525 25/77014
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