Csörgits zu Nachtarbeit: Gesundheit darf nicht auf der Strecke bleiben

Bartenstein soll sich der Verantwortung als Arbeitsminister bewusst werden

Wien (ÖGB). Die Neuregelung der Nachtarbeit müsse dazu genützt werden, die Belastungen für die NachtarbeiterInnen - für Frauen und für Männer - bestmöglich zu kompensieren, fordert ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits. "Der vorliegende Begutachtungsentwurf trägt dem nicht Rechnung", kritisiert Csörgits. Sogar das Sozialministerium warne in seiner Stellungnahme davor, die Gesundheit der ArbeitnehmerInnen den Interessen der Wirtschaft unterzuordnen, doch der für den Gesetzesentwurf zuständige Minister Bartenstein vergesse offensichtlich wieder einmal, dass er nicht nur Wirtschafts-, sondern auch Arbeitsminister sei. Hauptkritikpunkt des ÖGB: Im Gesetzesentwurf ist kein verpflichtender Zeitausgleich für die NachtarbeiterInnen vorgesehen.++++

"Medizinische Untersuchungen belegen, dass Nachtarbeit 160 Prozent der Tages-Leistung erfordert. Viele NachtarbeiterInnen haben Schlafstörungen und Erkrankungen des Verdauungsapparates", sagt Csörgits. Bei vieljähriger Nachtarbeit sei zudem ein deutlich höheres Auftreten von chronischen Erkrankungen, insbesondere im Herz-Kreislauf-Bereich festzustellen. Bei nachtarbeitenden Frauen komme dazu, dass sie sich am Tag oft dem Haushalt und der Betreuung der Kinder widmeten, und so die gesundheitliche Belastung noch verschärft würde. "Die gesundheitliche Beeinträchtigung von NachtarbeiterInnen ist durch Studien und Umfragen belegt. Ebenso die Tatsache, dass Nachtarbeit für das Familienleben große Einschränkungen bringt. Wir brauchen deshalb besondere Schutzmaßnahmen für die Betroffenen", erklärt Csörgits.

Konkret fordert der ÖGB für jede Stunde Nachtarbeit gesetzlich fixiert ein Zeitguthaben von mindestens zehn Prozent, das der Erholung dient und nicht in Geld abgelöst werden kann. Im Gesetzesentwurf ist das nicht vorgesehen, ebenso wenig der vom ÖGB geforderte Anspruch auf einen Tagesarbeitsplatz bei Versorgung von pflegebedürftigen nahen Angehörigen oder die Sicherstellung des Transports vom und zum Arbeitsplatz und die Bereitstellung von warmen Speisen für die NachtarbeiterInnen.

Csörgits: "Die Wirtschaft lehnt diese Maßnahmen als zu teuer ab -und Minister Bartenstein ist der Argumentation der Wirtschaft 'brav' gefolgt. Der Großteil unserer Forderungen ist im Gesetzesentwurf nicht wiederzufinden - dafür ist dort zu lesen, dass der Entwurf kaum über die Mindestbestimmungen der EU hinausgeht, 'um die Wirtschaft nicht mit zusätzlichen Kosten zu belasten.' Und was ist mit der Gesundheit der ArbeitnehmerInnen, die ist so ohne weiteres belastbar?", kann man da nur den zuständigen "Arbeitsminister" fragen.(mfr)

ÖGB, 26. Mai 2002 Nr.473

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