ÖGB-Frauen gegen einseitige Antworten der FPÖ auf Gewalttaten Jugendlicher

Frauen sind nicht die Sündenböcke der Nation

Wien (ÖGB). Bundesminister Wolfgang Schüssel sprach sich bei der gestrigen Enquete zum Thema Gewalt von Jugendlichen gegen 'schnelle Antworten' und Schuldzuweisungen aus. Vizekanzlerin Riess-Passer war freilich nicht zu bremsen. Ihre Aussagen vom Rückgang der Zuwendung und Aufmerksamkeit, die die Kinder heute im Vergleich zu den 60er Jahren erhielten, kamen einer Zuweisung der Schuld an die berufstätigen Mütter gleich. "Wir ÖGB-Frauen verwehren uns entschieden gegen diese allzu simple Argumentation. Stattdessen soll die Regierung endlich Maßnahmen zur familienfreundlichen Ausgestaltung der Arbeitswelt setzen und aktiv etwas gegen die Jugendarbeitslosigkeit unternehmen", sagt ÖGB-Frauensekretärin Sylvia Ledwinka.++++

Statistische Untersuchungen würden belegen, dass Kinder gegenüber 1960 zehn bis zwölf Stunden weniger an Zuwendung und Aufmerksamkeit pro Woche erfahren würden, heißt es in der gestrigen Aussendung der Vizekanzlerin - ein paar Zeilen später wird auf die Gefahren für die Jugendlichen - Alkohol- und Drogenkonsum, sowie Gewalttätigkeit -hingewiesen. "Plumper kann man die Ideologie 'nur eine Mutter, die zu Hause bleibt, ist eine gute Mutter' wohl nicht rüberbringen. Die jungen Frauen wollen beides - Beruf und Familie, und das ist ihr gutes Recht", so Ledwinka weiter. Nötig seien deshalb verbindliche Maßnahmen zur familiengerechten Ausgestaltung der Arbeitswelt, wie ein Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes für Mütter und für Väter. Massiven Handlungsbedarf gibt es auch beim flächendeckenden Ausbau von qualitativ hochwertigen Kinderbetreuungseinrichtungen. Die ÖGB-Frauen fordern dafür die Bereitstellung von Bundesmittel.

Gar nicht eingegangen ist Riess-Passer in ihrer Aussendung auf ein Hauptproblem der Jugendlichen, die massive Arbeitslosigkeit. "Wenn man sich anschaut, was die Regierung tut, bzw. was sie alles nicht tut, wenn es um eine aktive Bekämpfung der Arbeitslosigkeit bei den Mädchen und Burschen geht, wundert das freilich nicht", stellt Ledwinka fest. "Tausende Jugendliche stehen ohne Lehrstelle auf der Straße, dennoch gibt es keine Stiftungen zur Qualifizierung der Jugendlichen mehr, noch ist die Regierung bereit, einen gerechten Finanzierungsausgleich zwischen ausbildenden Betrieben und jenen, die sich davor drücken, einzuführen", kritisiert die ÖGB-Bundesfrauensekretärin. "Diese Probleme heißt es anzugehen, wenn man den Jugendlichen - und ihren Eltern - wirklich weiterhelfen will", so Ledwinka abschließend. (mfr)

ÖGB, 14. Mai 2002
Nr. 436

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