Bartenstein: Arbeitsmarktlage Ende April 2002 - Leichtes Beschäftigungswachstum gegenüber dem Vormonat

Wien (BMWA/OTS) - Ende April 2002 lag die Zahl der unselbstständig Beschäftigten (ohne geringfügige Beschäftigungsverhältnisse) mit 3.128.691 (Männer: 1.727.796; Frauen: 1.400.895) um -1.410 (-0,05 %) unter dem Vorjahreswert. Als Gründe dafür sind das Ende der Wintertourismussaison mit starken Beschäftigungszuwächsen und der signifikante Rückgang der Beschäftigten in der Bundeshauptstadt Wien (- 12.033) zu nennen. Gegenüber dem Vormonat war jedoch mit + 6.438 (+ 0,21 %) ein leichtes Beschäftigungswachstum zu verzeichnen. Gleichzeitig waren in Österreich Ende April 231.167 Personen als arbeitslos vorgemerkt, das ist gegenüber Ende April des Vorjahres ein Anstieg um 20,8% oder +39.776 Personen. Die Zunahme der Arbeitslosigkeit bei Inländern beträgt +31.970 oder +19,7%, die Ausländerarbeitslosigkeit steigt mit +7.806 oder +26,8% nach wie vor überdurchschnittlich an. Geschlechtsspezifisch differenziert zeigt sich, dass die Frauenarbeitslosigkeit mit +15.471 (+17,5%) weiterhin geringer zunimmt als jene der Männer (+24.305; +23,6). ****

International gesehen hat Österreich nach wie vor eine sehr günstige Position. Für den März 2002 (letzt verfügbarer Wert) weist EUROSTAT für Österreich eine Arbeitslosenquote von 4,0% aus. Damit liegt die Quote nach wie vor deutlich unter dem EU-Durchschnitt von 7,6%. Lediglich die Niederlande mit 2,4% (Wert für Februar) und Luxemburg mit 2,6% weisen eine niedrigere Quote als Österreich auf.

Darüber hinaus zeigten sich Ende April am Arbeitsmarkt folgende Tendenzen:

Arbeitslosendauer

Die durchschnittliche Dauer einer Arbeitslosigkeitsepisode lag im April 2002 wie im April des Vorjahres bei 114 Tagen. Im April 2000 hatte die Verweildauer in Arbeitslosigkeit noch 121 Tage und im April 1999 sogar noch 133 Tage betragen.

Langzeitarbeitslosigkeit

Ende April waren 13.003 Personen länger als ein Jahr vorgemerkt. Damit lag ihre Zahl nur leicht über dem Wert vom April 2001 (+1.468 bzw. +12,7%). Gegenüber April 2000 mit 21.785 Langzeitarbeitslosen hat sich dieser Wert fast halbiert.

Jugendliche Während die Arbeitslosigkeit der 15- bis 18-jährigen Jugendlichen mit 4.244 um 616 oder 17,0% nur unterdurchschnittlich anstieg, entfiel der überwiegende Teil der Zunahme auf die 19- bis 24-Jährigen (+7.136 bzw. +28,8% auf 31.941 Ende April).

Im internationalen Vergleich der Jugendarbeitslosigkeit liegt Österreich mit 6,6% (Wert für März) an 2. Stelle. Die Jugendarbeitslosenquote im EU-Durchschnitt beträgt 15,5%. Österreich weist nach den Niederlanden (5,2% für Februar) nach wie vor die zweitniedrigste Jugendarbeitslosenquote in der Gemeinschaft aus, gefolgt von Irland (8,1%), Dänemark (8,2%) und Luxemburg (8,4%).

Lehrstellenmarkt

Die Zahl der sofort verfügbaren Lehrstellensuchenden ist Ende April mit 3.239 gegenüber dem Vorjahr gestiegen (+811 oder +33,4%), zugleich ist die Zahl der gemeldeten offenen Lehrstellen leicht rückläufig: 2.793 (-179 oder -6,0%). In der Folge liegt die Lehrstellenandrangsziffer derzeit bei 1,2. Die Lehrstellenlücke beträgt 446. Für Lehrstellensuchende, die keinen Lehrplatz finden, stehen im Rahmen des Jugendausbildungssicherungsgesetzes (JASG) insgesamt 15,6 Mio. Euro) zur Verfügung, womit beinahe 2.000 Lehrgangsplätze gesichert werden können.

Zunahme der Altersarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit der über 50-Jährigen stieg ebenfalls an, und zwar - geringfügig abgeschwächt - um 6.908 (+16,6%) auf 48.506. Während die Zahl der 50- bis 54-Jährigen mit +2.200 (+9,5%) nach wie vor deutlich unterdurchschnittlich und jene der 55- bis 59-Jährigen (+3.184 bzw. +20,1%) noch leicht unter dem Durchschnitt zunahm, stand dem ein - relativ betrachtet - kräftiger Anstieg bei den über 60-Jährigen gegenüber (+1.524 oder +60,5% auf 4.042). Dieser ist neben demographischen Faktoren auf die geänderten Zugangsbestimmungen in die vorzeitige Alterspension und den entsprechenden Begleitmaßnahmen im Arbeitslosenversicherungsgesetz zurückzuführen.

Entwicklung nach Branchen

Generell zeigte sich zunächst auch Ende April in fast allen Branchen eine steigende Arbeitslosigkeit. Leicht erhöht hat sich die Zunahme der Arbeitslosigkeit im Fremdenverkehr (+5.464 bzw. +14,3% auf 43.611). Dies ist typischerweise eine Auswirkung des kräftigen Anstiegs der Beschäftigung im Fremdenverkehr nach dem Ende der Wintersaison. Die Sachgütererzeugung leidet zuletzt noch an der Konjunkturschwäche der Haupthandelspartner. Hohe Zuwächse von Export und Sachgütererzeugung werden vom WIFO erst für 2003 erwartet. Vor diesem Hintergrund stieg die Arbeitslosigkeit in der Sachgütererzeugung mit +8.185 bzw. +25,0% überdurchschnittlich an. Deutliche Zuwächse verzeichneten überdies eine Reihe von Branchen des Dienstleistungsbereiches. So nahm die Arbeitslosigkeit vor allem im Bereich Handel/Instandhaltung (+6.950; +20,6%) zu, aber ebenso bei den unternehmensbezogenen Dienstleistungen (+3.000; +27,5%), bei "sonstigen öffentlichen und persönlichen Dienstleistungen" (+2.295; +27,1%) sowie im Bereich Verkehr/Nachrichtenübermittlung (+1.392; +18,6%).

Entwicklung in den Bundesländern

Die Arbeitslosigkeit steigt derzeit in allen neun Bundesländern. Wenngleich sich der Anstieg in Wien etwas verringert hat, resultiert noch immer fast die Hälfte der Zunahme aus dem Wiener Arbeitsmarkt :+17.147 bzw. +29,3%. Prozentuell betrachtet fiel die Zunahme in Vorarlberg (+1.852; +29,4%) etwas stärker als in Wien aus; gefolgt von Oberösterreich (+4.568; +23,3%) und Salzburg (+2.427; +22,7%). Demgegenüber war in den Bundesländern Niederösterreich (+4.697; +15,9%), Steiermark (+4.358; +15,6%), dem Burgenland (+786; +13,6%) und Kärnten (+1.588 oder +10,4%) ein unterdurchschnittlicher Anstieg zu beobachten. In Tirol war Ende März noch eine leichte Abnahme festzustellen, nunmehr ist auch in diesem Bundesland eine steigende Arbeitslosigkeit zu beobachten (+2.353; +13,2%;. primär Ausdruck der gestiegenen Arbeitslosigkeit im Fremdenverkehr nach einer Wintersaison mit starken Beschäftigungszuwächsen).

Arbeitslosigkeit nach Ausbildungskategorien

In allen Ausbildungskategorien sind Zunahmen der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Von der Anzahl her gab es die stärksten Zunahmen der Arbeitslosigkeit bei Personen mit Pflichtschulabschluss (+15.019 oder +18,5% auf 96.395). Auch bei Personen mit Lehrabschluss zeigte sich nach wie vor ein merklicher Anstieg (+13.333 oder +18,7% auf 84.509). Bei arbeitslosen Personen, die über keine abgeschlossene Schulausbildung verfügen (9.594), erhöhte sich der Bestand im Vergleich zum Vorjahr um 1.818 oder 23,4%. Auf diese drei Ausbildungskategorien entfielen rund 82% des (Gesamt-) Bestandes an Arbeitslosen und mehr als drei Viertel des Gesamtanstieges der Arbeitslosigkeit.

Schulungen des Arbeitsmarktservice

Anders als im März war Ende April auf Bundesebene wieder eine Zunahme der Schulungsaktivitäten zu beobachten. Ende April betrug die Zahl der in Schulung befindlichen Personen 35.157, ihre Zahl lag damit um 1.752 (+5,2%) über dem Vorjahreswert. Mit Ausnahme von Wien expandierten die Schulungsaktivitäten in allen anderen Bundesländern (größtenteils sogar beschleunigt). In Wien hat sich der Rückgang vom März (-4.724) zwar verringert, die Schulungsaktivitäten liegen aber noch unter dem Vorjahresniveau (-3.089; -26,6%). Die Schulungsteilnehmer rekrutierten sich schwerpunktmäßig nach wie vor aus den Berufsgruppen Büroberufe (7.082), Handel (4.538), Hilfsberufe (4.291) sowie Metall-/Elektroberufe (4.257) (zusammen rund 57% aller in Schulung befindlichen Personen).

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ingrid.nemec@bmwa.gv.atBundesministerium für Wirtschaft und Arbeit
Ministerbüro: Dr. Ingrid Nemec, Tel: (++43-1) 71100-5108

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