"Kleine Zeitung"-Kommentar: "Am Heldenplatz" (Von Hubert Patterer)

Ausgabe vom 3. Mai 2002

Graz (OTS) - Seit Jahren trifft sich am 8. Mai am Rande des
Wiener Heldenplatzes ein Grüppchen dekorierter, colorierter Leute, um der Kriegsgefallenen zu gedenken. Die Feiern waren weder neo noch wahnsinnig faschistisch, sondern eher ein Ärgernis. Zum einen, weil in der Erinnerung nur Platz für die Soldaten war, aber keiner für die Millionen Opfer der NS-Blutherrschaft. Zum anderen, weil die Veranstalter - freiheitliche Korporationen - den 8. Mai zum "Tag der Trauer" ausriefen. Und da wurde das Trauern politisch.

Am 8. Mai 1945 ergab sich Nazi-Deutschland. Jeder, dessen Geschichtsbild halbwegs im Lot ist, verbindet das Datum mit Erlösung. Wer vom Tag der Trauer, oder wie der FPÖ-Abgeordnete Jung, von "totaler Niederlage" spricht, bedauert, dass der Schrecken ein Ende fand.

Jetzt konnte man diese Mai-Feier als Manifestation der Unbelehrbarkeit abtun, die kaum Beachtung fand. Das war aus hygienischer Sicht erfreulich. Man blieb unter sich. Heuer ist alles anders.

Die SPÖ fordert vom Innenminister, was sie von ihren nie forderte:
ein Demoverbot. Sie droht mit Gegendemos. Es wird ideologischen Gegenverkehr geben am Heldenplatz und viel Polizei. Nur die Verblendeten freuen sich: Erstmals ganz groß im Bild. ****

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