Österreichische Gesellschaft für Ernährung - Thema des Monats Mai 2002: Säure-Basen-Haushalt und Ernährung

Wien (OTS) - Die Frage eines möglichen Einflusses der Ernährung auf den Säure-Basen-Haushalt des Organismus beschäftigt die Ernährungswissenschaft und Medizin schon seit langer Zeit, hat aber in der letzten Zeit noch an Aktualität gewonnen, was sich z.B. in der Werbung für die Zufuhr von Basenpulvern manifestiert.

Für die Beurteilung der Sinnhaftigkeit einer solchen Maßnahme erscheinen Kenntnisse des Säure-Basen-Haushaltes und seiner Regulation unabdingbar. Der menschliche Organismus ist in der Tat täglich mit wechselnden Mengen an Säuren und Basen konfrontiert, die aus verschiedenen Quellen stammen. So wird etwa im Rahmen der Atmungstätigkeit ständig Kohlensäure gebildet und über die Lunge eliminiert, mit dem Stuhl gehen Basen verloren und Säuren sowie Basen werden einerseits im Stoffwechsel produziert aber auch mit der Nahrung zugeführt.

Es ist also festzuhalten, dass durch die Nahrung nur ein bestimmter Teil an Säuren, aber auch Basen in den Organismus gelangt, was die Bedeutung der Nahrung für den Säure-Basen-Haushalt relativiert. Der Organismus verfügt über verschiedene Regulationsmechanismen, wobei vor allem die Niere und die Leber in der Lage sind auf eine veränderte Zufuhr oder Produktion von Säuren und Basen zu reagieren. Die derzeit so häufig behauptete Übersäuerung durch die Ernährung ist wissenschaftlich nicht klar gesichert und missachtet vor allem die Tatsache des Vorhandenseins dieser wirkungsstarken Regulationsmechanismen.
Bei einer Ernährung, die den ernährungswissenschaftlichen Erkenntnissen folgt, erscheint die Sinnhaftigkeit der Zufuhr von Basenpulvern zweifelhaft. Die möglichen gesundheitsabträglichen Auswirkungen einer unzweckmäßigen Ernährung sollten jedoch nicht unter Beibehaltung dieser ungünstigen Ernährungsweisen durch Basenpulver korrigiert, sondern sollten durch eine allgemeine Ernährungsumstellung bekämpft werden.

Autor: Ao. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Marktl, Institut für Physiologie der Universität Wien.

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