• 30.04.2002, 13:40:58
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Hoch dosierte und häufigere Interferon-Gabe hält MS-Patienten länger schubfrei

Erfurt (OTS) - Entscheidend für die Wirksamkeit der Behandlung der
Multiplen Sklerose (MS) mit Interferon beta 1 a ist nicht nur die
Dosis, sondern vor allem auch die Häufigkeit ihrer Gabe. So konnten
bereits die Ergebnisse der EVIDENCE-Studie bei 677 Patienten mit
schubförmiger MS über eine Studiendauer von 24 Wochen zeigen, dass
eine hoch dosierte, dreimal wöchentliche Interferon-Gabe einer
geringeren Dosierung mit einmal wöchentlicher Gabe deutlich überlegen
ist. Wie Dr. Nilufar Heydari vom Institut für Klinische
Neuroimmunologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München auf
der Jahrestagung der Österreichischen Gesellschaft für Neurologie
(ÖGN) in Gmunden, Österreich, erklärte, konnte dieser positive Effekt
auch über eine Nachbeobachtungsphase von weiteren 24 Wochen aufrecht
erhalten werden.

Die gerade erst veröffentlichten Daten der zweiten Studienphase
bis Woche 48 zeigten, dass 62 Prozent der Patienten unter der hoch
dosierten und höherfrequenten Therapie schubfrei blieben gegenüber 52
Prozent in der Vergleichsgruppe. Das Risiko, einen nächsten Schub zu
erleiden, sank um 30 Prozent, erläuterte Heydari. Die Neurologin
betonte, dass die Studienergebnisse wegen der geringen Abbruchquote
von nur sieben Prozent sehr aussagekräftig seien.

Für eine Beurteilung der Behinderungsprogression sei die
Studiendauer zwar zu kurz, um signifikante Unterschiede zu zeigen.
Aber auch bei den wenigen Patienten, die sich in der EDSS-Skala,
einem Instrument zur Messung des Behinderungsgrades, um einen Punkt
verschlechterten, zeigten sich in der nur knapp ein Jahr dauernden
Beobachtungsfrist tendenzielle Vorteile für die hoch dosierte und
häufigere Interferon-Gabe.

Ganz eindeutig - auch während der relativ kurzen Studiendauer -
waren indes die festgestellten Unterschiede hinsichtlich aktiver
Läsionen im Gehirn. In Untersuchungen mit der
Magnet-Resonanz-Tomographie (MRT) wurde eine 36 Prozent geringere
Aktivität von Läsionen bei den höher dosiert behandelten Patienten
gemessen. Zwar seien die genauen Zusammenhänge von Kernspinbefunden
und klinischem Status von Patienten derzeit noch nicht völlig
geklärt, so Heydari, doch sollte man davon ausgehen, dass einmal
verloren gegangenes Nervengewebe für immer verloren ist und dass jede
Rettung von neuronaler Substanz für die Patienten von Vorteil ist.

Dr. Karsten Beer von der Klinik für Neurologie am Kantonsspital
St. Gallen rechnete in diesem Zusammenhang vor, dass ein Patient
unter einer frühen, hoch dosierten und höherfrequenten
Interferon-Therapie durchschnittlich drei Jahre gewinnt, bevor eine
EDSS-Verschlechterung um einen Punkt eintritt. Theoretisch könnte man
somit eine drohende Immobilität (EDSS größer oder gleich 6) durch
sehr frühren Therapiebeginn bis zu 18 Jahre hinauszögern.

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ots Originaltext: wissenschaftlich-medizinische erkenntnisse (wme)

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