Maier: Eigenes Institut zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen in der Wissenschaft nötig

Wien (OTS) - Im Zusammenhang mit der heutigen Bestattungszeremonie für die sterblichen Überreste der Kinder vom Spiegelgrund erklärte der Vizepräsident der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft, Dr. Ferdinand Maier, dass dies "Grund genug ist, dass wir uns neuerlich und mit großer Demut für die im Namen der Wissenschaft verbrochenen Gräueln entschuldigen - gerade auch im Wissen der Unentschuldbarkeit dieser Verbrechen".

Vizepräsident Maier erinnerte an die Initiative und an den Appell der Boltzmann-Gesellschaft, zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den Bereichen Wissenschaft und Forschung in Österreich ein eigenes Institut zu implementieren. Aber nicht nur die generelle Rolle der Wissenschaft in diesem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte sollte nunmehr im Detail beleuchtet werden. Ebenso jene Verbrechen, die am Spiegelgrund geschehen seien. Deren Aufarbeitung sei ebenso noch längst nicht erfolgt. Die Ludwig Boltzmann-Gesellschaft plädiere daher neuerlich für die Errichtung eines diesbezüglichen Institutes. An der Realisierung sollten sich möglichst alle gesellschaftlich relevanten Gruppen beteiligen - ebenso die Stadt Wien, der Bund und die Bundesländer.

Ein diesbezüglicher Antrag, so Dr. Maier, würde vom Vorstand der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft mit Sicherheit umgehend positiv behandelt. Unabhängig von solchen konkreten Schritten gelte es in einem permanenten Prozess jene Sensibilität aufrecht zu erhalten und zu vergrößern, die nie und nimmer Verbrechen an Menschen unter dem Deckmantel der Wissenschaft ermöglichen. Auch heute gebe es immer wieder aktuelle Anlässe, über ethische und moralische Aspekte in Forschung und Wissenschaft mit großer Ernsthaftigkeit zu sprechen und potentielle Gefahren aufzuzeigen. "Zu schmal ist oft der Grad zwischen wissenschaftlicher Rechtfertigung von Forschungsarbeiten und möglichen dramatischen Eingriffen in die menschliche Individualität", betonte Dr. Maier. Aus all diesen Gründen müsse man der ethischen Feinfühligkeit heute ebenso große Aufmerksamkeit schenken, wenn man an neue Möglichkeiten in der Wissenschaft denke, noch wesentlich größere als noch vor einigen Jahren. Ein eigenes Institut zur Aufarbeitung der Rolle der Wissenschaft in der NS-Zeit sei sozusagen die Basis dafür, dass neue moralische und ethische Standards in Wissenschaft und Forschung auf festem Boden stehen.

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