• 28.04.2002, 14:41:02
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  • OTS0051 OTW0051

Maier: Eigenes Institut zur Aufarbeitung von NS-Verbrechen in der Wissenschaft nötig

Wien (OTS) - Im Zusammenhang mit der heutigen Bestattungszeremonie
für die sterblichen Überreste der Kinder vom Spiegelgrund erklärte
der Vizepräsident der Ludwig Boltzmann-Gesellschaft, Dr. Ferdinand
Maier, dass dies "Grund genug ist, dass wir uns neuerlich und mit
großer Demut für die im Namen der Wissenschaft verbrochenen Gräueln
entschuldigen - gerade auch im Wissen der Unentschuldbarkeit dieser
Verbrechen".

Vizepräsident Maier erinnerte an die Initiative und an den Appell
der Boltzmann-Gesellschaft, zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen in den
Bereichen Wissenschaft und Forschung in Österreich ein eigenes
Institut zu implementieren. Aber nicht nur die generelle Rolle der
Wissenschaft in diesem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte sollte
nunmehr im Detail beleuchtet werden. Ebenso jene Verbrechen, die am
Spiegelgrund geschehen seien. Deren Aufarbeitung sei ebenso noch
längst nicht erfolgt. Die Ludwig Boltzmann-Gesellschaft plädiere
daher neuerlich für die Errichtung eines diesbezüglichen Institutes.
An der Realisierung sollten sich möglichst alle gesellschaftlich
relevanten Gruppen beteiligen - ebenso die Stadt Wien, der Bund und
die Bundesländer.

Ein diesbezüglicher Antrag, so Dr. Maier, würde vom Vorstand der
Ludwig Boltzmann-Gesellschaft mit Sicherheit umgehend positiv
behandelt. Unabhängig von solchen konkreten Schritten gelte es in
einem permanenten Prozess jene Sensibilität aufrecht zu erhalten und
zu vergrößern, die nie und nimmer Verbrechen an Menschen unter dem
Deckmantel der Wissenschaft ermöglichen. Auch heute gebe es immer
wieder aktuelle Anlässe, über ethische und moralische Aspekte in
Forschung und Wissenschaft mit großer Ernsthaftigkeit zu sprechen und
potentielle Gefahren aufzuzeigen. "Zu schmal ist oft der Grad
zwischen wissenschaftlicher Rechtfertigung von Forschungsarbeiten und
möglichen dramatischen Eingriffen in die menschliche Individualität",
betonte Dr. Maier. Aus all diesen Gründen müsse man der ethischen
Feinfühligkeit heute ebenso große Aufmerksamkeit schenken, wenn man
an neue Möglichkeiten in der Wissenschaft denke, noch wesentlich
größere als noch vor einigen Jahren. Ein eigenes Institut zur
Aufarbeitung der Rolle der Wissenschaft in der NS-Zeit sei sozusagen
die Basis dafür, dass neue moralische und ethische Standards in
Wissenschaft und Forschung auf festem Boden stehen.

Schluss

Rückfragehinweis:

Ludwig Boltzmann-Gesellschaft
Angelika Mayrhofer-Battlogg
Tel.: 0676/326 378 3

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NEF/NEF/OTS

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