Nationales Weinkomitee fordert Abschaffung der Schaumweinsteuer

Pleil: Produzenten von Sektgrundweinen gegenüber Prosecco-Herstellern benachteiligt

Wien, 26. April 2002 (AIZ). - Eine Abschaffung der Schaumweinsteuer in Österreich fordert das Nationale Weinkomitee (die Branchenorganisation der heimischen Weinwirtschaft). "Österreichischer Sekt, der fast ausschließlich aus heimischem Sektgrundwein erzeugt wird, verliert gegenüber Prosecco, einem italienischen Perlwein, ständig an Marktanteilen. Der größte Wettbewerbsnachteil dabei ist unsere Schaumweinsteuer, welche für Sekt abzuführen ist, nicht aber für Perlwein", erläutert der Vorsitzende des Komitees, Josef Pleil. "Dieser Marktanteilsverlust stellt für die betroffenen Sektgrundweinhersteller, die großteils aus benachteiligten Regionen (Weinviertel) kommen, einen großen wirtschaftlichen Schaden dar", so Pleil. Neben Österreich und Deutschland gebe es kein Weinbau treibendes Land, das eine Verbrauchssteuer in Form einer Schaumweinsteuer einhebt.

Steuerunterschied von EUR 1,21 pro Flasche

Für Schaumwein und Sekt (Qualitätsschaumwein) muss in Österreich eine eigene Steuer im Umfang von EUR 1,08 pro Standardflasche (0,75 Liter) abgeführt werden. Anders ist das bei Prosecco: Aus dieser italienischen Traubenart werden vorzugsweise "moussierende" Weine hergestellt und zwar in Form von Schaumwein ("Spumante") oder - viel häufiger - in Form von Perlwein ("Frizzante"), der einen geringeren Kohlensäure-Überdruck aufweist: Prosecco als Perlwein ist in Österreich nicht Schaumweinsteuer-pflichtig. Berücksichtigt man noch die Mehrwertsteuer, so macht der steuerliche Unterschied EUR 1,21 je Flasche aus.

Diese steuerliche Ungleichbehandlung hat dazu geführt, dass Prosecco-Weine in Form von Frizzante in den letzten Jahren in Österreich einen sehr hohen Zuwachs verzeichnen konnten. Im Jahr 2001 wurden knapp 9,8 Mio. Flaschen Prosecco im Inland konsumiert, 1996 waren es nur rund 3,4 Mio. Auf Grund des steuerlichen Vorteils kann dieser von Gastronomen und Einzelhändlern mit einem höheren Aufschlag verkauft werden und ist somit deutlich lukrativer als Schaumwein. Darüber hinaus hat Prosecco bei vielen Konsumenten das Image eines "light-Produktes", obwohl er einen nahezu gleich hohen Alkohol- und Kaloriengehalt wie Sekt aufweist. Geschmackliche Unterschiede zwischen Prosecco und Sekt sind für die Verbraucher kaum erkennbar.

Schaumweinsteuer-Aufkommen ohnehin sinkend

"Österreichische Winzer, die Grundwein für die Sekterzeugung produzieren, werden durch diese ungleiche Steuerbelastung erheblich benachteiligt", unterstreicht Pleil. Das Nationale Weinkomitee fordere daher, die Schaumweinsteuer so rasch wie möglich abzuschaffen. Für den Finanzminister hielte sich der damit verbundene Steuerausfall in Grenzen: Von Jänner bis November 2001 machte das Schaumweinsteuer-Aufkommen rund EUR 23 Mio. aus, das seien nur 0,05% der gesamten Steuereinnahmen. "Auf Grund der geschilderten Situation - Marktanteilsverluste bei Sekt - sind die Einnahmen durch die Schaumweinsteuer ohnehin sinkend", gibt Pleil zu bedenken.

Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung

Gleichzeitig könnte mit der Abschaffung der Schaumweinsteuer den Produzenten der Sektgrundweine massiv geholfen werden. Das Weinkomitee rechnet damit, dass diese Betriebe bei steuerlicher Chancengleichheit mit Prosecco diesen zu 75% substituieren und so einen Zusatzerlös von rund EUR 2 Mio. erzielen könnten. "Es handelt sich hier um etwa 3.000 Winzer, die überwiegend kleine Betriebe im Weinviertel bewirtschaften. In dieser strukturell nicht gerade bevorzugten Region wäre ein Beitrag zur Absicherung von Arbeitsplätzen wirklich notwendig", gibt Pleil zu bedenken.

Das Nationale Weinkomitee ist eine Branchenorganisation, die auf der Grundlage der EU-Weinmarktordnung gebildet wurde und in der Weinproduzenten ebenso vertreten sind wie der Handel. Die Mitglieder werden auf Grund der Branchenorganisationsverordnung vom Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und Wasserwirtschaft ernannt.
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