• 26.04.2002, 11:40:25
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Nationales Weinkomitee fordert Abschaffung der Schaumweinsteuer

Pleil: Produzenten von Sektgrundweinen gegenüber Prosecco- Herstellern benachteiligt

Wien, 26. April 2002 (AIZ). - Eine Abschaffung der Schaumweinsteuer
in Österreich fordert das Nationale Weinkomitee (die
Branchenorganisation der heimischen Weinwirtschaft).
"Österreichischer Sekt, der fast ausschließlich aus heimischem
Sektgrundwein erzeugt wird, verliert gegenüber Prosecco, einem
italienischen Perlwein, ständig an Marktanteilen. Der größte
Wettbewerbsnachteil dabei ist unsere Schaumweinsteuer, welche für
Sekt abzuführen ist, nicht aber für Perlwein", erläutert der
Vorsitzende des Komitees, Josef Pleil. "Dieser Marktanteilsverlust
stellt für die betroffenen Sektgrundweinhersteller, die großteils
aus benachteiligten Regionen (Weinviertel) kommen, einen großen
wirtschaftlichen Schaden dar", so Pleil. Neben Österreich und
Deutschland gebe es kein Weinbau treibendes Land, das eine
Verbrauchssteuer in Form einer Schaumweinsteuer einhebt.

Steuerunterschied von EUR 1,21 pro Flasche

Für Schaumwein und Sekt (Qualitätsschaumwein) muss in Österreich
eine eigene Steuer im Umfang von EUR 1,08 pro Standardflasche (0,75
Liter) abgeführt werden. Anders ist das bei Prosecco: Aus dieser
italienischen Traubenart werden vorzugsweise "moussierende" Weine
hergestellt und zwar in Form von Schaumwein ("Spumante") oder - viel
häufiger - in Form von Perlwein ("Frizzante"), der einen geringeren
Kohlensäure-Überdruck aufweist: Prosecco als Perlwein ist in
Österreich nicht Schaumweinsteuer-pflichtig. Berücksichtigt man noch
die Mehrwertsteuer, so macht der steuerliche Unterschied EUR 1,21 je
Flasche aus.

Diese steuerliche Ungleichbehandlung hat dazu geführt, dass Prosecco-
Weine in Form von Frizzante in den letzten Jahren in Österreich
einen sehr hohen Zuwachs verzeichnen konnten. Im Jahr 2001 wurden
knapp 9,8 Mio. Flaschen Prosecco im Inland konsumiert, 1996 waren es
nur rund 3,4 Mio. Auf Grund des steuerlichen Vorteils kann dieser
von Gastronomen und Einzelhändlern mit einem höheren Aufschlag
verkauft werden und ist somit deutlich lukrativer als Schaumwein.
Darüber hinaus hat Prosecco bei vielen Konsumenten das Image eines
"light-Produktes", obwohl er einen nahezu gleich hohen Alkohol- und
Kaloriengehalt wie Sekt aufweist. Geschmackliche Unterschiede
zwischen Prosecco und Sekt sind für die Verbraucher kaum erkennbar.

Schaumweinsteuer-Aufkommen ohnehin sinkend

"Österreichische Winzer, die Grundwein für die Sekterzeugung
produzieren, werden durch diese ungleiche Steuerbelastung erheblich
benachteiligt", unterstreicht Pleil. Das Nationale Weinkomitee
fordere daher, die Schaumweinsteuer so rasch wie möglich
abzuschaffen. Für den Finanzminister hielte sich der damit
verbundene Steuerausfall in Grenzen: Von Jänner bis November 2001
machte das Schaumweinsteuer-Aufkommen rund EUR 23 Mio. aus, das
seien nur 0,05% der gesamten Steuereinnahmen. "Auf Grund der
geschilderten Situation - Marktanteilsverluste bei Sekt - sind die
Einnahmen durch die Schaumweinsteuer ohnehin sinkend", gibt Pleil zu
bedenken.

Beitrag zur Arbeitsplatzsicherung

Gleichzeitig könnte mit der Abschaffung der Schaumweinsteuer den
Produzenten der Sektgrundweine massiv geholfen werden. Das
Weinkomitee rechnet damit, dass diese Betriebe bei steuerlicher
Chancengleichheit mit Prosecco diesen zu 75% substituieren und so
einen Zusatzerlös von rund EUR 2 Mio. erzielen könnten. "Es handelt
sich hier um etwa 3.000 Winzer, die überwiegend kleine Betriebe im
Weinviertel bewirtschaften. In dieser strukturell nicht gerade
bevorzugten Region wäre ein Beitrag zur Absicherung von
Arbeitsplätzen wirklich notwendig", gibt Pleil zu bedenken.

Das Nationale Weinkomitee ist eine Branchenorganisation, die auf der
Grundlage der EU-Weinmarktordnung gebildet wurde und in der
Weinproduzenten ebenso vertreten sind wie der Handel. Die Mitglieder
werden auf Grund der Branchenorganisationsverordnung vom
Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- und
Wasserwirtschaft ernannt.
(Schluss) kam

Rückfragehinweis: AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535-04-38

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | AIZ/AIZ

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