- 16.04.2002, 12:53:27
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Michael Genner: Rassenjustiz
Wien (OTS) - Es gibt kein Recht in diesem Land. Das Verbrechen
bleibt ungesühnt. Die kleinen Schergen, die die Tat ausführten,
kommen mit bedingten Strafen davon. Ihnen konnte "kein Vorsatz
nachgewiesen" werden, behauptet das Gericht. Sie werden weiter ihren
Dienst tun, lachend, reuelos, als wäre nichts geschehen. Ihre Anwälte
triumphieren: "ein 99-prozentiger Sieg!" Auch ihre Hintermänner, all
die Löschnaks und Schlögls, die Sikas und Matzkas laufen frei herum -
lebendige Symbole eines mörderischen Systems.
Wie viele tausende "Gast"-Arbeiter wurden durch die rassistischen
Gesetze der Neunzigerjahre um ihre Existenz gebracht? Wie vielen
Verfolgten verweigerte Österreich den vom Völkerrecht garantierten
Schutz? Der Mord an Marcus Omofuma war die Spitze des Eisbergs. Ein
Verbrechen besonderer Art, gerechtfertigt nun in einem unsagbar
zynischen Prozeß, der das Opfer als Angeklagten erscheinen ließ.
Wer war schon Marcus Omofuma? Ein Schwarzer. Ein Wilder, ein Tier.
Sogar gestöhnt hat er wie ein Tier, als sie ihm die Luft verklebten.
Und um sich geschlagen, die Beamten mussten sich fürchten vor ihm.
Sie handelten in "Notwehr". Er war selber schuld. Ein
Wirtschaftsflüchtling, Asylbetrüger. Er gehörte selbst vor Gericht,
wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, behauptete der F-Anwalt,
für den nach eigener Aussage "das Dritte Reich die Heimat" war - und
der "Richter" (bar jeder Kenntnis des Asylrechts) bekräftigt: Er
wehrte sich ja gegen einen "rechtskräftigen Abschiebungsbescheid".
Marcus Omofuma war ein fleißiger Arbeiter, der für seine Familie
sorgte, der den Seinen Anteil zu schaffen versuchte für kurze Zeit,
bescheidensten Anteil am Wohlstand der Festung Europa - einem
Wohlstand, der nicht zuletzt auf jahrhundertelanger Ausbeutung der
Dritten Welt beruht.
Marcus Omofuma mußte sterben. Für ihn gab und gibt es keine
Gerechtigkeit. Sein Tod dient einem klaren Zweck: der Abschreckung.
Dem abschreckenden Terror gegen die Habenichtse aus der Dritten Welt.
Der faktische Freispruch der Täter verfolgt das gleiche Ziel.
Tausende Menschen verschwinden in der Schubhaft Jahr für Jahr. Sie
haben nichts verbrochen. Ihr einziges "Delikt" ist eine
Verwaltungsübertretung: der illegale Aufenthalt. Hinter Gitter! Aber
wer einen Schwarzen zu Tode quält, verlässt das Gericht als freier
Mann.
Preisfrage an alle, die noch an den "Rechtsstaat" glauben: Was
würde drei Schwarzen geschehen, die einen österreichischen Polizisten
- einen, der sich auszeichnete durch besondere Brutalität, zum
Beispiel bei der berüchtigten Razzia in Traiskirchen vor zwei Jahren
- so knebelten, wie es Marcus Omofuma geschah? Welche Strafe würden
sie erhalten - selbst wenn der Mann nicht stürbe? Zwanzig Jahre?
Lebenslang?
Marcus Omofuma starb als Opfer eines rassistischen Systems. Wir
werden ihn nicht vergessen. Nicht ihn, und auch nicht die vielen
anderen, die der Festung Europa zum Opfer gefallen sind. Wir
vergessen auch die Schuldigen nicht. Unser Weg ist weit und mühevoll.
Wir geben nicht auf. Das Recht wird wieder gelten - auch in diesem
Land.
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