Oberösterreichische Nachrichten, Leitartikel "Nur wenn Israel akzeptiert wird 9 Die Allianz gegen den Terror könnte sich jetzt beweisen" von Hans Köppl

Mit Abscheu und Zorn verfolgt die Welt das Töten auf israelisch-palästinensischem Boden. Hört endlich auf damit, ist der Tenor aller politischen Demarchen. Unverzüglich, jetzt, nicht morgen, muss die israelische Armee mit dem Truppenabzug beginnen, verlangte am vergangenen Montag Außenministerin Ferrero-Waldner. Die Aufforderung blieb unbeachtet wie ähnlich lautende zahlreicher anderer Politiker. Selbst US-Außenminister Colin Powell vermag seine faktische Wirkungslosigkeit gegenüber dem Furor des israelischen Premiers Scharon nur mit Phrasen der vagen Hoffnung zu drapieren.
Ohne sich hier auf die ansonsten zu allem Möglichen präsentierten Umfragen stützen zu können, lässt sich aus persönlichen Gesprächen eine mehrheitliche Ablehnung der israelischen Vorgangsweise ausfiltern, die bisweilen zu Wutausbrüchen auf 9die Juden eskalieren kann. Untergründiger Antisemitismus wird in vordergründigen Antizionismus transponiert.
Die Entrüstung über israelische Brutalität fällt umso leichter, als sich damit zugleich ein latenter Antiamerikanismus ins Spiel bringen lässt, jenes aus vielerlei Motiven abgeleitete Unbehagen gegenüber der Supermacht, die der regionalen militärischen Übermacht Unterstützung zuteil werden lässt. Die israelische Interpretation des Geschehens als Akt der Selbstverteidigung wird als Verhöhnung abgetan.

Wer Vorurteile pflegt, dem ist die Situation freilich schwer vermittelbar. Als Selbstverteidigung werden vielmehr die Terroranschläge der Palästinenser angesehen, Verzweiflungsakte eines vertriebenen und seit 35 Jahren mit eiserner Faust unterdrückten Volks. Darüber kann zweifellos niemand hinwegsehen. Tatsache ist jedoch, dass sich die arabische Welt bis heute nicht mit einem eigenständischen jüdischen Staat abgefunden hat sowie dass auf der anderen Seite in den Köpfen von Hardlinern nach wie vor die Vision eines Groß-Israel herumgeistert.
Solange Israels Eigenstaatlichkeit nicht akzeptiert und garantiert wird, und andererseits Israel sich nicht aus den 1967 besetzen Gebieten zurückzieht, wird es in dieser Region keinen Frieden geben. Der Selbstmord-Terrorismus beschränkt sich heute nicht mehr auf religiöse Fanatiker, sondern beginnt, als fatalistische Bereitschaft auch nichtreligiöse Palästinenser zu erfassen. Gegen diese Bereitschaft, für ein höheres Ziel zu sterben, kann selbst noch massiverer militärischer Einsatz nichts ausrichten.

Der Hass auf beiden Seiten lässt es unmöglich erscheinen, dass sich Israelis und Palästinenser ohne entschlossene Mitwirkung von außen auf eine Konfliktlösung verständigen. Es bedarf einer gemeinsamen internationalen Anstrengung, zugleich die Eigenstaatlichkeit Israels und einen souveränen Palästinenserstaat zu garantieren und damit dem Terror den Nährboden zu entziehen. Peace Inforcing, den Frieden erzwingen, ist das Gebot der Stunde. In Palästina könnte die Allianz gegen den Terrorismus beweisen,was sie wirklich wert ist.

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