• 12.04.2002, 18:01:13
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Oberösterreichische Nachrichten, Leitartikel "Nur wenn Israel akzeptiert wird 9 Die Allianz gegen den Terror könnte sich jetzt beweisen" von Hans Köppl=

Mit Abscheu und Zorn verfolgt die Welt das Töten auf israelisch-
palästinensischem Boden. Hört endlich auf damit, ist der Tenor aller
politischen Demarchen. Unverzüglich, jetzt, nicht morgen, muss die
israelische Armee mit dem Truppenabzug beginnen, verlangte am
vergangenen Montag Außenministerin Ferrero-Waldner. Die Aufforderung
blieb unbeachtet wie ähnlich lautende zahlreicher anderer Politiker.
Selbst US-Außenminister Colin Powell vermag seine faktische
Wirkungslosigkeit gegenüber dem Furor des israelischen Premiers
Scharon nur mit Phrasen der vagen Hoffnung zu drapieren.
Ohne sich hier auf die ansonsten zu allem Möglichen präsentierten
Umfragen stützen zu können, lässt sich aus persönlichen Gesprächen
eine mehrheitliche Ablehnung der israelischen Vorgangsweise
ausfiltern, die bisweilen zu Wutausbrüchen auf 9die Juden
eskalieren kann. Untergründiger Antisemitismus wird in
vordergründigen Antizionismus transponiert.
Die Entrüstung über israelische Brutalität fällt umso leichter, als
sich damit zugleich ein latenter Antiamerikanismus ins Spiel bringen
lässt, jenes aus vielerlei Motiven abgeleitete Unbehagen gegenüber
der Supermacht, die der regionalen militärischen Übermacht
Unterstützung zuteil werden lässt. Die israelische Interpretation
des Geschehens als Akt der Selbstverteidigung wird als Verhöhnung
abgetan.

Wer Vorurteile pflegt, dem ist die Situation freilich schwer
vermittelbar. Als Selbstverteidigung werden vielmehr die
Terroranschläge der Palästinenser angesehen, Verzweiflungsakte eines
vertriebenen und seit 35 Jahren mit eiserner Faust unterdrückten
Volks. Darüber kann zweifellos niemand hinwegsehen. Tatsache ist
jedoch, dass sich die arabische Welt bis heute nicht mit einem
eigenständischen jüdischen Staat abgefunden hat sowie dass auf der
anderen Seite in den Köpfen von Hardlinern nach wie vor die Vision
eines Groß-Israel herumgeistert.
Solange Israels Eigenstaatlichkeit nicht akzeptiert und garantiert
wird, und andererseits Israel sich nicht aus den 1967 besetzen
Gebieten zurückzieht, wird es in dieser Region keinen Frieden geben.
Der Selbstmord-Terrorismus beschränkt sich heute nicht mehr auf
religiöse Fanatiker, sondern beginnt, als fatalistische Bereitschaft
auch nichtreligiöse Palästinenser zu erfassen. Gegen diese
Bereitschaft, für ein höheres Ziel zu sterben, kann selbst noch
massiverer militärischer Einsatz nichts ausrichten.

Der Hass auf beiden Seiten lässt es unmöglich erscheinen, dass sich
Israelis und Palästinenser ohne entschlossene Mitwirkung von außen
auf eine Konfliktlösung verständigen. Es bedarf einer gemeinsamen
internationalen Anstrengung, zugleich die Eigenstaatlichkeit Israels
und einen souveränen Palästinenserstaat zu garantieren und damit dem
Terror den Nährboden zu entziehen. Peace Inforcing, den Frieden
erzwingen, ist das Gebot der Stunde. In Palästina könnte die Allianz
gegen den Terrorismus beweisen,was sie wirklich wert ist.

Rückfragehinweis: Oberösterreichische Nachrichten@Ô

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