- 09.04.2002, 19:06:36
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Oberösterreichische Nachrichten, Leitartikel: "Der Wahrheit ins Auge sehen, Die Wehrmachtsausstellung regt auf und macht betroffen, Von Hans Köppl:=
Die Konfrontation ist angesagt. Den Protest rechtsextremer
Gruppierungen gegen die gestern in Wien eröffnete Ausstellung
@Verbrechen der Wehrmacht B Dimensionen des Vernichtungskriegs 1941 -
44? will ein Bündnis von linken und antifaschistischen
Organisationen mit einer Gegendemonstration beantworten.
Antifaschisten kontra Neonazi. Eine Konfrontation, die zusätzliche
Brisanz durch die aktuelle Gewaltorgie in Nahost erfahren kann.
Überlagert wird der Zusammenprall der Extremisten vom bekannten
Vorwurf, die Ausstellung verunglimpfe pauschal eine ganze
Soldatengeneration. Tatsächlich hatte die Erstfassung dieser
Ausstellung, die im November 1996 auch in Linz zu sehen war, den
Charakter einer politisch-ideologischen Anklage. Die gewollte
Provokation wurde von den Veranstaltern nur halbherzig
zurückgewiesen. Dass die Ausstellung dann vor drei Jahren
zurückgezogen wurde, weil einige Bilder nicht von der Wehrmacht,
sondern vom sowjetischen NKWD begangene Verbrechen zeigten, wurde
von den Veteranenverbänden denn auch als Bestätigung ihrer Proteste
aufgefasst.
Die jetzt völlig neu gestaltete Fassung will nicht mehr provozieren,
sondern geht bewusst sachlich und differenziert an das Thema heran,
das dessen ungeachtet immer noch polarisiert. Die Grundaussage ist
freilich unverändert geblieben. Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion
war kein Feldzug im herkömmlichen Sinn, sondern ein sorgfältig
vorbereiteter Vernichtungskrieg. Er war kein, wenn man so will,
bloßer Kampf der Waffen, sondern die als endgültig propagierte
Auseinandersetzung zweier antagonistischer Weltanschauungen,
zwischen dem nationalsozialistischen Deutschland und der
bolschewistischen Sowjetunion. Im Sinne der Hitlerüschen
Lebensraumvision musste ein rassisch minderwertiges Volk vernichtet
werden. Das rechtfertigte auch in den Augen der Wehrmachtführung die
Suspendierung des Kriegsvölkerrechts sowie die Einschränkung der
Militärgerichtsbarkeit. Die Richtlinien des Oberkommandos der
Wehrmacht verlangten %rücksichtsloses und energisches Durchgreifen
gegen bolschewistische Hetzer, Freischärler, Saboteure, JudenQ. Dass
auf der anderen Seite Stalin die totalitäre Herausforderung annahm
und einen erbarmungslosen Partisanenkrieg entfesselte, dem zahllose
Wehrmachtsangehörige auf grässliche Weise zum Opfer fielen, wurde
dann umso bereitwilliger als Rechtfertigung für unnachsichtiges
Töten eines Lheimtückischenw Feindes herangezogen.
In jedem Krieg werden Kriegsverbrechen begangen und wird das
Kriegsvölkerrecht verletzt. Das heißt aber nicht, dass immer auch
alle Kriegsteilnehmer verbrecherisch handeln. Historisch belegt ist
jedoch die Bereitschaft eines großen Teils des Offizierskorps der
Wehrmacht, einen Krieg zu führen, in dem das Kriegsrecht explizit
gebrochen wurde. An diesem Makel leiden alle jene, die aus diesem
Krieg zurückkamen und an keinem dokumentierten wie undokumentierten
Verbrechen beteiligt waren.
Rückfragehinweis: Oberösterreichische Nachrichten@Ô
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