- 08.04.2002, 17:44:11
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Fischer diskutiert mit SchülervertreterInnen
Antoni: Staat trägt die Verantwortung für Bildung
Wien (SK) Im Rahmen des BundesschülerInnenparlaments stellte
sich heute, Montag, der stellvertretende Bundesparteivorsitzende der
SPÖ, Nationalratspräsident Heinz Fischer den Fragen der
SchülervertreterInnen. "Ich bin ein Anhänger der Idee des
Schülerparlaments", betonte Fischer. "Demokratie ist ein wichtiges
und sensibles Gut. Den Umgang damit muss man lernen." Das
SchülerInnenparlament sei dafür eine wirksame Einrichtung. Auch die
Bildungssprecher der vier Parlamentsparteien diskutierten mit den
Jugendlichen. "Wir Sozialdemokraten bekennen uns dazu, dass der Staat
die Verantwortung für die Bildung trägt. Das Kapital des Staates sind
die Köpfe der jungen Menschen", hob der SPÖ-Bildungssprecher Dieter
Antoni hervor.*****
Fischer erklärte, dass er den Agenden der Bildungspolitik stets
besonderes Interesse entgegen gebracht habe. Er habe sich bereits in
seiner Schulzeit in der SchülerInnenpolitik engagiert und sei auch
während des Studiums im Rahmen des VSStÖ (Verband
sozialdemokratischer StudentInnen) aktiv gewesen. "Ich wollte immer
mithelfen, dass die sozialen Barrieren abgebaut werden", so der stv.
SPÖ-Vorsitzende.
Deshalb stehe er der neuen Universitätsreform skeptisch gegenüber.
Durch die Einführung der Studiengebühren seien soziale Schranken
wieder errichtet worden. "Mit großer Radikalität wird die
Mitbestimmung an den Universitäten zurückgedrängt", kritisierte
Fischer weiter. Insbesonders die Studentenvertretung und der
Mittelbau würden an Mitspracherechten verlieren. Problematisch sei
auch "die Geschwindigkeit, mit der das Gesetz durchgepeitscht wird."
Die Diskussionsprozesse, die in den universitären Gremien
stattfinden, würden den "Pluralismus an den Universitäten
repräsentieren". Diese Gremien würden nun "abgeholzt". "Der
Universitätsrat bringt mehr Einfluss der Regierung, als dies für eine
moderne Universität gut sein kann", bemerkte Fischer zu den geplanten
Bestellungsmodalitäten. Der Nationalratspräsident sprach sich weiters
gegen eine Unterteilung von wirtschaftlich relevanten
Studienrichtungen und den sogenannten Orchideenfächern aus. "Aufgabe
einer Universität ist es, Grundlagenforschung zu betreiben. Auch wenn
sie nicht sofort ökonomisch verwertbar ist", unterstrich Fischer.
"Unser Ziel ist es, die Schüler dazu zu bringen, eigenverantwortlich
zu lernen", stellte Antoni fest. Deshalb habe man ein Modell zur
Reform der AHS-Oberstufe entwickelt. Bereits in der fünften Klasse
der AHS solle man damit beginnen, die Schüler auf ein Modul- und
Kurssystem vorzubereiten. Module könnten von den Schülern selbst
gewählt werden, während im Rahmen der Kurse ein verpflichtender
Lehrstoff vermittelt werden soll. "Das Kurs- und Modulsystem soll die
Schüler auf Beruf und Studium vorbereiten. Wir gehen davon aus, dass
Schüler in diesem Alter bereits wissen, in welche Richtung sie gehen
wollen", so der SPÖ-Abgeordnete. Mit der Einführung dieses Modells
würde auch die Typengliederung der Gymnasien wegfallen.
Änderungen seien auch im Bereich der Matura denkbar. "Man könnte weg
von der Reifeprüfung in einzelnen Fächern, hin zu einer
übergreifenden Abschlussarbeit gehen", schlug Antoni vor. Ein klares
Bekenntnis legte der Bildungssprecher zum Konzept der Gesamtschule
ab. "In einer Demokratie mit einem demokratisch organisierten
Schulwesen ist es sinnvoll, die Schüler bis zum Ende der Schulpflicht
gemeinsam auszubilden." So könnten gesellschaftliche Unterschiede
vermieden werden. Eine Absage erteilte Antoni den
Verhaltensvereinbarungen, die unter der ÖVP/FPÖ-Koalition eingeführt
wurden. "In der Schule soll vereinbart werden, wie man den Unterricht
besser gestalten kann, wie man sich gegenseitig helfen kann, wie man
die Eigenständigkeit der Schüler fördern kann. Aber das Fehlverhalten
allein darf nicht im Mittelpunkt der Vereinbarungen stehen", schloss
der Abgeordneten. (Schluss) sw
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Tel.: (++43-1) 53427-275
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