Gewerbe: Nach Konjunktureinbruch keine Erholung in Sicht!

Maßnahmen rasch setzen: Lohnnebenkostensenkung muss kommen

Wien(PWK235) "Die Lage ist dramatisch und sehr ernst", bewertet der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl, die Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung des Instituts für Gewerbe- und Handelsforschung (IfGH) in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Spartengeschäftsführer Helmut Heindl und dem Chef des IfGH, Walter Bornett. Erstmals seit Beginn der Konjunkturbeobachtung des IfGH Anfang der 80er Jahre seien die Umsätze der österreichischen Gewerbe-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe im Vergleich zum Vorjahr gesunken. "Während wir im Jahr 2000 noch ein Wachstumsplus von 2,5 Prozent verzeichnen konnten, hat sich die Situation 2001 für unsere Betriebe dramatisch verschlechtert. Im vergangenen Jahr mussten wir ein Minus von 0,2 Prozent verdauen", so Bornett.

"Besonders das Gewerbe war vom Konjunktureinbruch des vergangenen Jahres betroffen. Wirklich positiv konnten 2001 nur die Daten- und Kunststoffverarbeiter wirtschaften. Besonders in den Kernbranchen des Gewerbes, wie dem Bau und den Baunebengewerben sieht die Lage anhaltend schlecht aus", berichtete Bornett. Die im Konjunkturpaket der Bundesregierung vorgesehene Erhöhung der vorzeitigen Abschreibung auf Bauinvestitionen im laufenden Jahr von 3 auf 10 Prozent sei zwar auf die Klein- und Mittelbetriebe gerichtet, komme für viele Betriebe aber zu spät. Ursachen, so sind sich Toifl und Heindl einig, seien die beschränkten Rationalisierungspotentiale des Gewerbes, über die Kostensteigerungen nicht abgefangen werden konnten, eine sich insgesamt verschlechternde Ertragslage und die schlechte Eigenkapitalausstattung der Betriebe. Dass der "Pleitegeier" gerade im Kleingewerbe im vergangenen Jahr kräftig zuschlagen konnte, sei eine der Auswirkungen daraus.

Auch im 1. Quartal 2002 konnte die negative Entwicklung im Gewerbe nicht gestoppt werden. "In fast allen Bundesländern und nahezu allen Branchen bekommen wir im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres schlechtere Rückmeldungen. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Anteil der Betriebe, der die Geschäftslage im 1. Quartal mit "gut" bewertet, von 20 % auf 15 % gesunken, während jener mit schlechter Beurteilung von 21 % auf 32 % gestiegen sei. In Vorarlberg, Salzburg, der Steiermark und Kärnten habe sich die Stimmung am stärksten verschlechtert. In den anderen Bundesländern sei die Veränderung zwar weniger negativ als im Österreichdurchschnitt, mit Ausnahme von Tirol, Oberösterreich und Kärnten hat das Stimmungsbarometer jedoch in allen Bundesländern den niedrigsten Stand seit 1995 erreicht. "Wir befinden uns damit auf einer radikalen Talfahrt", konstatiert Toifl. Auch beim Ausblick auf das 2. Quartal, so Heindl, sei kein großer Optimismus im Spiel: "Die investitionsgüternahen Branchen befürchten weitere Verschlechterungen, im konsumnahen Bereich erwarten wir Verbesserungen."

Daher, so Toifl, müsse nun rasch gehandelt werden. "Die versprochene Senkung der Lohnnebenkosten muss jetzt ebenso kommen wie ein geringerer Steuersatz auf nicht entnommene Gewinne. Das ist für uns überlebenswichtig!" Zudem bedürfe es einer neuen Abschreibungspolitik, damit Betriebe nicht zu Bittstellern werden. Auch die bereits diskutierte Senkung der Körperschaftssteuer schrittweise auf 25 Prozent sei ein wichtiges Ziel. In einem ersten Schritt solle mit einer Senkung um 3 Prozent begonnen werden, schlägt das Gewerbe vor. Weitere Forderungen sind die Abschaffung der Vergebührung von Darlehens- und Kreditverträgen sowie eine grundlegende Entbürokratisierung - Stichwort Wegfall der Umsatzsteuersondervorauszahlung (13. Vorauszahlung). (us)

Hinweis: Die Zahlen und Erhebungen des IfGH sind unter www.wko.at abrufbar

Stimmungsbarometer: -15  %-Punkte
Auftragsbestände: -11  %
Öffentliche Aufträge: -9  %
Umsatzentwicklung: -1 %-Punkte

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Ulrike Sporer
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