- 04.04.2002, 11:10:42
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Gewerbe: Nach Konjunktureinbruch keine Erholung in Sicht!
Maßnahmen rasch setzen: Lohnnebenkostensenkung muss kommen
Wien(PWK235) "Die Lage ist dramatisch und sehr ernst", bewertet
der Obmann der Bundessparte Gewerbe und Handwerk, Georg Toifl, die
Ergebnisse der Konjunkturbeobachtung des Instituts für Gewerbe- und
Handelsforschung (IfGH) in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem
Spartengeschäftsführer Helmut Heindl und dem Chef des IfGH, Walter
Bornett. Erstmals seit Beginn der Konjunkturbeobachtung des IfGH
Anfang der 80er Jahre seien die Umsätze der österreichischen
Gewerbe-, Handwerks- und Dienstleistungsbetriebe im Vergleich zum
Vorjahr gesunken. "Während wir im Jahr 2000 noch ein Wachstumsplus
von 2,5 Prozent verzeichnen konnten, hat sich die Situation 2001 für
unsere Betriebe dramatisch verschlechtert. Im vergangenen Jahr
mussten wir ein Minus von 0,2 Prozent verdauen", so Bornett.
"Besonders das Gewerbe war vom Konjunktureinbruch des vergangenen
Jahres betroffen. Wirklich positiv konnten 2001 nur die Daten- und
Kunststoffverarbeiter wirtschaften. Besonders in den Kernbranchen des
Gewerbes, wie dem Bau und den Baunebengewerben sieht die Lage
anhaltend schlecht aus", berichtete Bornett. Die im Konjunkturpaket
der Bundesregierung vorgesehene Erhöhung der vorzeitigen Abschreibung
auf Bauinvestitionen im laufenden Jahr von 3 auf 10 Prozent sei zwar
auf die Klein- und Mittelbetriebe gerichtet, komme für viele Betriebe
aber zu spät. Ursachen, so sind sich Toifl und Heindl einig, seien
die beschränkten Rationalisierungspotentiale des Gewerbes, über die
Kostensteigerungen nicht abgefangen werden konnten, eine sich
insgesamt verschlechternde Ertragslage und die schlechte
Eigenkapitalausstattung der Betriebe. Dass der "Pleitegeier" gerade
im Kleingewerbe im vergangenen Jahr kräftig zuschlagen konnte, sei
eine der Auswirkungen daraus.
Auch im 1. Quartal 2002 konnte die negative Entwicklung im Gewerbe
nicht gestoppt werden. "In fast allen Bundesländern und nahezu allen
Branchen bekommen wir im Vergleich zum 1. Quartal des Vorjahres
schlechtere Rückmeldungen. Im Vergleich zum Vorjahr sei der Anteil
der Betriebe, der die Geschäftslage im 1. Quartal mit "gut" bewertet,
von 20 % auf 15 % gesunken, während jener mit schlechter Beurteilung
von 21 % auf 32 % gestiegen sei. In Vorarlberg, Salzburg, der
Steiermark und Kärnten habe sich die Stimmung am stärksten
verschlechtert. In den anderen Bundesländern sei die Veränderung
zwar weniger negativ als im Österreichdurchschnitt, mit Ausnahme von
Tirol, Oberösterreich und Kärnten hat das Stimmungsbarometer jedoch
in allen Bundesländern den niedrigsten Stand seit 1995 erreicht. "Wir
befinden uns damit auf einer radikalen Talfahrt", konstatiert Toifl.
Auch beim Ausblick auf das 2. Quartal, so Heindl, sei kein großer
Optimismus im Spiel: "Die investitionsgüternahen Branchen befürchten
weitere Verschlechterungen, im konsumnahen Bereich erwarten wir
Verbesserungen."
Daher, so Toifl, müsse nun rasch gehandelt werden. "Die versprochene
Senkung der Lohnnebenkosten muss jetzt ebenso kommen wie ein
geringerer Steuersatz auf nicht entnommene Gewinne. Das ist für uns
überlebenswichtig!" Zudem bedürfe es einer neuen
Abschreibungspolitik, damit Betriebe nicht zu Bittstellern werden.
Auch die bereits diskutierte Senkung der Körperschaftssteuer
schrittweise auf 25 Prozent sei ein wichtiges Ziel. In einem ersten
Schritt solle mit einer Senkung um 3 Prozent begonnen werden, schlägt
das Gewerbe vor. Weitere Forderungen sind die Abschaffung der
Vergebührung von Darlehens- und Kreditverträgen sowie eine
grundlegende Entbürokratisierung - Stichwort Wegfall der
Umsatzsteuersondervorauszahlung (13. Vorauszahlung). (us)
Hinweis: Die Zahlen und Erhebungen des IfGH sind unter www.wko.at
abrufbar
Stimmungsbarometer: -15 %-Punkte
Auftragsbestände: -11 %
Öffentliche Aufträge: -9 %
Umsatzentwicklung: -1 %-Punkte
Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich
Ulrike Sporer
Tel.: 01/50105/4161
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