WHO-Weltkonferenz fordert nationale Unfallverhütungsprogramme

Täglich sterben rund 16.000 Menschen weltweit an den Folgen von Verletzungen. Unfälle, Selbstmorde und Gewalt sind drauf und dran, Infektionskrankheiten als führende Todesursache zu überholen

Wien (OTS) - Bei Kindern und jungen Erwachsenen sind Unfälle bereits "Killer Nr. 1" - auch in Österreich. Die 6. WHO-Weltkonferenz zur Verhütung von Verletzungen in Montreal wird einen Empfehlungskatalog für Gegenmaßnahmen verabschieden. Die Regierungen sollen umfassende Programme zur Unfallverhütung in Kraft setzen.

Unter der Schirmherrschaft der WHO (World Health Organisation) veranstaltet Kanada zwischen 12. und 15. Mai 2002 die 6. Weltkonferenz zur Verhütung von Verletzungen in Montreal. Ziel ist es, die wahre Dimension der weltweiten Verletzungsepidemie aufzuzeigen und wirksame Gegenmaßnahmen vorzuschlagen. An Unfällen, Selbstmorden und Gewalttätigkeiten sterben nach WHO-Berechnungen täglich 16.000 Menschen - fast so viele wie durch Infektionskrankheiten zusammen. Die Gesundheitspolitik allein kann für die Sicherheit der Menschen nicht sorgen. Dazu braucht es umfassende nationale Programme, bei denen Gesundheits- und Sozialpolitik, Verkehrs-, Arbeits- und Innenministerien, Wirtschaft, Rettungswesen, Versicherungen und Forschung zusammenarbeiten.

Bereits die Vorgänger-Konferenz in New Delhi im Jahr 2000 hat festgestellt, dass Sicherheit ein Menschenrecht ist, welches sich aus dem Menschenrechtskatalog der UNO ergibt (Delhi Declaration). Der Schutz der Menschenrechte ist Pflicht der nationalen Regierungen. Auch in Österreich sind die Menschenrechte Grundrechte der Bürger, zu deren Schutz die Regierung durch die Verfassung verpflichtet ist. "Aus der österreichischen Verfassung folgt, dass der Staat das Leben und die Sicherheit seiner Bürger zu schützen hat. Angesichts der beschämend hohen Zahl von Unfällen und Selbstmorden in Österreich brauchen auch wir ein umfassendes Regierungsprogramm zur Unfallverhütung, Selbstmordprophylaxe und Gewaltprävention. Vor allem Kinder und alte Menschen müssen wesentlich besser als bisher geschützt werden", fordert Dr. Rupert Kisser, Leiter des Institutes "Sicher Leben".

In Montreal werden 1500 Fachleute aus aller Welt erwartet:
Forscher, Praktiker und Verwaltungsexperten aus den Bereichen Gesundheit, Sozialwesen, Inneres, Verkehrssicherheit, Arbeitnehmerschutz, Produktsicherheit, Zivilschutz, Rettungswesen und Rehabilitation. 70 Staaten sind vertreten, rund 600 Fachvorträge werden gehalten. Besonders aktuelle Themen werden heuer Terror, Verkehrssicherheit, Unfallverhütung im Kindesalter, Gewalt gegen Frauen, psychische Nachbetreuung von Unfall- und Verbrechensopfern werden. Auch Österreich wird entsprechend vertreten sein. Allein das Institut ‚Sicher Leben' wird 10 wissenschaftliche Arbeiten präsentieren. "Es ist eine hohe Anerkennung, dass so viele unserer Studien für das wissenschaftliche Programm der Weltkonferenz akzeptiert wurden. Das zeigt, dass wir zumindest in der Theorie international mithalten können", meint Dr. Kisser.

Die nächste WHO-Weltkonferenz zur Verletzungsverhütung wird 2004 voraussichtlich in Wien stattfinden. "Bis dahin könnte auch Österreich ein Vorzeigeland im Sinne der WHO werden, wenn es gelingt, dass sich Bundesregierung, Landesregierungen, Sozialversicherungen und alle einschlägigen gemeinnützigen Institutionen auf ein nationales Programm einigen wie beispielsweise Schweden, Vietnam oder Kanada".

Detaillierte Infos zum Programm finden Sie auf der Konferenz-Website unter: http://www.trauma2002.com.

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