- 04.04.2002, 09:53:56
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ÖGJ-Maringer: Höchste Zeit für Jugendbeschäftigungsgipfel
Knapp 10.000 Lehrstellensuchende brauchen einen Ausbildungsplatz
Wien (ÖGJ). "Im Namen von beinahe 10.000 Jugendlichen, die eine
Lehrstelle suchen, fordere ich Minister Bartenstein auf, endlich sein
Versprechen zu halten und für jede/n Jugendliche/n einen
Ausbildungsplatz zu schaffen", erklärte Albert Maringer,
Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) zu
den Versuchen Bartensteins, die enorm angestiegene
Jugendarbeitslosigkeit zu bagatellisieren. Angesichts von 36.647
arbeitslosen Jugendlichen, das sind 25,1 Prozent mehr als im Vorjahr,
sei es nun höchste Zeit für einen Jugendbeschäftigungsgipfel, so der
ÖGJ-Vorsitzende.++++
"Die Rechnung Bartensteins, dass die Lehrstellenlücke nur 565
Stellen betrage, geht nicht auf", so Maringer. Damit verschweige der
Minister 1.977 jugendliche ArbeitslosengeldbezieherInnen, 1.616
Jugendliche in kurzfristigen Kursen und Schulungen (z. B.
Job-Coaching, Berufsorientierung, Arbeitserprobung) und 2.139
Jugendliche, die sich noch in einem Auffangnetz befinden, aber
weiterhin eine Lehrstelle suchen. "Zusammengefasst bedeutet dies
9.152 Lehrstellensuchende gegenüber 2.732 offenen Lehrstellen",
stellte Maringer klar.
"Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist im Vergleich zum Vorjahr
um 27 Prozent angestiegen, offene Lehrstellen sind schon lange
Mangelware. So kann es nicht weitergehen", betonte der
ÖGJ-Vorsitzende. Für ein Auffangnetz würden momentan viel zu wenig
finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. "Denn im Gegensatz zu den
bewährten Stiftungen werden Lehrgänge nicht auf nachfolgende
Ausbildungen angerechnet und stellen nicht mehr als eine kurzfristige
Maßnahme dar," kritisierte Maringer. Die ÖGJ fordert daher mehr Geld
für ein ausreichendes und qualitatives Auffangnetz und die Abhaltung
eines Jugendbeschäftigungsgipfels.
Politik für Unternehmer, gegen die Jugend
Auch die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmer nimmt trotz
finanzieller Entlastungen von mehr als 94 Millionen Euro allein im
Jahr 2001 stetig ab. Die Zahl der Lehrlinge in Österreich ist von
141.099 im Jahr 1991 auf nur noch 122.167 im Jahr 2001 gesunken.
"Diese Politik ist eine Politik für die Unternehmer, und gegen die
Jugend", so Maringer. So können Unternehmer nun zum Großteil selbst
bestimmen, wen sie als günstigen Vorlehrling einstellen, die
Probezeit wurde verlängert, die Behaltefrist verkürzt, das
Auffangnetz wurde durchlöchert und Lehrgänge als halbherziger Ersatz
eingeführt. "Damit muss nun endlich Schluss sein. Es geht um die
Chancen der Jugendlichen und schließlich auch um die Qualität des
Wirtschaftsstandortes", erklärte der ÖGJ-Vorsitzende.
Studiengebühren
"Die von Bartenstein im Kurier vom Mittwoch angekündigte
'Trendwende' an den Universitäten verheißt nichts Gutes für die
Studierenden und alle am Studium interessierten Lehrlinge", so
Maringer. "Die 363,36 Euro pro Semester waren scheinbar nur ein
Anfang, wenn es nach Bartenstein geht, könnten die Gebühren in
Zukunft noch viel höher sein", befürchtet der ÖGJ-Vorsitzende. Schon
jetzt hätten durch den Wegfall des freien Zugangs zu Bildung viele
Jugendliche gar keine Chance auf ein Studium, erklärte Maringer und
forderte die Abschaffung der unsozialen Studiengebühren und den
freien Zugang zur Bildung ohne soziale Barrieren.
Forderungen der ÖGJ
Um die prekäre Situation am Lehrstellenmarkt zu veranschaulichen,
hat die Österreichische Gewerkschaftsjugend am 26. März 6.420
Luftballons für 6.420 fehlende Lehrstellen am Wiener Ballhausplatz
zerplatzen lassen. "So wie die Luftballons zerplatzen, zerplatzen
auch die Träume der Jugendlichen auf einen Lehrplatz. Der Sauerstoff,
der entweicht, soll der Regierung zum Umdenken verhelfen", erklärte
dazu Maringer und präsentierte die Forderungen der ÖGJ.(tb)
Die ÖGJ fordert:
Die Finanzierung der Lehrlingsausbildung durch alle Betriebe.
Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, sollen davon profitieren. Dadurch
werden mehr Lehrplätze geschaffen und gute Ausbildung belohnt.
Alternative Ausbildungsmöglichkeiten. Wenn die Unternehmer nicht
ausreichend Ausbildungsplätze anbieten, dann brauchen wir wieder ein
Auffangnetz.
Zukunftsorientierte Lehrberufe. Durch gut geschulte Ausbilder, durch
begleitende Kurse und durch moderne Gruppenlehrberufe soll die
Ausbildung wieder Zukunft haben. Notwendig sind Gruppenlehrberufe wie
Elektroanlagentechnik oder Fertigungstechnik. Der Hintergedanke: Wenn
ein Lehrling seine Ausbildung beendet hat, soll er durch
Zusatzprüfungen auch einen Abschluss in verwandten Berufen machen
können. Bei den ElektroanlagentechnikerInnen wären das die Berufe
Elektro-EnergietechnikerIn, Elektro-BetriebstechnikerIn und
Elektro-InstallationstechnikerIn. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt
steigen beträchtlich.
Ausbildung für die Ausbildner. Wer Jugendliche ausbildet, soll
verpflichtet sein, sich aus- und weiterzubilden.
Ausbildungsqualität in allen Betrieben. Die Lehrbetriebe sollen von
den Behörden regelmäßig überprüft werden. Bei Einsatz von Lehrlingen
als Hilfsarbeitskräfte und bei verbotenen Überstundenleistungen sind
die Betriebe zur Verantwortung zu ziehen.
Verkürzung der Probezeit auf ein Monat, Verlängerung der Behaltezeit
auf sechs Monate. Die Entrechtung von Lehrlingen muss rückgängig
gemacht werden. Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen
Erwachsenen muss eingedämmt werden. Daher ist ein Monat Probezeit
genug. Und nach dem Lehrabschluss soll der Betrieb den Jugendlichen
zumindest sechs Monate behalten müssen, um diesem mehr Praxiswissen
zu vermitteln.
Bezahlung der Internatskosten durch die Lehrbetriebe. Die Ausbildung
in der Berufsschule liegt im Interesse des Betriebes. Die
Internatskosten für den Besuch einer Berufsschule mit angeschlossenem
Internat sollen daher neben der Lehrlingsentschädigung von den
Lehrbetrieben in allen Branchen bezahlt werden.
ÖGB, 4. April 2002
Nr. 294
Der ÖGB unterstützt das Volksbegehren "Sozialstaat Österreich" vom 3.
bis 10. April 2002. Machen Sie mit! Jede Stimme zählt.
Rückfragehinweis: ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Tina Brunauer
Tel. (01) 534 44/357 DW
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