ÖGJ-Maringer: Höchste Zeit für Jugendbeschäftigungsgipfel

Knapp 10.000 Lehrstellensuchende brauchen einen Ausbildungsplatz

Wien (ÖGJ). "Im Namen von beinahe 10.000 Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, fordere ich Minister Bartenstein auf, endlich sein Versprechen zu halten und für jede/n Jugendliche/n einen Ausbildungsplatz zu schaffen", erklärte Albert Maringer, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) zu den Versuchen Bartensteins, die enorm angestiegene Jugendarbeitslosigkeit zu bagatellisieren. Angesichts von 36.647 arbeitslosen Jugendlichen, das sind 25,1 Prozent mehr als im Vorjahr, sei es nun höchste Zeit für einen Jugendbeschäftigungsgipfel, so der ÖGJ-Vorsitzende.++++

"Die Rechnung Bartensteins, dass die Lehrstellenlücke nur 565 Stellen betrage, geht nicht auf", so Maringer. Damit verschweige der Minister 1.977 jugendliche ArbeitslosengeldbezieherInnen, 1.616 Jugendliche in kurzfristigen Kursen und Schulungen (z. B. Job-Coaching, Berufsorientierung, Arbeitserprobung) und 2.139 Jugendliche, die sich noch in einem Auffangnetz befinden, aber weiterhin eine Lehrstelle suchen. "Zusammengefasst bedeutet dies 9.152 Lehrstellensuchende gegenüber 2.732 offenen Lehrstellen", stellte Maringer klar.

"Die Zahl der Lehrstellensuchenden ist im Vergleich zum Vorjahr um 27 Prozent angestiegen, offene Lehrstellen sind schon lange Mangelware. So kann es nicht weitergehen", betonte der ÖGJ-Vorsitzende. Für ein Auffangnetz würden momentan viel zu wenig finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. "Denn im Gegensatz zu den bewährten Stiftungen werden Lehrgänge nicht auf nachfolgende Ausbildungen angerechnet und stellen nicht mehr als eine kurzfristige Maßnahme dar," kritisierte Maringer. Die ÖGJ fordert daher mehr Geld für ein ausreichendes und qualitatives Auffangnetz und die Abhaltung eines Jugendbeschäftigungsgipfels.

Politik für Unternehmer, gegen die Jugend

Auch die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmer nimmt trotz finanzieller Entlastungen von mehr als 94 Millionen Euro allein im Jahr 2001 stetig ab. Die Zahl der Lehrlinge in Österreich ist von 141.099 im Jahr 1991 auf nur noch 122.167 im Jahr 2001 gesunken. "Diese Politik ist eine Politik für die Unternehmer, und gegen die Jugend", so Maringer. So können Unternehmer nun zum Großteil selbst bestimmen, wen sie als günstigen Vorlehrling einstellen, die Probezeit wurde verlängert, die Behaltefrist verkürzt, das Auffangnetz wurde durchlöchert und Lehrgänge als halbherziger Ersatz eingeführt. "Damit muss nun endlich Schluss sein. Es geht um die Chancen der Jugendlichen und schließlich auch um die Qualität des Wirtschaftsstandortes", erklärte der ÖGJ-Vorsitzende.

Studiengebühren

"Die von Bartenstein im Kurier vom Mittwoch angekündigte 'Trendwende' an den Universitäten verheißt nichts Gutes für die Studierenden und alle am Studium interessierten Lehrlinge", so Maringer. "Die 363,36 Euro pro Semester waren scheinbar nur ein Anfang, wenn es nach Bartenstein geht, könnten die Gebühren in Zukunft noch viel höher sein", befürchtet der ÖGJ-Vorsitzende. Schon jetzt hätten durch den Wegfall des freien Zugangs zu Bildung viele Jugendliche gar keine Chance auf ein Studium, erklärte Maringer und forderte die Abschaffung der unsozialen Studiengebühren und den freien Zugang zur Bildung ohne soziale Barrieren.

Forderungen der ÖGJ

Um die prekäre Situation am Lehrstellenmarkt zu veranschaulichen, hat die Österreichische Gewerkschaftsjugend am 26. März 6.420 Luftballons für 6.420 fehlende Lehrstellen am Wiener Ballhausplatz zerplatzen lassen. "So wie die Luftballons zerplatzen, zerplatzen auch die Träume der Jugendlichen auf einen Lehrplatz. Der Sauerstoff, der entweicht, soll der Regierung zum Umdenken verhelfen", erklärte dazu Maringer und präsentierte die Forderungen der ÖGJ.(tb)

Die ÖGJ fordert:

Die Finanzierung der Lehrlingsausbildung durch alle Betriebe. Betriebe, die Lehrlinge ausbilden, sollen davon profitieren. Dadurch werden mehr Lehrplätze geschaffen und gute Ausbildung belohnt.

Alternative Ausbildungsmöglichkeiten. Wenn die Unternehmer nicht ausreichend Ausbildungsplätze anbieten, dann brauchen wir wieder ein Auffangnetz.

Zukunftsorientierte Lehrberufe. Durch gut geschulte Ausbilder, durch begleitende Kurse und durch moderne Gruppenlehrberufe soll die Ausbildung wieder Zukunft haben. Notwendig sind Gruppenlehrberufe wie Elektroanlagentechnik oder Fertigungstechnik. Der Hintergedanke: Wenn ein Lehrling seine Ausbildung beendet hat, soll er durch Zusatzprüfungen auch einen Abschluss in verwandten Berufen machen können. Bei den ElektroanlagentechnikerInnen wären das die Berufe Elektro-EnergietechnikerIn, Elektro-BetriebstechnikerIn und Elektro-InstallationstechnikerIn. Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt steigen beträchtlich.

Ausbildung für die Ausbildner. Wer Jugendliche ausbildet, soll verpflichtet sein, sich aus- und weiterzubilden.

Ausbildungsqualität in allen Betrieben. Die Lehrbetriebe sollen von den Behörden regelmäßig überprüft werden. Bei Einsatz von Lehrlingen als Hilfsarbeitskräfte und bei verbotenen Überstundenleistungen sind die Betriebe zur Verantwortung zu ziehen.

Verkürzung der Probezeit auf ein Monat, Verlängerung der Behaltezeit auf sechs Monate. Die Entrechtung von Lehrlingen muss rückgängig gemacht werden. Die Arbeitslosigkeit von Jugendlichen und jungen Erwachsenen muss eingedämmt werden. Daher ist ein Monat Probezeit genug. Und nach dem Lehrabschluss soll der Betrieb den Jugendlichen zumindest sechs Monate behalten müssen, um diesem mehr Praxiswissen zu vermitteln.

Bezahlung der Internatskosten durch die Lehrbetriebe. Die Ausbildung in der Berufsschule liegt im Interesse des Betriebes. Die Internatskosten für den Besuch einer Berufsschule mit angeschlossenem Internat sollen daher neben der Lehrlingsentschädigung von den Lehrbetrieben in allen Branchen bezahlt werden.

ÖGB, 4. April 2002
Nr. 294

Der ÖGB unterstützt das Volksbegehren "Sozialstaat Österreich" vom 3. bis 10. April 2002. Machen Sie mit! Jede Stimme zählt.

Rückfragen & Kontakt:

Tina Brunauer
Tel. (01) 534 44/357 DW
Fax.: (01) 533 52 93
E-Mail: presse@oegb.or.at
Homepage: www.oegb.at

ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB