Neue "KÄRNTNER TAGESZEITUNG" Kommentar: Wohlstand - oder der große Irrtum

Ausgabe vom 4. April 2002

Klagenfurt (OTS) - "Man kann Wohlstand ja nicht verordnen.
Wohlstand kann man sich nur erarbeiten" - sprach ein seitenblickerischer Bau-Mörtel-Meister. Und folgerte daraus, dass sich das Sozialstaat-Volksbegehren brausen könne. Nun ja, auch eine Meinung. Und gar keine so spärlich verbreitete. Leider. Dreimal leider. Oder: Um Gottes willen...

Wohlstand und Sozialstaat. Zwei Begriffe, die nichts, aber schon gar nichts gemein haben. Ein soziales Österreich bedingt nicht ein Leben in Saus und Braus. Nein, es bedingt nicht mehr als ein Leben in Würde. Schlicht und einfach jene Würde, die ein Mensch zum Überleben braucht. Wohlstand? Das ist die Angst der Wohlhabenden. Die Angst um ihre Elite...

Kann man sich - wie besagter Baumeister posaunt - Wohlstand erarbeiten? Heute? 2002? In einer Zeit, die Monat für Monat von neuen Arbeitslosenrekorden zu erzählen weiß? Die Monat für Monat Statistiken ausspuckt, in denen Beschäftigungsformen boomen, die gerade so viel hergeben, dass man sein Leben finanzieren kann? In Zeiten, da man das immer gleiche Spiel der Regierung nur mehr zum Weinen findet? Ein Spiel nach dem Leitsatz: "Die Talsohle ist überschritten. Trendwende. Es geht aufwärts."

Eigenlob stinkt. Eine Binsenweisheit, mit der zu leben ist. Was viel schlimmer zählt, ist eine andere Wahrheit: Eigenlob macht blind. Engstirnig. Gebieterisch. Eigenlob ignoriert alles das, was nicht unter Lob fällt. Alles, wofür es kein Schulterklopfen gibt:
Arbeitslosigkeit, Armutsfallen, Menschen im Abseits...

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