- 15.03.2002, 17:34:07
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"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Fern von Hannover" (Von Peter Plaikner)
Ausgabe vom 16. 3. 2002
Innsbruck (OTS) - Barcelona ist heute der politische Mittelpunkt
Europas. Doch Antworten auf Zukunftsfragen finden sich eher in
Hannover. Die Cebit, der Welt größte Computermesse, zeigt, wie sich
der Alltag verändern könnte.
Das mobile Internet gilt als größter Hoffnungsträger. Darauf setzt
jene Branche, die als Vorreiter der Wirtschaftskrise ihren Ruf
verspielt halt. Also will sie auch Zugpferd aus dem Tief sein.
Österreichs Perspektive dazu ist zwiespältig - als Handy-Nutzer an
der Welt- spitze, als PC-Besitzer abgeschlagener Nachzügler. Wir sind
eher kommunikativ als produktiv. Dieser nationale Wesenszug kann ein
Wettbewerbsvorteil werden.
Denn je selbstverständlicher die Geräte, um so wichtiger ihr
Umfeld. Global gibt es bereits mehr Mobil- als Festnetzanschlüsse.
Abseits der Telephonie sollen Funknetze zusehends dem sprachlosen
Datentransfer dienen. Auch unabhängig von der neuen Technik UMTS.
Nicht nur intern setzen große Unternehmen immer mehr auf
hauseigene Drahtlosigkeit. Hotels, Bahnhöfe, Flughäfen sind logische
Anbieter für solchen Kundenservice. In Aachen hat schon die gesamte
Innenstadt kabelfreien und äußerst schnellen Internet-Zugang.
Die Testphase solcher Citynetze eröffnet auch
Fremdenverkehrsphantasie. Das Hochtempo-Funknetz wäre eine große
Zusatzattraktion für den modernen Gast.
Ausgerechnet dieser touristische Umweg müsste die IT-Diskussion in
Tirol neu entfachen. Denn das mühsam entstandene Thema
Informationstechnologie wurde allzu schnell wieder abgehakt. Die kurz
erzeugte Öffentlichkeit war Imagepflege statt wahrem Interesse. Die
heimische Politik bleibt lieber im altvertrauten Umfeld von Müll,
Transit und Selbstbeschäftigung.
IT ist ressortübergreifend und zukunftsentscheidend. Konzerne
siedeln sie auf höchster Ebene an. In Tirol wird sie als Vollwaise
weder von Regierung noch Opposition dauerhaft betreut. Es fehlt eine
informationstechnologische Strategie für das Land. Unsere
hochkompetenten exportorientierten High-Tech-Firmen finden daheim
keinen politischen Ansprechpartner. Zukunft ist hier nur als
Lippenbekenntnis überstrapaziert.
Doch das nächste Kabinett wird schon ausgeschnapst. Es geht wieder
um bündischen Ausgleich statt um sachliche Notwendigkeit. Weit und
breit kein Kandidat, der bei Hannover zuerst an Cebit denkt. Eher an
Gilewicz. Denn Priorität hat, was einfach ist.
Rückfragehinweis:
Tiroler Tageszeitung
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Tel.: 0512/5354 DW 601
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