- 13.03.2002, 16:22:40
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Prets: Frauen müssen ihre Identität unabhängig von Religion oder Kultur entwickeln
Wien (SK) "Frauen muss es möglich sein, die eigene und individuelle
Identität unabhängig von Religion und Kultur zu entwickeln. Alle
Normen, Verhaltensweisen und Lebensstile dürfen nur ihren
Entscheidungen unterworfen sein", erklärte die burgenländische
SPÖ-Europaabgeordnete Christa Prets Mittwoch nach der Abstimmung über
einen Bericht zum Thema "Frauen und Fundamentalismus" im Europäischen
Parlament. Hier handle es sich um Grundrechte, die der
Menschenrechts-Charta und allen demokratischen Regeln entspreche.
"Dort wo Fundamentalismus vorherrscht, dort sind all jene Freiheiten
eingeschränkt oder nicht existent", kritisierte Prets. ****
"Wir müssen die religiösen Unterschiede überwinden, um zu
mehr Gerechtigkeit zu gelangen. Das heißt nicht, der Religion ihren
Platz in der Gesellschaft streitig zu machen - sie ist für viele
Menschen sehr hilfreich", so Prets.
Religionsfreiheit sei als Grundfreiheit selbstverständlich zu
erhalten, "das steht außer Streit", betonte die burgenländische
Europaabgeordnete. "Fundamentalismus kann in vielen Formen auftreten,
aber religiöser Fundamentalismus hat nun einmal den größten Einfluss
auf die Gesetze und Staatsformen."
Es könne unter Umständen sogar einen "Fundamentalismus der
Demokratie" geben, etwa in Ländern, in denen trotz demokratischer
Grundordnung die Todesstrafe existiere. "Es kann nicht sein, dass der
Staat bei Gesetzesübertretungen sagt: 'Du hast dem Gesetz nicht
entsprochen, deshalb bringe ich Dich jetzt um.'" Insbesondere die
Konservativen hätten das Recht der Frau auf die freie Entscheidung
über eine Schwangerschaft abgelehnt, bedauerte Prets.
Der Bericht selbst sei mit 242 zu 240 Stimmen angenommen
worden - bei 40 Enthaltungen. "Ich finde es verwunderlich, dass große
Mehrheiten bei gravierenden Punkten - etwa bei der Kritik jeder
Einschränkung der Menschenrechte, -würde oder körperlichen
Unversehrtheit - zugestimmt haben. Letztendlich wurde der Bericht
dann aber doch nur so knapp angenommen. Dabei handelt es sich ja gar
nicht um einen Legislativbericht - hier geht es darum, die Basis für
eine breite Debatte zu schaffen", schloss Prets. (Schluss) up/mp
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