- 11.03.2002, 15:58:48
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WirtschaftsBlatt-Kommentar Die Errichtung einer dritten Säule ist vorerst missglückt von Herbert Geyer=
Wien (OTS)- Die viel gepriesene Abfertigung neu war von den
Regierungsparteien stets als dritte Säule zur Pensionsvorsorge
gedacht neben der ständig schrumpfenden staatlichen Pension und
privater Vorsorge. Jetzt, wo die endgültigen Pläne vorliegen, lässt
sich sagen: Dieser Versuch ist missglückt. Die Abfertigungskassen
werden in absehbarer Zeit keinen wesentlichen Beitrag zur
Pensionssicherung leisten. Dafür gibt es drei gute Gründe: Ein
Jobverlust ist ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt, um für noch
schlechtere Zeiten vorzusorgen. Wer gekündigt wird und damit die
Chance hat, seine Abfertigung ausbezahlt zu bekommen, wird diese
Chance nutzen. Einerseits, um eine Überbrückungshilfe für die Zeit
der Arbeitslosigkeit zu haben, anderseits, um Anschaffungen zu
tätigen, für die sonst ein Kredit aufgenommen werden müsste vom
Auto bis zur neuen Küche. Und das ist auch wirtschaftlich vernünftig,
da die Rendite des Abfertigungssparens immer noch niedriger sein wird
als die Zinsen für einen Kredit. Die Steuerbegünstigung für die
Abfertigungs-Auszahlung als Pension (null Prozent gegenüber sechs
Prozent bei Einmal-Auszahlung) ist zu niedrig. Die sechs Prozent
entsprechen bloss der erwarteten Rendite von einem einzigen Jahr
und das ist als Preis für den Verzicht auf jegliche
Dispositionsfähigkeit für den Rest des Lebens eindeutig zu wenig.
Pensionssparen ist vor allem Vertrauenssache. Gerade in den letzten
Jahren hat es so tiefe unangekündigte Einschnitte in das
Pensionsrecht gegeben von der Nicht-Anrechnung der
Ausbildungszeiten über die überfallsartige Hinaufsetzung des
Frühpensions-Antrittsalters bis zur Besteuerung der Unfallrenten ,
dass wohl niemand daran glaubt, dass die steuerfreie Auszahlung der
Abfertigungs-Pension auch in 20, 30 Jahren noch gilt. Und es ist
tatsächlich schwer vorzustellen, dass die Auszahlung einer Pension,
die noch dazu steuerfrei angespart wurde, in 20 Jahren viel früher
ist mit nennenswerten Pensionszahlungen nicht zu rechnen nicht die
Begehrlichkeit jedes Finanzministers weckt. Dasselbe gilt übrigens
sicher auch für die En-bloc-Auszahlung des Abfertigungstopfes mit nur
sechs Prozent Steuer. Wer also die Chance hat, eine Abfertigung zu
kassieren: Sofort auszahlen lassen und privat veranlagen, bevor
sich¹s der Finanzminister anders überlegt. (Schluss) hg
Rückfragehinweis:
Wirtschaftsblatt
Redaktionstel. 91919-305
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