DER INTERNATIONALE FRAUENTAG - AKTUELL HEUTE WIE DAMALS Die Initiative der deutschen Frauenrechtlerin Clara Zetkin

Wien (PK) - Vor 91 Jahren, am 19. März 1911, fand der erste internationale Frauentag in Dänemark, Deutschland, Österreich,
der Schweiz und den USA statt. Am Wiener Ring demonstrierten an
die 20.000 Menschen insbesondere für das Wahlrecht der Frauen,
das letztendlich durch Art. 9 des Gesetzes über die Staats- und Regierungsform vom 12. November 1918 und das Gesetz über die Wahlordnung für die Konstituierende Nationalversammlung vom
18. Dezember des selben Jahres verwirklicht wurde. Als die Konstituierende Nationalversammlung am 4. März zusammentrat,
zogen die ersten acht weiblichen Abgeordneten ins Parlament ein. Adelheid Popp, eine Sozialdemokratin, war dann die erste Frau,
die im Parlament das Wort ergriff, und zwar in der Debatte über
das "Gesetz über die Aufhebung des Adels, der weltlichen Ritter-und Damenorden und gewisser Titel und Würden".

FRAUEN IM ÖSTERREICHISCHEN PARLAMENT

Der Internationale Frauentag ist somit nicht nur jährlicher
Anlass, auf noch immer vorhandene Ungleichbehandlung und Diskriminierung von Frauen hinzuweisen, sondern auch ein
Gedenktag für den Kampf um die politischen Rechte der Frauen. In den westlichen Demokratien haben Frauen auf gesetzlicher Ebene
zwar viel erreicht, ihre Repräsentation in den Institutionen der demokratischen Vertretungen entspricht aber noch lange nicht
ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung und ihrer Leistung, die sie auf sämtlichen Gebieten erbringen bzw. zu erbringen imstande wären, gäbe es nicht noch immer die "gläserne Decke". Da es aber auch Aufgabe der Politik ist, Signale für gewünschte
Entwicklungen zu setzen, ist es durchaus legitim, schon auf Grund des derzeitigen Frauenanteils im österreichischen Parlament den Schluss zu ziehen, dass der internationale Frauentag noch lange nicht ausgedient haben wird. Denn von den 183 Abgeordneten zum Nationalrat sind lediglich 52 Frauen (ca. 28,5 %), von den 64 BundesrätInnen 16 (25 %).

Bis 1949 hatte es gedauert, ehe eine Frau erstmals den Vorsitz
eines Ausschusses im Nationalrat übernahm. In der laufenden XXI. Gesetzgebungsperiode werden von insgesamt 34 Ausschüssen des Nationalrates lediglich 6 von Frauen geleitet (Familienausschuss, Gleichbehandlungsausschuss, Justizausschuss, Kulturausschuss, Ausschuss für Menschenrechte und Ausschuss für Petitionen und Bürgerinitiativen). In den 16 Ausschüssen des Bundesrates wurden immerhin 5 Obfrauen gewählt (Ausschüsse für Bildung, Wissenschaft und Kultur, für Frauenangelegenheiten, für soziale Sicherheit und Generationen, für Wirtschaft und Arbeit sowie Finanzausschuss).

Bis heute haben es nur zwei Frauen in das Präsidium des Nationalrates geschafft, und zwar Dr. Marga Hubinek als Zweite Präsidentin in den Jahren 1986 bis 1990 und Dr. Heide Schmidt als Dritte Präsidentin des Nationalrates von 1990 bis 1994. Der Bundesrat kann stolz darauf sein, in diesem Zusammenhang international eine Vorreiterrolle inne zu haben. So war
Bundesrätin Olga Rudel-Zeynek in der Zeit vom 1. Dezember 1927
bis 31. Mai 1928 und dann nochmals vom 1. Juni 1932 bis 30.
November 1932 Vorsitzende des Bundesrates. Sie war weltweit die erste Frau, die den Vorsitz in einer parlamentarischen Kammer
inne hatte. Gegenwärtig haben im Präsidium des Bundesrates die Frauen sogar die Mehrheit: Vorsitzende ist seit 1. Jänner 2002
Uta Barbara Pühringer, Vizepräsidentin ist Anna Elisabeth Haselbach, die dem Präsidium, auch als Vorsitzende, schon lange angehört.

DER FRAUENTAG - DAMALS EINE INITIATIVE DER ARBEITERBEWEGUNG,
HEUTE EIN ÜBERPARTEILICHES ANLIEGEN

War der Frauentag in seinen Anfängen eng verknüpft mit der ArbeiterInnenbewegung, so hat er sich doch von allzu starken
Fesseln parteipolitischer Einflüsse gelöst und wurde zu einer überparteilichen Plattform der Frauenbewegung, die - nach der aktuellen politischen Lage eines jeden Landes unterschiedlich akzentuiert - Themen wie "gleicher Lohn für gleichwertige
Arbeit", Gleichbehandlung auf dem Arbeitsmarkt, Förderung von Frauen in wissenschaftlichen Berufen, im Kunstbereich und in Spitzenpositionen der Wirtschaft, verstärkter Kampf gegen Diskriminierung und gegen Gewalt an Frauen und Kindern sowie
Rechte von AusländerInnen, aufgreift.

Das Datum für den ersten Frauentag wurde im Gedenken an die Gefallenen in Berlin während der Revolution 1848 gewählt. Die Initiative dafür ging von der deutschen Sozialistin Clara Zetkin (1857 - 1933) aus. Auf ihre Initiative beschloss die II. Internationale Sozialistische Frauenkonferenz am 27. August 1910
die Einführung eines jährlichen Frauentages für die Interessen der Frauen gegen mehrfache Unterdrückung und Ausbeutung. Die Festlegung auf den 8. März erfolgte im Jahr 1921 durch Beschluss der 2. kommunistischen Frauenkonferenz. Damit sollte an den
großen Textilarbeiterinnen-Streik in Petersburg 1917 erinnert werden, der auf andere Sektoren übergriff und den Beginn der Februarrevolution (nach russischem Kalender 23. Februar)
auslöste. Aber auch der 8. März 1857 stand für dieses Datum Pate, als Textilarbeiterinnen in New York in einer großen Demonstration gegen die miserablen Arbeitsbedingungen protestierten. Anderen Quellen zufolge, wurde der Tag im Gedenken an 129 Arbeiterinnen gewählt, die am 8. März 1908 zusammen mit anderen Arbeiterinnen ihrer Textilfabrik Cotton in New York in den Streik getreten
sind, von den Aufsehern in der Fabrik jedoch eingeschlossen
wurden und in den Flammen eines Brandes, der aus ungeklärten Gründen in der Fabrik ausgebrochen war, den Tod fanden. Während der NS-Zeit wurde der Frauentag verboten und durch den Muttertag ersetzt. Er wurde in Westeuropa erst in den späten 60-er Jahren durch autonome Frauenbewegungen wiederbelebt und gewann seit den 80-er Jahren wieder an Bedeutung. (Schluss)

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