- 06.03.2002, 10:16:28
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Maroni gerettet!
Seibersdorf (OTS) - Das Europäische Forschungsprogramm mit
Beteiligung von ARC Seiberdorf research zur Rettung der europäischen
Edelkastanie wurde erfolgreich abgeschlossen. Es gelang einen
Impfstoff zu entwickeln, der die Edelkastanie in Zukunft vor dem Tod
durch Pilzbefall bewahren kann. Außerdem konnte durch die
Forschungsarbeiten ein Genarchiv der Kastanie eingerichtet werden,
wodurch die lokalen österreichischen Kastaniensorten in ihrer
Vielfalt für die Zukunft erhalten bleiben.
Entwarnung für die Kastanienbäume in Österreich: Das Schicksal der
amerikanischen Edelkastanie wird ihnen erspart bleiben.
Was bisher geschah: Der Kastanienrindenkrebs führte zwischen 1900
und 1950 zur vollständigen Ausrottung der Edelkastanie in den USA. In
den 60er Jahren erreichte diese Epidemie Österreich. Vor allem die
Kastanienbäume im Burgenland und der Steiermark waren durch den
Pilzbefall bedroht. Die charakteristischen Zeichen sind abgestorbene
Blätter und aufgesprungene Rinden. Der "Kastanienrindenkrebs" ist
nicht zu verwechseln mit der Miniermotte, die den Rosskastanienbäumen
im Wiener Prater zu schaffen macht. Der für den "Baumkrebs"
verantwortliche Pilz gelangt über Verletzungen der Rinde in den Baum,
zerstört das umliegende Gewebe, lässt die Blätter welken und führt
schließlich zum Absterben des Baumes.
Was tun? Österreich initiierte ein europaweites
Forschungsprogramm, in dem eine biologische Bekämpfungsmethode
entwickelt werden sollte. Das Programm mit Beteiligung von ARC
Seibersdorf research startete 1996 und wurde soeben erfolgreich
abgeschlossen: So können in Zukunft sogenannte hypovirulente
Pilzstämme als Impfstoff (kurz: Hypovirulenz) gegen die
Krebserkrankung eingesetzt werden und damit den bereits bedrohten
österreichischen Edelkastanienbestand retten.
Um diesen "Impfstoff" entwickeln zu können, musste zuerst
festgestellt werden, welche Pilze welche Edelkastaniensorte bedrohen:
So sammelten die Seibersdorfer ForscherInnen insgesamt 1500 Proben
des Pilzes (Cryphonectria parasitica Murr.) und katalogisierte sie.
Auf diese Weise konnten insgesamt 15 Pilzgruppen, vegetative
Kompatibilitätsgruppen genannt, identifiziert werden. Dabei stellte
sich heraus, dass zwei von ihnen für 80% der erkrankten Kastanien
verantwortlich sind. In Zukunft soll in Zusammenarbeit mit einer
steirischen Firma der Impfstoff produziert und vertrieben werden,
damit bereits erkrankte Kastanien behandelt werden können.
Die Wirksamkeit des Impfstoffs hängt daneben auch von den
kastanienspezifischen Verteidigungsmaßnahmen, die der bestimmte Baum
bei einer Infektion trifft, ab: Dieses Abwehrsystem konnte im Zuge
des Projektes analysiert werden.
Edelkastanie im Glas
Quasi als Nebenprodukt ist aus diesem Forschungsprogramm auch ein
bei ARC Seibersdorf research angesiedeltes Genarchiv entstanden.
Diese in vitro Sammlung beherbergt Edelkastanien, welche in
Brutschränken wachsen. Damit soll eine "genetische Erosion"
verhindert werden. Genetische Erosion meint dabei den Verlust der
genetischen Diversität dieser Baumart. Bei Verringerung der
genetischen Vielfalt, kann die Edelkastanie nicht mehr angemessen auf
veränderte Umweltbedingungen, wie zum Beispiel Klimaänderungen,
reagieren. Das Genarchiv in Seibersdorf kann somit zur Erhaltung der
genetischen Vielfalt der Edelkastanie für die Zukunft beitragen.
Das Forschungsprogramm wurde durch das Bundesministerium für Land-
und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft sowie das
Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur unterstützt.
Rückfragehinweis:
Wolfgang Renner
Austrian Research Centers
Tel.: 050550-2046
mailto:[email protected]
Roman Tronner
communication matters
Tel.: 01/503-23-03 DW 27
mailto:[email protected]
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