Licht und Farbe, Dekoriertes Glas - Renaissance, Barock, Biedermeier

Die Sammlung Rudolf von Strasser, 12. März bis 30. Juni 2002, Kunsthistorisches Museum, Kunstkammer, Säle XIX und XX, http://www.khm.at

Wien (OTS) - Pressekonferenz: Montag, 11. März 2002 um 10.30 Uhr

Eine der letzten bedeutenden, noch privaten Glas-Kollektionen, die Glassammlung Rudolf von Strasser, wird der Öffentlichkeit zum ersten Mal komplett vorgestellt. Am 12. März 2002 eröffnet das Kunsthistorische Museum Wien unter dem Motto "Licht und Farbe. Dekoriertes Glas -- Renaissance, Barock, Biedermeier" die Ausstellung, die bis zum 30. Juni zu sehen ist. Die Sammlung Strasser wird in den Sälen XIX und XX der Kunstkammer ausgestellt, wo sie eine Ergänzung zu den berühmten Beständen der Kristall- und Halbedelsteingefäße darstellt.

Die heute rund 400 Gläser umfassende Sammlung wurde in mehr als fünfzigjähriger Sammlertätigkeit in Europa und den USA zusammengestellt. Für die Ausstellung ist nunmehr der gesamte Bestand in einem völlig überarbeiteten und wissenschaftlich erweiterten Katalog erfaßt worden, der vom Sammler in Zusammenarbeit mit Dr. Sabine Baumgärtner geschrieben wurde. Jedes Objekt der Sammlung ist zum Teil mehrfach illustriert und nach dem letzten Stand der Literatur zugeordnet, wodurch ein neues Standardwerk auf dem Gebiet der Glasgeschichte geschaffen wurde.

Einer der Schwerpunkte dieser Sammlung liegt im Renaissance-Bereich, dort, wo die Glaskunst der Venezianer auf das Interesse mitteleuropäischer Fürsten trifft, die sich dem neuen Stil der Renaissance und den geistigen Tendenzen des Humanismus anschlossen. Der hier mit ausgestellte, von Prof. Strasser 1999 dem Kunsthistorischen Museum geschenkte "Petronellische Willkhumb", vermutlich ein Geschenk des ungarischen Königs Matthias Corvinus an den Schloßbesitzer von Petronell, Johannes von Kranichberg (1487), verkörpert ebenso wie das sogenannte "Puchheim Ziborium" jene sich im

15. und 16. Jahrhundert immer enger gestaltende Beziehung zwischen mitteleuropäischen Repräsentationsinteressen und venezianischer Glaskunst.

Einen ebenso breiten Bestand bilden die durch Emailmalerei dekorierten Gläser, die das allmähliche Entstehen des Bürgertums und des Standes der Handwerker signalisierten. Böhmische, süddeutsche, Tiroler und sächsische Hütten übernehmen auch hier die venezianische Tradition und sind durch frühe Humpen reich vertreten.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die mit dem Rade geschnittenen Barockgläser. Die sich aus dem Steinschnitt der Renaissance entwickelnde Glasgravur hat sich insbesondere am Prager und Dresdner Hof entfaltet. In der Sammlung befindet sich eine von Kaspar Lehmann gravierte Scheibe, die ebenso wie das Zylinderglas mit dem Urteil des Paris von Lehmanns Eleven, dem später in Nürnberg berühmt gewordenen Graveur Georg Schwanhardt d. Ä. geschnitten wurde und zu den Inkunabeln des Glasschnitts zählt. Andere große Graveure aus Nürnberg im 17. Jahrhundert sind in der Sammlung ebenso vertreten wie die bedeutenden Glasschneider aus Böhmen, Schlesien, Thüringen, Sachsen und Potsdam im 18. Jahrhundert Der Katalog versucht, ihre individuelle Handschrift festzuhalten.

Die noch an den Steinschnitt der Renaissance anknüpfenden Gläser mit schlesischem Hochschnittdekor sind eindrucksvolle Repräsentanten des barocken Lebensstils.
Die Glasdekoration in den Niederlanden, eine der wichtigen Niederlassungen venezianischer Glaskunst, ist sowohl durch sehr frühe Gläser als auch durch Arbeiten bekannter Meister des 18. Jahrhunderts repräsentiert. Die zu Beginn des 18. Jahrhunderts in Schlesien und Böhmen vor allem durch Ignaz Preißler vertretene Schwarzlotmalerei ist durch Arbeiten gekennzeichnet, die direkt aus der Sammlung seines Mäzens, des Fürsten Kolowrat stammen und gleichfalls Inkunabeln anzusehen sind.

Im 19. Jahrhundert wird der Schwerpunkt der Sammlung durch Hauptwerke der beiden prominenten Träger der Transparentmalerei, Kothgasser und Mohn, gesetzt, die die Tradition der Porzellandekoration auf Glas zu einem neuen Höhepunkt führen. Auch die anderen wichtigen Glasschneider des Biedermeier und Nachbiedermeier sind durch bedeutende Gravuren repräsentiert.

Öffnungszeiten
Dienstag bis Sonntag10 bis 18 Uhr

Katalog
Zur Ausstellung erscheint ein ausführlicher, wissenschaftlich bearbeiteter Katalog.

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