"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Absage ans Monumentale

Ausgabe vom 03.03.2002

Auffallend ist einmal, dass sich LH Haider einigermaßen bedeckt hält. Zur Tatsache, dass Rot und Schwarz im Klagenfurter Gemeinderat die Wörthersee-Arena abgeschmettert haben, meinte der Landeshauptmann (in einem ORF-Interview) vergleichsweise moderat, damit falle kein Ruhmesblatt auf die Stadt. Mag sein, dass Haider auf diese Weise vom holprig, unausgegoren erfolgten Vorbereitungsprozess der städtischen Freiheitlichen ablenken möchte. FP-Vizebürgermeister Mario Canori hat sich im Abseits verfangen. Es ist ihm nicht gelungen, SP und VP zu überdribbeln. Seine Präsentation des Gesamtprojekts war zwar plakativ. Aber eben auch nur ein Husch-Pfusch-Akt.

Man bedenke: Die nördlich von Minimundus vorgesehen gewesene Wörthersee-Arena hätte den klotzigen ÖDK-Bau deutlich überragt. Das inkludierte Hotel wäre an die 70 Meter (!) in den Himmel gewachsen -inakzeptabel monströser Betonpfahl im lieblichen Fleisch des Klagenfurter Stadt- und Weichbildes.

Gewiss: Vielen Sportfans ist die Errichtung eines Stadion- und Hotelmolochs wichtiger als eine behutsam vorgetragene städtebauliche Dimension. In aktuellen Zeitungskommentaren werden Stadtpolitiker mit Platzverweis bedroht. Die KTZ-Sportredaktion beispielsweise formulierte ihre Verbitterung über den "Zusammenbruch" der Wörthersee-Arena, ihren Zorn über angeblichen Wortbruch involvierter Kommunalpolitiker besonders scharf. Andererseits schätzt sich ein Großteil der Bevölkerung glücklich, den Europapark, dieses landschaftsarchitektonische Schmuckstück, vor weiterer Einschnürung nunmehr verschont zu wissen.

Arena plus Riesenhotel und Einkaufszentrum sind nicht nur aus gesamtstädtischer Perspektive heraus abzulehnen. Ein derart "brutaler" Komplex würde der Erholungszone Europapark praktisch das Aus bescheren. Weitere Autowüsten, Zufahrtssysteme, Abgas- und Lärmterror wären jedenfalls - im Verein mit einer am Strandbad klebenden, hässlichen Großbühne alles andere denn Glanzlichter für den schönen Naturraum Klagenfurt-See.

Bleibt zu sagen: Eine tolle Sportstätte zu bauen, täte dem Land gut, ist - vor dem Hintergrund der gegebenen Fußball-EM-Chance bekanntlich unabdingbar. An Ideen mangelt es keineswegs. Das zerbröckelnde Waidmannsdorfer Stadion zu schleifen und an seiner Stelle etwas Neues, aber nicht maßlos Hypertrophes zu schaffen, scheint nicht die schlechteste Variante zu sein. Der Schlusspfiff im Entscheidungsmatch ertönt in wenigen Tagen, am 27. März. Viel Zeit für letzte Gelegenheiten, im Parteienkarussell über Entschlossenheit hinaus Geschlossenheit zu zeigen, bleibt also nicht.

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