Pressestimmen/Vorausmeldung/Politik "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Fakten statt Phantasien

Ausgabe vom 2. März 2002 Klagenfurt (OTS) - Fakten statt Phantasien - Der Glaube des Menschen, das Andere zu kennen, ist das Ende aller Liebe, schrieb einst Max Frisch. Wie hilflos dieser Umgang mit dem Anderen, dem Fremden in unserer Gesellschaft gerade bei jenen ist, die das Fremde zu kennen glauben, aber nie kennen gelernt haben, zeigt sich in einer Analyse der Migrationsbewegungen. Während in Deutschland das Zuwanderungsgesetz vor der letzten Hürde steht, belegt eine Studie der deutschen Bundesausländerbeauftragten Marieluise Beck eine altbekannte Verhaltensweise. Ausgerechnet dort, wo in Deutschland der Ausländeranteil an der Bevölkerung am geringsten ist, nämlich in den neuen Bundesländern, zeigen sich ablehnende Reaktionen gegenüber Zuwanderern. Etwa in Sachsen und Brandenburg ist der Anteil mit rund zwei Prozent sehr gering, in Mecklenburg liegt er bei 1,8 Prozent, in Sachsen-Anhalt und Thüringen bei je 1,7 Prozent. Dieses Schema kommt allen bekannt vor, die das Feilschen um nur noch mit der Lupe zu suchenden Ausländerquoten in Kärnten verfolgt haben. Ausländerfeindlichkeit hat mit Migranten nichts zu tun. Meist liegen ihr irrationale Ängste zu Grunde, die von Polit-Hasadeuren in Ablenkungsmanövern geschürt werden. Dieser Populismus greift umso besser, je aussichtsloser die soziale Situation der "Inländer" ist. Ein zu wenig dicht geknüpftes Sozialnetz, schlechte Wirtschaftsdaten und Arbeitslosigkeit, unter der gerade auch viele Menschen in den neuen deutschen Bundesländern leiden, begünstigen Populismus dieser Art - übrigens nicht nur in Deutschland.

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