Molterer: Ratifizierung des Kyoto-Abkommens rückt näher

Maßnahmenbündel für nationale Klimastrategie geschnürt

Wien, 21. Februar 2002 (AIZ). - Umwelt- und Landwirtschaftsminister Wilhelm Molterer zeigte sich zuversichtlich, dass Österreich den Ratifizierungsprozess für das Klimaschutzabkommen von Kyoto in den kommenden Wochen abschließen wird. "Die Bundesregierung ist sich einig, im März kann daher die parlamentarische Behandlung des Abkommens beginnen", erklärte Molterer am Mittwoch im Rahmen der Verleihung des von der Österreichischen Hagelversicherung gestifteten und erstmals vergebenen Klimaschutzpreises in Wien. Die eigentliche Umsetzung des Abkommens wird in einem nationalen Maßnahmenkatalog festgeschrieben, so der Ressortchef. In den kommenden Wochen wird über dieses Papier mit den Bundesländern verhandelt.

Österreich hat sich im Sinne des Kyoto-Protokolls verpflichtet, seine Emissionen von Treibhausgasen bis zum Zeitraum 2008/2012 um 13% gegenüber 1990/1995 zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen, soll die nationale Klimastrategie ein Bündel von Maßnahmen aus allen relevanten Sektoren enthalten: Energienutzung, Raumwärme, Industrie, Verkehr, Land-, Forst- und Abfallwirtschaft. Molterer räumte ein, noch keinen Konsens mit dem Finanzministerium über das Finanzvolumen für diese nationale Klimastrategie zu haben. Er sei aber optimistisch, eine schnelle Einigung darüber zu finden. Molterer wies neuerlich auf eine Studie des Umwelt- und Landwirtschaftsministeriums aus dem Vorjahr hin, wonach Investitionen im Klimaschutz auch "ökonomisch Sinn machen". In den nächsten zehn Jahren sind durch eine Verringerung der CO2-Emissionen zusätzliche Investitionen, sinkende Energieausgaben, bis zu 25.000 neue Arbeitsplätze und ein Beitrag zur Senkung des Nettodefizits zu erwarten.

Klimaschutz geht jeden an

Molterer will jedenfalls in die Steuerreformdiskussion eine ökologische Dimension miteinbeziehen. "Klimaschutz ist keine Aufgabe, die der Umweltminister alleine lösen kann, er geht jeden an", bekräftigte Molterer die Bedeutung einer nachhaltigen Klimastrategie. Auf globaler Ebene fordert er einen rechtlichen Rahmen für die Umsetzung der internationalen Abkommen ein. "Internationales Umweltrecht muss international einklagbar sein", so Molterer. Positiv wertet Molterer die Vereinbarung von Doha, Umweltanliegen in die WTO-Verhandlungsrunde aufgenommen zu haben. Er hofft auf weitere Impulse im Sinne eines globalen Klimaschutzes im Rahmen des Welt-Erdgipfels in Johannesburg im September. Denn es sei ein unbestrittenes Faktum, dass der Klimawandel die größte umweltpolitische Herausforderung dieser Zeit ist, stellte Molterer unmissverständlich klar.

Der Mensch als größter Verursacher der globalen Erwärmung

"Wir sind mitten im Klimawandel drin", bestätigte Helga Kromp-Kolb vom Institut für Meteorologie und Physik der Universität für Bodenkultur. In den vergangenen 150 Jahren habe sich die weltweite Oberflächentemperatur um 0,6 Grad erwärmt. Allein in Europa ist ein Anstieg von 0,8 Grad zu verzeichnen. Ein vorzeitiger Frühlingsbeginn und ein länger andauernder Sommer sind die bereits merklichen Folgen. Vögel reagieren bereits mit früheren Schlüpfdaten. "Die Erderwärmung geht schneller voran als befürchtet", so die Universitätsprofessorin. "Es mehren sich die Indizien, dass wir Menschen die Verursacher des weltweit zu beobachtenden Temperaturanstiegs sind", führte Kromp-Kolb aus. So hat der Temperaturanstieg in den verschiedenen Weltregionen verschiedenste Auswirkungen.

Österreich: Abschmelzen der Gletscher und kürzere Dauer der Schneedecke

In den deutschsprachigen Ländern ist die Erwärmung sogar überdurchschnittlich, in Österreich waren es im vergangenen Jahrhundert im Sommerhalbjahr 1,2 und im Winterhalbjahr 1 Grad. Ein weiteres Fakt für die Erwärmung ist das Abschmelzen der österreichischen Gletscher. Bei einem Großteil der Gletscher ist trotz vermehrter Niederschläge ein Rückgang zu verbuchen. Messbar ist auch ein Rückgang der durchschnittlichen Dauer der Schneedecke vor allem in tiefer gelegenen Regionen. Außerdem rückt die so genannte Permafrostgrenze in den Alpen nach oben, also der Bereich, der auch im Sommer gefroren bleibt. "Dadurch verlieren Skilifte oder Lawinenverbauungen, die in diesen Böden verankert sind, an Stabilität. Vermehrt ist mit Muren und Felsstürzen zu rechnen."

Alpen besonders empfindlich gegenüber Klimaänderungen

Die alpine Umwelt könnte durch globale Klimaänderungen besonders stark unter Druck geraten, meint die Expertin. Zum einen sind Gebirgsregionen besonders empfindlich gegenüber Klimavariationen, wie zum Beispiel die Schwankungen der Schnee- und der Baumgrenze, zum anderen weil der alpine Raum im Einflussbereich von vier Klimaten - mediterran, atlantisch, kontinental und polar - liegt und eine globale Klimaänderung sich in der Verschiebung der relativen Bedeutung dieser vier Klimate äußern würde. Dies bedeutet, dass Änderungen im alpinen Raum überproportional ausfallen könnten. Es sind auch nicht nur quantitative Änderungen zu betrachten - zum Beispiel der Niederschlagsmenge - sondern auch qualitative, ob der Niederschlag als Regen oder als Schnee fällt.

Noch mehr Forschung nötig

Die Ermittlung von Szenarien für den Alpinen Raum ist wegen der ausgeprägten Topografie besonders schwierig - und alle bisherigen Versuche können nur als erste Abschätzungen gesehen werden, gab Kromp-Kolb zu. "Wir müssen unser Wissen erweitern, um auch für kleinräumige Fragestellungen und lokale Regionen zu fundierten Aussagen zu kommen", so die Professorin. Es stehe außer Zweifel, dass jede Wetterkapriole und jeder Einfluss auf die klimatischen Bedingungen der unbelebten und belebten Natur eine ökonomische Dimension mit sich bringt.
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