• 21.02.2002, 12:41:14
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Molterer: Ratifizierung des Kyoto-Abkommens rückt näher

Maßnahmenbündel für nationale Klimastrategie geschnürt

Wien, 21. Februar 2002 (AIZ). - Umwelt- und Landwirtschaftsminister
Wilhelm Molterer zeigte sich zuversichtlich, dass Österreich den
Ratifizierungsprozess für das Klimaschutzabkommen von Kyoto in den
kommenden Wochen abschließen wird. "Die Bundesregierung ist sich
einig, im März kann daher die parlamentarische Behandlung des
Abkommens beginnen", erklärte Molterer am Mittwoch im Rahmen der
Verleihung des von der Österreichischen Hagelversicherung
gestifteten und erstmals vergebenen Klimaschutzpreises in Wien. Die
eigentliche Umsetzung des Abkommens wird in einem nationalen
Maßnahmenkatalog festgeschrieben, so der Ressortchef. In den
kommenden Wochen wird über dieses Papier mit den Bundesländern
verhandelt.

Österreich hat sich im Sinne des Kyoto-Protokolls verpflichtet,
seine Emissionen von Treibhausgasen bis zum Zeitraum 2008/2012 um
13% gegenüber 1990/1995 zu reduzieren. Um dieses Ziel zu erreichen,
soll die nationale Klimastrategie ein Bündel von Maßnahmen aus allen
relevanten Sektoren enthalten: Energienutzung, Raumwärme, Industrie,
Verkehr, Land-, Forst- und Abfallwirtschaft. Molterer räumte ein,
noch keinen Konsens mit dem Finanzministerium über das Finanzvolumen
für diese nationale Klimastrategie zu haben. Er sei aber
optimistisch, eine schnelle Einigung darüber zu finden. Molterer
wies neuerlich auf eine Studie des Umwelt- und
Landwirtschaftsministeriums aus dem Vorjahr hin, wonach
Investitionen im Klimaschutz auch "ökonomisch Sinn machen". In den
nächsten zehn Jahren sind durch eine Verringerung der CO2-Emissionen
zusätzliche Investitionen, sinkende Energieausgaben, bis zu 25.000
neue Arbeitsplätze und ein Beitrag zur Senkung des Nettodefizits zu
erwarten.

Klimaschutz geht jeden an

Molterer will jedenfalls in die Steuerreformdiskussion eine
ökologische Dimension miteinbeziehen. "Klimaschutz ist keine
Aufgabe, die der Umweltminister alleine lösen kann, er geht jeden
an", bekräftigte Molterer die Bedeutung einer nachhaltigen
Klimastrategie. Auf globaler Ebene fordert er einen rechtlichen
Rahmen für die Umsetzung der internationalen Abkommen ein.
"Internationales Umweltrecht muss international einklagbar sein", so
Molterer. Positiv wertet Molterer die Vereinbarung von Doha,
Umweltanliegen in die WTO-Verhandlungsrunde aufgenommen zu haben. Er
hofft auf weitere Impulse im Sinne eines globalen Klimaschutzes im
Rahmen des Welt-Erdgipfels in Johannesburg im September. Denn es sei
ein unbestrittenes Faktum, dass der Klimawandel die größte
umweltpolitische Herausforderung dieser Zeit ist, stellte Molterer
unmissverständlich klar.

Der Mensch als größter Verursacher der globalen Erwärmung

"Wir sind mitten im Klimawandel drin", bestätigte Helga Kromp-Kolb
vom Institut für Meteorologie und Physik der Universität für
Bodenkultur. In den vergangenen 150 Jahren habe sich die weltweite
Oberflächentemperatur um 0,6 Grad erwärmt. Allein in Europa ist ein
Anstieg von 0,8 Grad zu verzeichnen. Ein vorzeitiger Frühlingsbeginn
und ein länger andauernder Sommer sind die bereits merklichen
Folgen. Vögel reagieren bereits mit früheren Schlüpfdaten. "Die
Erderwärmung geht schneller voran als befürchtet", so die
Universitätsprofessorin. "Es mehren sich die Indizien, dass wir
Menschen die Verursacher des weltweit zu beobachtenden
Temperaturanstiegs sind", führte Kromp-Kolb aus. So hat der
Temperaturanstieg in den verschiedenen Weltregionen verschiedenste
Auswirkungen.

Österreich: Abschmelzen der Gletscher und kürzere Dauer der
Schneedecke

In den deutschsprachigen Ländern ist die Erwärmung sogar
überdurchschnittlich, in Österreich waren es im vergangenen
Jahrhundert im Sommerhalbjahr 1,2 und im Winterhalbjahr 1 Grad. Ein
weiteres Fakt für die Erwärmung ist das Abschmelzen der
österreichischen Gletscher. Bei einem Großteil der Gletscher ist
trotz vermehrter Niederschläge ein Rückgang zu verbuchen. Messbar
ist auch ein Rückgang der durchschnittlichen Dauer der Schneedecke
vor allem in tiefer gelegenen Regionen. Außerdem rückt die so
genannte Permafrostgrenze in den Alpen nach oben, also der Bereich,
der auch im Sommer gefroren bleibt. "Dadurch verlieren Skilifte oder
Lawinenverbauungen, die in diesen Böden verankert sind, an
Stabilität. Vermehrt ist mit Muren und Felsstürzen zu rechnen."

Alpen besonders empfindlich gegenüber Klimaänderungen

Die alpine Umwelt könnte durch globale Klimaänderungen besonders
stark unter Druck geraten, meint die Expertin. Zum einen sind
Gebirgsregionen besonders empfindlich gegenüber Klimavariationen,
wie zum Beispiel die Schwankungen der Schnee- und der Baumgrenze,
zum anderen weil der alpine Raum im Einflussbereich von vier
Klimaten - mediterran, atlantisch, kontinental und polar - liegt und
eine globale Klimaänderung sich in der Verschiebung der relativen
Bedeutung dieser vier Klimate äußern würde. Dies bedeutet, dass
Änderungen im alpinen Raum überproportional ausfallen könnten. Es
sind auch nicht nur quantitative Änderungen zu betrachten - zum
Beispiel der Niederschlagsmenge - sondern auch qualitative, ob der
Niederschlag als Regen oder als Schnee fällt.

Noch mehr Forschung nötig

Die Ermittlung von Szenarien für den Alpinen Raum ist wegen der
ausgeprägten Topografie besonders schwierig - und alle bisherigen
Versuche können nur als erste Abschätzungen gesehen werden, gab
Kromp-Kolb zu. "Wir müssen unser Wissen erweitern, um auch für
kleinräumige Fragestellungen und lokale Regionen zu fundierten
Aussagen zu kommen", so die Professorin. Es stehe außer Zweifel,
dass jede Wetterkapriole und jeder Einfluss auf die klimatischen
Bedingungen der unbelebten und belebten Natur eine ökonomische
Dimension mit sich bringt.
(Schluss) ek

Rückfragehinweis: AIZ - Agrarisches Informationszentrum, Pressedienst

Tel: 01/533-18-43, mailto:[email protected]
http://www.aiz.info
FAX: (01) 535 0438

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