- 20.02.2002, 08:26:06
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"Vorarlberger Nachrichten" Kommentar: "Achsen der Vernunftl" (von Kurt Horwitz)
Ausgabe vom 20.02.2002
Schwarzach (OTS) - Seit gestern hat Jörg Haider neben Dieter
Böhmdorfer und Herbert Haupt einen weiteren Vertrauensmann in der
Regierung. Mathias Reichhold ist nicht nur Kärntner, er gilt auch als
hundertprozentig loyaler Mitstreiter seines einstigen Parteichefs.
Sachlich ist der rasche Wechsel mehr als gerechtfertigt. Monika
Forstinger mag ihre Qualitäten gehabt haben - auf dem glatten
politischen Parkett war sie jedenfalls fehl am Platz und eine klar
erkennbare Schwachstelle in der Regierung. Leicht haben wird es ihr
Nachfolger dennoch nicht: Nicht nur die Opposition, auch der
Koalitionspartner und nicht zuletzt das Fähnlein der
regierungswilligen Freiheitlichen wird mit Argusaugen beobachten, ob
Reichhold nur das Vollzugsorgan Haiderscher Aufträge ist, oder
eigenständig Politik betreibt.
Begnügt sich der frischgebackene Minister mit der Rolle als
Sprachrohr des Kärntner Landeshauptmanns, dann ist der nächste Krach
programmiert. Auf Dauer wäre ein ferngesteuerter Reichhold weder für
die VP-Chefs in den anderen Bundesländern noch für die halbwegs
vernunftbegabten Regierungskollegen rund um Parteichefin Riess-Passer
zu akzeptieren. Es gibt aber längst auch mehrere Achsen der Vernunft,
und zwar sowohl zwischen ÖVP und FPÖ wie auch innerhalb der FPÖ. Dazu
zählen unter anderen die Minister Grasser, Strasser und Scheibner,
aber seit neuestem auch FP-Klubchef Westenthaler und nicht zuletzt
Hubert Gorbach als neues Mitglied des Koalitionsausschusses. Sie alle
haben in den letzten Tagen erkennen lassen, dass sie sich ein
politisches Leben auch ohne Jörg Haider vorstellen können.
Wenn sich diese Kräfte durchsetzen, haben die Regierungspartner
eine Chance, zu vernünftiger Arbeit zurück zu finden und mit Anstand
die nächsten Wahlen zu schlagen. Andernfalls ist das schwarz-blaue
Experiment demnächst zu Ende. Jörg Haider wird dann die Genugtuung
haben, dass ohne ihn bei den Freiheitlichen nichts geht - mit ihm
aber eben erst recht nicht.
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