• 14.02.2002, 17:35:43
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DER STANDARD-Kommentar: "Die neue Heimatrolle" (von Gerfried Sperl) -

Erscheinungstag 15.2.2002

Wien (OTS) - Sich Asche auf das Haupt zu streuen ist Jörg Haiders
Sache nicht. Auch dann nicht, wenn er mit seinen
Aschermittwoch-Auftritten Empörung erntet. Im Vorjahr hat er Ariel
Muzicant beleidigt, mit dem entsprechenden Nachspiel. Diesmal ist er
auf Ludwig Adamovich losgegangen, dem er über die Berichterstatter
ausrichten ließ: Wenn man so heiße, "muss man sich zuerst einmal
fragen, ob er eine aufrechte Aufenthaltsgenehmigung hat".

Viele seiner Fans werden das wieder recht witzig finden und die
Kritik an Haider abgrundtief bös. Andere wiederum werden dafür
plädieren, den Bärenthaler zu ignorieren. So als könnte man ihn
stoppen. Nein, er würde sich mit anderen Mitteln Gehör verschaffen.
Deshalb haben alle taktischen Argumente in den Hintergrund zu treten.
Haider ist ein Wiederholungstäter, dem das Rechtsbewusstsein abhanden
gekommen ist. Einer, der die Freiräume der Demokratie benützt, um
Menschen niederzumachen. Um wie in den Fällen Muzicant und Adamovich
Österreicher zu "Fremden in der Heimat" zu erklären.

Haiders Ausfälle zeigen, dass er lieber ein "Deutsch-Österreich"
hätte, wo alle Haider oder Huber und Passer oder Grasser heissen. Die
österreichische Staatsbürgerschaft der alten Familien unter den
Habsburgern reicht ihm nicht. Und Arbeit für Österreich über mehrere
Generationen offenbar auch nicht. Man braucht die von ihm
approbierte, von der Kärntner Volkskammer ausgestellte Heimatrolle.

Ein Glück, dass Peter Westenthaler nicht mehr Hojac heisst. Aber
wer weiß? Und ein Glück für Pressesekretär Karl Heinz Petritz, dass
er mit seinem Chef ganz eng ist. Aber vielleicht wird auch er
dereinst nach einer Aufenthaltsbewilligung gefragt. Wenn ihm Haider
die Liebe entziehen sollte.

Rückfragehinweis: Der Standard
Tel.: (01) 531 70/428

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PST/OTS

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