DER STANDARD-Kommentar: "Die neue Heimatrolle" (von Gerfried Sperl) -

Erscheinungstag 15.2.2002

Wien (OTS) - Sich Asche auf das Haupt zu streuen ist Jörg Haiders Sache nicht. Auch dann nicht, wenn er mit seinen Aschermittwoch-Auftritten Empörung erntet. Im Vorjahr hat er Ariel Muzicant beleidigt, mit dem entsprechenden Nachspiel. Diesmal ist er auf Ludwig Adamovich losgegangen, dem er über die Berichterstatter ausrichten ließ: Wenn man so heiße, "muss man sich zuerst einmal fragen, ob er eine aufrechte Aufenthaltsgenehmigung hat".

Viele seiner Fans werden das wieder recht witzig finden und die Kritik an Haider abgrundtief bös. Andere wiederum werden dafür plädieren, den Bärenthaler zu ignorieren. So als könnte man ihn stoppen. Nein, er würde sich mit anderen Mitteln Gehör verschaffen. Deshalb haben alle taktischen Argumente in den Hintergrund zu treten. Haider ist ein Wiederholungstäter, dem das Rechtsbewusstsein abhanden gekommen ist. Einer, der die Freiräume der Demokratie benützt, um Menschen niederzumachen. Um wie in den Fällen Muzicant und Adamovich Österreicher zu "Fremden in der Heimat" zu erklären.

Haiders Ausfälle zeigen, dass er lieber ein "Deutsch-Österreich" hätte, wo alle Haider oder Huber und Passer oder Grasser heissen. Die österreichische Staatsbürgerschaft der alten Familien unter den Habsburgern reicht ihm nicht. Und Arbeit für Österreich über mehrere Generationen offenbar auch nicht. Man braucht die von ihm approbierte, von der Kärntner Volkskammer ausgestellte Heimatrolle.

Ein Glück, dass Peter Westenthaler nicht mehr Hojac heisst. Aber wer weiß? Und ein Glück für Pressesekretär Karl Heinz Petritz, dass er mit seinem Chef ganz eng ist. Aber vielleicht wird auch er dereinst nach einer Aufenthaltsbewilligung gefragt. Wenn ihm Haider die Liebe entziehen sollte.

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