- 08.02.2002, 11:07:14
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Wiener VP zu Stromlösung (2): Wienstrom-Strukturen sind ineffizient und stark reformbedürftig
VP-Klubchef TSCHIRF kritisiert hohe Organisationskosten bei Wienstrom und erneuert Kritik am KWK-Zuschlag
Wien (ÖVP-Klub) Heftige Kritik übte VP-Klubobmann Dr. Matthias
TSCHIRF bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Wiener VP-Chef
GÖRG an den Organisationskosten von Wienstrom. "Die Strukturen von
Wienstrom sind äußerst ineffizient und reformbedürftig", meint
TSCHIRF. Bei der Produktivität und der Effizienz schneidet Wienstrom
im Vergleich zu anderen österreichischen EVUs äußerst schlecht ab.
"Während beim Verbund auf einen Mitarbeiter ein Stromabsatz von 11,7
GWh pro Jahr kommt, "leistet" ein Mitarbeiter von Wienstrom jährlich
nur 3,32 GWh", weiß der VP-Klubobmann. In absoluten Umsatzzahlen
bedeutet dies: Ein Verbund-Mitarbeiter leistet jährlich 388.000 €
Umsatz, ein Wienstrom-Mitarbeiter nur 233.000 €.
Ähnlich schlecht gestalten sich die Absatzsteigerungen bei Wienstrom:
Der Verbund steigerte seinen Absatz seit 1997 um rund 30 % steigern
konnte, Wienstrom im gleichen Zeitraum nur um 3 %. "Diese Werte
sprechen eine deutliche Sprache", so TSCHIRF. "Egal ob Wienstrom
Kooperationen eingeht oder fusioniert, in jedem Fall muss es
sichtbare Steigerungen der Effizienz und merkbare Verbesserungen bei
der Personalstruktur geben."
Auch bei den Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz liegt Wienstrom
hinter dem Verbund. Während der Verbund im Zeitraum von 1997 bis 2000
1048 Posten eingespart hat (minus 23,6 %), hat man bei Wienstrom im
gleichen Zeitraum nur 294 Mitarbeiter (minus 7,1 %) einsparen können.
Der Personalstand der beiden Unternehmen war davor in Zahlen etwa
gleich hoch.
Belegschaftsvertreter müssen kooperieren, um Bestand des
Unternehmens zu sichern
TSCHIRF erinnerte daran, dass für eine Verschränkung oder einen
Verkauf von Anteilen an Wienstrom auch die Zustimmung der
sozialistischen Belegschaftsvertreter notwendig sei. Dies ist in den
Satzungen der ausgegliederten Wiener Stadtwerke festgehalten. "Ich
kann nur hoffen, dass die Belegschaftsvertreter auch wirklich im
Sinne und im Interesse ihrer Belegschaft handeln und sich einer
solchen Maßnahme im Fall des Falles nicht verschließen. Derzeit sei
es nämlich so, dass das Unternehmen sich nicht durchführbare
Einsparungsmöglichkeiten über Preiserhöhungen (Stromsteuer,
KWK-Zuschlag) bei den Kunden zurückholt. "Auf Dauer", fürchtet
TSCHIRF, "ist das natürlich ein enormer Wettbewerbsnachteil für das
Unternehmen, weil es sich in Geiselhaft der Belegschaftsvertreter
begeben hat." Innerhalb des Unternehmens müsse es rasch zu einer
Veränderung der Strukturen kommen, damit die Kosten gesenkt werden
können. "Wienstrom hat derzeit exorbitant hohe Organisationskosten,
die das Unternehmen - wenn es weiterhin als Einzelunternehmen agiert
- in ernsthafte Schwierigkeiten bzw. in den Zerfall führen werden",
so der VP-Klubobmann. "Damit wären natürlich auch mittelfristig
tausende Arbeitsplätze gefährdet."
KWK-Zuschlag ist unsozial und ungerecht
An der Höhe des Wiener KWK-Zuschlags übte der VP-Klubchef erneut
heftige Kritik. Durch eine Verordnung des Wiener Landeshauptmannes
Häupl ist derzeit ein KWK-Zuschlag von 10,22 Groschen pro
Kilowattstunde Bestandteil des Wiener Strompreises. "Die Höhe dieses
Zuschlages ist vollkommen ungerechtfertigt und wird von Experten
heftig bekämpft", empört sich TSCHIRF. "Auch der Stromregulator - die
E-Control - hält die Höhe dieser neuen Wiener Stromsteuer für völlig
unangemessen." Fachleute geben einen KWK-Zuschlag von drei bis sechs
Groschen je Kilowattstunde als angemessen an, in der Steiermark
beträgt dieser Zuschlag knapp unter 3 Groschen.
Mittlerweile gibt es nicht nur in Wien massiven Widerstand gegen
diese ungerechtfertigt hohe Abgabe, die vor allem die Bezieher von
Kleinsteinkommen belastet. Selbst aus Rieders und Häupls eigenem
Parteilager, konkret aus der SPÖ-Niederösterreich, kommt Widerstand.
Sogar der niederösterreichische SP-Wirtschaftssprecher LAbg. Wolfgang
MOTZ übte heftige Kritik am Wiener KWK-Zuschlag und meinte, dass
diese Steuer "dem europäischen Prinzip der Stromliberalisierung"
widerspreche. Die niederösterreichischen Sozialpartner lassen
derzeit ein Gutachten über die Verfassungskonformität der neuen
Wiener Steuer anfertigen.
Die Liste der Kämpfer gegen diese neue Belastung wird immer länger.
In den letzten Monaten haben sich zahlreiche Unternehmen und
Gruppierungen, wie etwa Arbeiter- und Wirtschaftskammer, die
Aufsichtsbehörde E-Control, u.v.a. gegen diese Steuer ausgesprochen
und Widerstand angekündigt.
(schluss)
Rückfragehinweis: ÖVP-Klub der Bundeshauptstadt Wien
Daniel KOSAK (Pressesprecher)
Tel.: (01) 4000 / 81 915
Fax: (01) 4000 / 99 819 15
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