Wiener VP zu Stromlösung (2): Wienstrom-Strukturen sind ineffizient und stark reformbedürftig

VP-Klubchef TSCHIRF kritisiert hohe Organisationskosten bei Wienstrom und erneuert Kritik am KWK-Zuschlag

Wien (ÖVP-Klub) Heftige Kritik übte VP-Klubobmann Dr. Matthias TSCHIRF bei der gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Wiener VP-Chef GÖRG an den Organisationskosten von Wienstrom. "Die Strukturen von Wienstrom sind äußerst ineffizient und reformbedürftig", meint TSCHIRF. Bei der Produktivität und der Effizienz schneidet Wienstrom im Vergleich zu anderen österreichischen EVUs äußerst schlecht ab. "Während beim Verbund auf einen Mitarbeiter ein Stromabsatz von 11,7 GWh pro Jahr kommt, "leistet" ein Mitarbeiter von Wienstrom jährlich nur 3,32 GWh", weiß der VP-Klubobmann. In absoluten Umsatzzahlen bedeutet dies: Ein Verbund-Mitarbeiter leistet jährlich 388.000 € Umsatz, ein Wienstrom-Mitarbeiter nur 233.000 €.

Ähnlich schlecht gestalten sich die Absatzsteigerungen bei Wienstrom:
Der Verbund steigerte seinen Absatz seit 1997 um rund 30 % steigern konnte, Wienstrom im gleichen Zeitraum nur um 3 %. "Diese Werte sprechen eine deutliche Sprache", so TSCHIRF. "Egal ob Wienstrom Kooperationen eingeht oder fusioniert, in jedem Fall muss es sichtbare Steigerungen der Effizienz und merkbare Verbesserungen bei der Personalstruktur geben."

Auch bei den Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz liegt Wienstrom hinter dem Verbund. Während der Verbund im Zeitraum von 1997 bis 2000 1048 Posten eingespart hat (minus 23,6 %), hat man bei Wienstrom im gleichen Zeitraum nur 294 Mitarbeiter (minus 7,1 %) einsparen können. Der Personalstand der beiden Unternehmen war davor in Zahlen etwa gleich hoch.

Belegschaftsvertreter müssen kooperieren, um Bestand des Unternehmens zu sichern

TSCHIRF erinnerte daran, dass für eine Verschränkung oder einen Verkauf von Anteilen an Wienstrom auch die Zustimmung der sozialistischen Belegschaftsvertreter notwendig sei. Dies ist in den Satzungen der ausgegliederten Wiener Stadtwerke festgehalten. "Ich kann nur hoffen, dass die Belegschaftsvertreter auch wirklich im Sinne und im Interesse ihrer Belegschaft handeln und sich einer solchen Maßnahme im Fall des Falles nicht verschließen. Derzeit sei es nämlich so, dass das Unternehmen sich nicht durchführbare Einsparungsmöglichkeiten über Preiserhöhungen (Stromsteuer, KWK-Zuschlag) bei den Kunden zurückholt. "Auf Dauer", fürchtet TSCHIRF, "ist das natürlich ein enormer Wettbewerbsnachteil für das Unternehmen, weil es sich in Geiselhaft der Belegschaftsvertreter begeben hat." Innerhalb des Unternehmens müsse es rasch zu einer Veränderung der Strukturen kommen, damit die Kosten gesenkt werden können. "Wienstrom hat derzeit exorbitant hohe Organisationskosten, die das Unternehmen - wenn es weiterhin als Einzelunternehmen agiert - in ernsthafte Schwierigkeiten bzw. in den Zerfall führen werden", so der VP-Klubobmann. "Damit wären natürlich auch mittelfristig tausende Arbeitsplätze gefährdet."

KWK-Zuschlag ist unsozial und ungerecht

An der Höhe des Wiener KWK-Zuschlags übte der VP-Klubchef erneut heftige Kritik. Durch eine Verordnung des Wiener Landeshauptmannes Häupl ist derzeit ein KWK-Zuschlag von 10,22 Groschen pro Kilowattstunde Bestandteil des Wiener Strompreises. "Die Höhe dieses Zuschlages ist vollkommen ungerechtfertigt und wird von Experten heftig bekämpft", empört sich TSCHIRF. "Auch der Stromregulator - die E-Control - hält die Höhe dieser neuen Wiener Stromsteuer für völlig unangemessen." Fachleute geben einen KWK-Zuschlag von drei bis sechs Groschen je Kilowattstunde als angemessen an, in der Steiermark beträgt dieser Zuschlag knapp unter 3 Groschen.

Mittlerweile gibt es nicht nur in Wien massiven Widerstand gegen diese ungerechtfertigt hohe Abgabe, die vor allem die Bezieher von Kleinsteinkommen belastet. Selbst aus Rieders und Häupls eigenem Parteilager, konkret aus der SPÖ-Niederösterreich, kommt Widerstand. Sogar der niederösterreichische SP-Wirtschaftssprecher LAbg. Wolfgang MOTZ übte heftige Kritik am Wiener KWK-Zuschlag und meinte, dass diese Steuer "dem europäischen Prinzip der Stromliberalisierung" widerspreche. Die niederösterreichischen Sozialpartner lassen derzeit ein Gutachten über die Verfassungskonformität der neuen Wiener Steuer anfertigen.

Die Liste der Kämpfer gegen diese neue Belastung wird immer länger. In den letzten Monaten haben sich zahlreiche Unternehmen und Gruppierungen, wie etwa Arbeiter- und Wirtschaftskammer, die Aufsichtsbehörde E-Control, u.v.a. gegen diese Steuer ausgesprochen und Widerstand angekündigt.
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