DER STANDARD-Bericht: "Bartenstein will Fusion aller heimischen Stromversorger - Stufenplan an Landeshauptleute übermittelt - Börsegang denkbar - Erscheinungstag 8.2.2002

Wien (OTS) - Wirtschaftsminister Martin Bartenstein hat den Landeshauptleuten ein Konzept für eine "österreichische Stromlösung" übermittelt. Kern ist ein Stufenplan, der in der Fusion aller österreichischen Landesversorger und der Verbundgesellschaft mündet.

Im Detail sollen zuerst die Leitungsnetze aller Gesellschaften -getrennt nach Hochspannung und Verteilernetze - in eigene Gesellschaften ausgegliedert werden. "Zum einen sind hier hohe Synergiepotenziale versteckt, zum anderen wirft dieser Bereich aber auch schöne Renditen ab, immerhin handelt es sich um ein natürliches Monopol", meint ein mit der Materie vertrauter Experte. Denkbar ist dann, die Leitungsgesellschaft mit bis zu 49 Prozent an die Börse zu bringen.

Nach dem gleichen Muster sollen dann auch die Kraftwerke - wieder getrennt etwa in den Wasserkraftbereich, alternative Energieerzeugung, kalorische Kraftwerke - in eine Gesellschaft eingebracht werden, ebenso soll der Handel auf einer gemeinsamen Plattform zusammengeführt werden. Die Landesstromversorger und der Verbund würden nach diesen Ausgliederungen der operativen Geschäfte nur noch als gesellschaftsrechtliche Hüllen übrig bleiben. Die Reaktion der Landeshauptleute auf diese Pläne, an denen schon Bartensteins Vorgänger Hannes Farnleitner gescheitert war, war mehrheitlich negativ (siehe nebenstehede Reaktionen). Voralberg etwa will überhaupt nicht teilnehmen, andere Bundesländer wie Wien und das Burgenland machen ihre Teilnahme vom "Rausschmiss" des Wasserkraftpartners des Verbunds, der E.ON, abhängig.

Für eine "österreichische Lösung" wären auch verfassungsrechtliche Änderungen notwendig: Derzeit ist beim Verbund eine Bundesmehrheit Vorschrift. Die SP hat jedoch bereits die Zustimmung für eine entsprechende Gesetzesänderung signalisiert. Inwieweit die Pläne Bartensteins realisiert werden können, soll sich nächsten Mittwoch auf einem Stromgipfel mit den Landeshauptleuten klären. Kommentar S. 36

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