• 06.02.2002, 13:56:58
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Leitl: "Universitäten von den Fesseln der Bürokratie lösen"

Reformvorschläge von Ministerin Gehrer werden voll unterstützt - Kooperation Wirtschaft und tertiärer Sektor soll Arbeitsmarktorientierung erhöhen

Wien (PWK096) -"Wir studieren doppelt so lang und es kommt nur die
Hälfte zum Ziel" stellt Christoph Leitl, Präsident der
Wirtschaftskammer Österreich, anlässlich eines Hintergrundgesprächs
zur Universitätsreform in der WKÖ fest. Leitl verweist auf die Zahlen
einer OECD-Studie, wonach Österreich im internationalen Vergleich mit
7,4 Jahren die längste Studiendauer (OECD-Schnitt 4,5 Jahre) und die
geringste Abschlussquote aufweist. Auch bei der Akademikerquote ist
Österreich mit 6 Prozent Schlusslicht (OECD: 13%)

"Dieser Vergeudung von geistigen und finanziellen Ressourcen möchte
die Wirtschaft durch konstruktive Vorschläge entgegenwirken, um die
österreichischen Universitäten wieder als "Spitzenausbildungsstätten"
in Europa zu etablieren", so Leitl. Die Ausbildung und Qualifikation
der österreichischen Arbeitskräfte bildet das Rückgrat für die
Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft.

"Die Universitäten müssen von den Fesseln der Bürokratie befreit
werden", unterstreicht Leitl. Dazu präsentierte er 7 konkrete
Vorschläge und begrüßte die Reformbestrebungen des
Bildungsministeriums zur Autonomie der Universitäten als wichtigen
Schritt in die richtige Richtung. "Das Hauptziel der tertiären
Ausbildung ist die Integration der Absolventen in den Arbeitsmarkt.
Um die Praxisorientierung der Studien zu erhöhen, sollen verstärkt
Vertreter der Wirtschaft in die Studienplangestaltung und die
Weiterbildungsplanung eingebunden werden. Universitätsassistenten
möchte die Wirtschaftskammer dreimonatige Praktika in
Wirtschaftsbetrieben vermitteln, um deren hohes theoretisches Wissen
für die Unternehmen nutzbar zu machen und andererseits den
Uni-Assistenten Praxiserfahrung zu ermöglichen. Dadurch würde eine
"Win-Win-Situation" geschaffen", so Leitl.

"Außerhalb des Bildungssystems erworbene Kompetenzen sollen für
spätere Bildungsgänge anrechenbar werden und dadurch eine Entlastung
der Universitäten herbeiführen. Universitäten und Fachhochschulen
müssen verstärkt "Enterpreneurship" entwickeln, um den akademischen
Nachwuchs zur Gründung von Unternehmen anzuleiten. Die Wirtschaft
leistet dazu durch die Co-Finanzierung des Lehrstuhls für
Unternehmensgründung an der Wirtschaftsuniversität Wien einen
wichtigen Beitrag", führt Leitl aus.

Um das "Technikbewusstsein und das Image von Ausbildungen im
technischen Bereich, insbesondere für Frauen, zu fördern, beteiligt
sich die Wirtschaftskammer an zahlreichen Aktionen, wie zum Beispiel
Informationsveranstaltungen und Karriereberatung.

"Wesentlich ist auch die bereits in Bologna vereinbarte, EU-weite
Harmonisierung des Studienaufbaus. Wir unterstützen die
Dreigliedrigkeit im Studienaufbau
(Bakkalaureat/Magisterium/Doktorat), da sie arbeitsmarktnahe ist und
die Transparenz sowie die Vergleichbarkeit des "Bildungsoutputs" in
Europa sicherstellt", betont Michael Landertshammer, Leiter der
Abteilung Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich.

Hinsichtlich der Finanzierung der Universitäten schlägt die
Wirtschaftskammer ein "Drei-Säulen-Modell" vor. Neben einer
Basisfinanzierung (für Gebäude) und einer Normkostenfinanzierung,
abhängig von der Zahl der Studierenden einer Universität, sollen
zwischen dem Bildungsministerium und den Universitäten
Leistungsvereinbarungen abgeschlossen werden, die zu einer
erfolgsabhängigen Budgetzuweisung führen. "Diese erfolgsabhängigen
Leistungen können durchaus 30-40% des Gesamtbudgets betragen, um eine
entsprechende Effizienz der Universität sicher zu stellen", schließt
Leitl. (GT)

Rückfragehinweis: Wirtschaftskammer Österreich

Dr. Gerd Trötzmüller
Tel.: 01/50105/4430

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