Leitl: "Universitäten von den Fesseln der Bürokratie lösen"

Reformvorschläge von Ministerin Gehrer werden voll unterstützt - Kooperation Wirtschaft und tertiärer Sektor soll Arbeitsmarktorientierung erhöhen

Wien (PWK096) - "Wir studieren doppelt so lang und es kommt nur die Hälfte zum Ziel" stellt Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, anlässlich eines Hintergrundgesprächs zur Universitätsreform in der WKÖ fest. Leitl verweist auf die Zahlen einer OECD-Studie, wonach Österreich im internationalen Vergleich mit 7,4 Jahren die längste Studiendauer (OECD-Schnitt 4,5 Jahre) und die geringste Abschlussquote aufweist. Auch bei der Akademikerquote ist Österreich mit 6 Prozent Schlusslicht (OECD: 13%)

"Dieser Vergeudung von geistigen und finanziellen Ressourcen möchte die Wirtschaft durch konstruktive Vorschläge entgegenwirken, um die österreichischen Universitäten wieder als "Spitzenausbildungsstätten" in Europa zu etablieren", so Leitl. Die Ausbildung und Qualifikation der österreichischen Arbeitskräfte bildet das Rückgrat für die Wettbewerbsfähigkeit der österreichischen Wirtschaft.

"Die Universitäten müssen von den Fesseln der Bürokratie befreit werden", unterstreicht Leitl. Dazu präsentierte er 7 konkrete Vorschläge und begrüßte die Reformbestrebungen des Bildungsministeriums zur Autonomie der Universitäten als wichtigen Schritt in die richtige Richtung. "Das Hauptziel der tertiären Ausbildung ist die Integration der Absolventen in den Arbeitsmarkt. Um die Praxisorientierung der Studien zu erhöhen, sollen verstärkt Vertreter der Wirtschaft in die Studienplangestaltung und die Weiterbildungsplanung eingebunden werden. Universitätsassistenten möchte die Wirtschaftskammer dreimonatige Praktika in Wirtschaftsbetrieben vermitteln, um deren hohes theoretisches Wissen für die Unternehmen nutzbar zu machen und andererseits den Uni-Assistenten Praxiserfahrung zu ermöglichen. Dadurch würde eine "Win-Win-Situation" geschaffen", so Leitl.

"Außerhalb des Bildungssystems erworbene Kompetenzen sollen für spätere Bildungsgänge anrechenbar werden und dadurch eine Entlastung der Universitäten herbeiführen. Universitäten und Fachhochschulen müssen verstärkt "Enterpreneurship" entwickeln, um den akademischen Nachwuchs zur Gründung von Unternehmen anzuleiten. Die Wirtschaft leistet dazu durch die Co-Finanzierung des Lehrstuhls für Unternehmensgründung an der Wirtschaftsuniversität Wien einen wichtigen Beitrag", führt Leitl aus.

Um das "Technikbewusstsein und das Image von Ausbildungen im technischen Bereich, insbesondere für Frauen, zu fördern, beteiligt sich die Wirtschaftskammer an zahlreichen Aktionen, wie zum Beispiel Informationsveranstaltungen und Karriereberatung.

"Wesentlich ist auch die bereits in Bologna vereinbarte, EU-weite Harmonisierung des Studienaufbaus. Wir unterstützen die Dreigliedrigkeit im Studienaufbau (Bakkalaureat/Magisterium/Doktorat), da sie arbeitsmarktnahe ist und die Transparenz sowie die Vergleichbarkeit des "Bildungsoutputs" in Europa sicherstellt", betont Michael Landertshammer, Leiter der Abteilung Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich.

Hinsichtlich der Finanzierung der Universitäten schlägt die Wirtschaftskammer ein "Drei-Säulen-Modell" vor. Neben einer Basisfinanzierung (für Gebäude) und einer Normkostenfinanzierung, abhängig von der Zahl der Studierenden einer Universität, sollen zwischen dem Bildungsministerium und den Universitäten Leistungsvereinbarungen abgeschlossen werden, die zu einer erfolgsabhängigen Budgetzuweisung führen. "Diese erfolgsabhängigen Leistungen können durchaus 30-40% des Gesamtbudgets betragen, um eine entsprechende Effizienz der Universität sicher zu stellen", schließt Leitl. (GT)

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