Bauschäden kosten jährlich 140 Mio Euro

Neues Institut für Bauschadensforschung will künftig das Schlimmste verhindern

Wien (PWK085) - Bauschäden kosten ein Vermögen. In Deutschland beläuft sich die Schadenssumme im Hochbausektor nach Gewährleistungsansprüchen und Schadenersatz auf 3,7 Mrd Euro im Jahr. Das sind 2 % vom gesamten Hochbauvolumen. Die vermeidbaren Fehler passieren bei der Planung, Ausführung und Materialherstellung am Neubau. "In Österreich gehen wir allein im Bauhauptgewerbe im Hochbau von einer Schadenssumme von mindestens 140 Mio Euro (rund 1,9 Mrd Schilling) aus. Rechnet man das Baunebengewerbe hinzu, kann man die Summe locker verdoppeln", erklärte Michael Balak, Leiter des neu gegründeten Instituts für Bauschadensforschung (IBF), das heute, Donnerstag, gemeinsam mit den Gründungsmitgliedern Bundesinnung Bau und VAV-Versicherung aus der Taufe gehoben wurde.

Mit dem IBF gibt es nun erstmals eine zentrale Anlaufstelle für Bauschäden in Österreich. "Wir verstehen uns als Dienstleister für die Bauwirtschaft, für Bauherren, Planer und Objektseigentümer, der Gesamtlösungen anbietet. Unser Ziel ist es, Bauschäden durch Informationen im Vorfeld zu verhindern, Gewährleistungskosten zu senken und die Versicherungsaufwendungen zu reduzieren", stellt Balak fest.

Dazu hat das IBF ein umfangreiches Maßnahmenpaket geschnürt. Die Angebotspalette reicht von einer Schadens-Hotline und Beratungen vor Ort über die Erstellung von Gutachten und der Initiation von Forschungsprojekten bis hin zu praxisorientierten Seminaren, intensiven Schulungen und fachspezifischen Publikationen. "Wir vermitteln Kompetenz, damit in Zukunft die inkompetente Bearbeitung von Bauschadensfällen der Vergangenheit angehört und dadurch die Ausführenden, Bauherren und Planer viel Zeit und Geld sparen können", zitierte Balak aus dem Leitbild des IFB.

Dass sein Institut damit auf dem richtigen Weg ist, zeigen die Empfehlungen der letzten Bauschadensberichte in Deutschland. Demzufolge müssen die fachlichen Informationen zur Verhinderung von Bauschäden verbessert, die praktischen Erfahrungen besser genutzt, Studium und Ausbildung praxisbezogener gestaltet und die berufliche Fortbildung verstärkt werden. "Alles Themen, die wir aufgreifen werden", so Balak, der gleich ein weiteres Thema anreißt: "Die Tendenz bei den Bauschäden geht immer mehr in Richtung Instandsetzung und Sanierung. Hier ist offenbar sowohl bei den Planern als auch bei den Bauausführenden weniger Know-how vorhanden als im Neubau. Daher muss künftig die Bauwerksdiagnose deutlich verbessert werden".

Angesiedelt ist das IFB im Österreichischen Forschungsinstitut für Chemie und Technik (OFI) im Wiener Arsenal. Durch das volle Ausnützen aller Synergien zwischen den einzelnen Instituten im OFI ist es dem IFB möglich, Gesamtlösungen zur Vermeidung von Bauschäden und ihren Folgen anzubieten. Unterstützt wird das IFB u.a. von der Versicherung für die Bauwirtschaft-VAV, "weil wir uns als Spezialist für Bauversicherungen aus der Forschungstätigkeit großen Erfolg für die Praxis erwarten", so Vorstandsvorsitzender Norbert Griesmayr. Die Kunden der VAV, so Griesmayr, werden künftig weniger Schäden haben und in der Folge weniger Prämien zahlen, da die Versicherung weniger Schadensaufwand zu leisten hat. Das Prämienvolumen der VAV und ihrer 100.000 Kunden beläuft sich auf 50 Mio Euro.

Für Günter Tschepl, Geschäftsführer der Bundesinnung Bau, ist die Mitgliedschaft im IFB ein weiterer wichtiger Schritt zur Realisierung des Leitbildes der österreichischen Baumeister. "Bauschäden kosten Geld und macht das Bauen teurer. Egal wer die Behebung bezahlen muss, das Geld fehlt der Bauwirtschaft. Unser oberstes Ziel ist es aber, qualitativ hochwertige Bauleistungen professionell und zu fairen Preisen für zufriedene Kunden zu erbringen. Die Forschungsergebnisse und Dienstleistungen des IFB helfen uns dabei, dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen".

Tschepl wies in diesem Zusammenhang auf die Imagekomponente von Bauschäden hin: "Wer auch immer den Bauschaden verursacht, es bleibt letztlich ein Imageschaden für die Baubranche zurück. Auch aus diesem Grund ist die Vermeidung von Bauschäden für die Bauwirtschaft besonders wichtig".

Der Geschäftsführer sieht in der Bauschadensforschung die wissenschaftliche Grundlage für die Sanierung im Altbau. "Die Sanierungsbranche wird in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen. Entscheidend ist dabei die richtige Schadens- und Sanierungsanalyse und das Wissen um geeignete bauliche Maßnahmen. Wir erwarten uns gerade in diesem Bereich vom IFB wertvolle Impulse", schloss Tschepl. (MH)

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